29. Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen – Resümee

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Alles in allem war dieser Parteitag der Grünen für mich eine sehr interessante Erfahrung. Ich habe eine Menge netter neuer Leute kennengelernt und viele erstaunlich tiefe Einblicke in das Innenleben der grünen Partei erhaschen können.

Die Blogger

Eigentlich war mir längst klar, dass Blogger in der Regel ausgesprochen umgängliche Typen sind. Meine Mitstreiter (Claudia, Marcel, Korbinian, Bastian und Achim) bei der Bundesdelegiertenkonferenz haben diesen Eindruck noch einmal eindrucksvoll bestätigt. Einen möchte ich aber besonders hervorheben. Achim und ich waren uns einig, dass wir von Marcel Emmerich vom TagesschauM noch große Dinge erwarten dürfen. Nicht nur dass er so ziemlich die gesamte Führungsspitze der Grünen zu Interviews überredet hat, sondern auch wie er diese Interviews dann durchgezogen hat – klasse. Achim hat einige von Marcels Interviews aufgenommen, hier zum Beispiel das Interview mit dem Bundesvorsitzenden der Grünen Chem Özdemir. Es sei nur am Rande erwähnt, dass Marcel gerade mal 17 Jahre alt ist.

Wir Blogger hatten unseren Tisch in der letzten Reihe nicht weit vom Haupteingang des Saals. Das hatte eine Menge Vorteile, denn direkt hinter uns oder häufig sogar an unserem Tisch trafen sich immer wieder bekannte und weniger bekannte Gesichter der Grünen, um einen kleinen Plausch abzuhalten oder um einfach nur mal herauszubekommen, was diese Blogger da so treiben. Leider hatte diese strategisch hervorragende Lage auch einen Nachteil. Ständig standen Reporter und Fernsehteams hinter uns und interessierten sich dafür, was auf den Monitoren der Blogger vor sich geht. Ich habe mehrmals im letzten Moment bemerkt, dass eine Kamera auf mich gerichtet war, als ich gerade irgendein Passwort eintippern wollte. Manchmal werde ich es wohl auch nicht bemerkt haben.

Das Wetter

Eigentlich war klar, dass das Wetter nicht mehr viel schlechter werden konnte, als wir uns am Freitag Nachmittag in Halle 5 der Westfalenhallen einfanden. Weit gefehlt, denn auf dem nächtlichen kurzen Weg vom Veranstaltungsort zum Hotel hatten wir gegen heftigen Wind und Schneeregen anzukämpfen und waren – endlich angekommen – völlig durchgeregnet. Allerdings kann man den Grünen einen günstigen Einfluss auf das Wetter und damit möglicherweise auch auf das Klima bescheinigen. Am Morgen des dritten Tages der Konferenz erwartete uns strahlender Sonnenschein aus einem wolkenlosen Himmel.

Die Stimmung

Die Stimmung auf der Konferenz war schlicht und einfach klasse. Wir konnten uns die ganze Zeit lang frei zwischen den Reihen der Delegierten bewegen. Mir ist kein einziger Delegierter begegnet, der nicht freundlich auf irgendwelche Fragen reagiert hätte. So kam es nicht selten zu spontanen Plaudereien mit Leuten, die man normalerweise nur aus dem Fernsehen kennt.

Irgendwie erwartet man auf einem grünen Parteitag immer noch Bilder wie sie in den 80ern über unsere Bildschirme rauschten – strickende Männer, stillende Mütter, spielende Kinder – nichts dergleichen, ok, wenig dergleichen. Offenbar hat auch bei den Grünen inzwischen ein gewisser Wandel hin zur Schlips-und-Kragen-Seriösität eingesetzt – schade eigentlich.

Sogar die Vertreter der Medien, von denen ich mich manchmal etwas bedrängt fühlte, waren durchweg auffallend gut drauf. Allenfalls einige Delegierte, die es bei den Wahlen zur Europa-Kandidatenliste nicht auf einen aussichtsreichen Listenplatz geschafft hatten, machten gelegentlich einen etwas gnatzigen Eindruck. Aber wie gesagt, alles im allem eine supergute Stimmung.

Das Wahlprogramm

Wahlprogramme von politischen Parteien sind natürlich immer so eine Sache. Wir Wähler beauftragen gewöhnlich nicht eine einzige Partei mit der Regierungsbildung, sondern es kommt zu Koalitionsverhandlungen mehrerer Parteien. Da liegt es auf der Hand, dass keine Partei ihr Programm zu 100 Prozent verwirklichen kann. Ein schönes Beispiel sind die Programme zur letzten Bundestagswahl von CDU/CSU und SPD. Dort war eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen bzw. zwei Prozentpunkte vorgesehen. In den Verhandlungen zur Regierungsbildung wurden diese Werte einfach addiert und es kam zu einer Erhöhung um drei Prozentpunkte…

Trotzdem habe ich aus Sicht dieses Blogs natürlich besonders die Änderungsanträge zu den Punkten eins, zwei und drei (Energie, Umwelt, Verbraucherschutz) interessiert verfolgt. Zu einzelnen dieser Änderungen werde ich evtl. noch mal gesondert Stellung nehmen. Das gesamte Europa-Wahlprogramm der Grünen kann hier eingesehen werden.

Die Kandidatenliste

Die Aufstellung der Kandidatenliste für die Europawahl als eine ziemlich zähe Angelegenheit zu beschreiben wäre wohl etwas untertrieben. Für jeden der 30 Listenplätze (später reduziert auf 25) wurde eine gesonderte Wahl abgehalten. Vorher bekam jeder der insgesamt 46 Bewerber eine Redezeit von sieben Minuten eingeräumt und konnte dann für weitere 3 Minuten auf Fragen aus dem Plenum antworten. Allein die Redezeiten der Bewerber nahm also acht Stunden in Anspruch. So zog sich schon die Wahl der ersten 12 Listenplätze am Sonnabend bis nach zwei Uhr nachts hin.

Auf die Plätze der Spitzenkandidaten wurden ohne Gegenkandidaten Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer gewählt. Auch die beiden Quereinsteiger, der Attac-Mitbegründer Sven Giegold und Amnesty-Generalsekretärin Barbara Lochbihler schafften es auf einen aussichtsreichen Listenplatz. Eine herbe Niederlage erlitt dagegen die frühere Parteichefin der Grünen und Europaabgeordnete Angelika Beer, sie fiel bei der Wahl zum siebten und anschließend auch neunten, 13. und 15. Listenplatz durch.

3 Kommentare zu 29. Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen – Resümee

  • Rui

    Das klingt ja sehr interessant. Wie kommt man denn dazu, dass man sich so was mal ansehen darf? Bzw. da mal hautnah dabei ist? Das darf ja nicht jeder und somit würde mich das schon mal sehr interessieren. Ich würde zwar nicht unbedingt zu den Grünen gehen wollen, aber mal einen Eindruck von der ganzen Sache bekommen wäre bestimmt nicht schlecht. Anscheinend hattest du jede Menge Spaß wie ich das so lese. Find ich klasse. Da wird man ja richtig neidisch.

  • Wie ich zu diesem Blogticket der Grünen gekommen bin kannst Du hier nachlesen.

  • Weltherrscher

    marcel war klasse.
    aber auch die drei tage.
    war alles sehr interessant und zum glück gabs auch einige lacher.
    großartig war der delegierte, der sich irgendwie auf jeden (?) listenplatz eintragen lies. köstlich…:-)

    gruß
    achim

    ps: und gut angekommen?

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