Trauermücken

Wenn man einen Schädling bekämpfen will, dann muss man ihn erst mal genau bestimmen. Wie ich gerade festgestellt habe, ist das bei den Trauermücken gar nicht mal so einfach. Laut Wikipedia gibt es weltweit 1800 Trauermückenarten und hier in Europa sind es immer noch 600 bekannte Arten. Die Trauermücken, die sich gerade in Mailins Kokospalme gemütlich eingerichtet haben, müssen also damit vorlieb nehmen, dass sie bekämpft werden, ohne dass der Bekämpfer weiß wie sie eigentlich genau heißen.

Trauermücke

Eine unserer Trauermücken

Die Familie der Trauermücken (Sciaridae) gehören zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Sie besitzen also wie die anderen Mücken und die Fliegen nur ein Flügelpaar. Wie gesagt, es gibt massenweise unterschiedliche Arten. Einige von denen tun sich als Schädlinge im Garten und ganz besonders in Blumentöpfen hervor.

Die erwachsenen Mücken (Imagos) sind etwas lästig, sie richten aber keinen nennenswerten Schaden an. Sie leben nur einige Tage lang und nehmen während dieser Zeit nur Flüssigkeit auf. Die Aufgabe der Imagos ist also die Paarung und die Eiablage in den Boden.

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die in der Natur zu den wichtigsten Laub zersetzenden Organismen zählen. Die Larven einiger Arten ernähren sich aber leider auch von lebenden Wurzeln und das macht sie zu Schädlingen. Ganz besonders im Blumentopf, wo die natürlichen Feinde fehlen. Dort können sie zu einem ernsten Problem werden. Sie schädigen ganz besonders die jungen Pflanzen. Manchmal kann aber auch der Befall einer größeren Pflanze tragisch enden.

OK, was können wir also tun, um Mailins geliebte Kokospalme vor den Trauermücken zu schützen?

Bekämpfung der Trauermücken im Blumentopf

In den einschlägigen Foren findet man eine Vielzahl von Maßnahmen, um die Trauermücken zu bekämpfen. Diese Maßnahmen kann man folgendermaßen einteilen:

  • Allgemeine Maßnahmen um die Lebensbedingungen für die Trauermücke zu erschweren
  • Direkte Bekämpfung der erwachsenen Mücken
  • Direkte Bekämpfung der Larven
  • Verhindern der Eiablage

Lebensbedingungen für die Trauermücke zu erschweren

Trauermücken bevorzugen eine feuchte Umgebung. Deshalb wird dazu geraten weniger zu gießen oder die Pflanzen sogar gelegentlich ganz austrocknen zu lassen. Der Erfolg dieser Vorgehensweise ist allerdings umstritten. Auch andere Maßnahmen wie das Gießen mit Schwarztee waren nicht unbedingt immer von Erfolg gekrönt.

Direkte Bekämpfung der erwachsenen Mücken

Die Imagos der Trauerfliege leben nur wenige Tage und sie treten nicht als Schädling in Erscheinung. Wenn man nur die erwachsenen Tiere bekämpft, dann muss die Maßnahme über eine längere Zeit konsequent durchgehalten werden. In der Praxis scheinen diese Maßnahmen eher nicht besonders erfolgreich zu sein.

  • Regelmäßiges absaugen der Mücken mit dem Staubsauger.
  • Gelbtafeln, Gelbsticker, an denen die Mücken kleben bleiben.
  • Flüssigkeitsfallen gefüllt mit Rotwein, Essig, Zuckerwasser usw.

Leider haben wir hier im Moment keine vernünftige Gelbtafel zur Hand, aber es läuft gerade ein Versuch mit einer (gelblichen) Fliegen-Leimfalle und zwei Korngläsern gefüllt mit Rotwein bzw. verdünntem Essig. Nach 24 Stunden ist das Ergebnis sehr ernüchternd. Die Flüssigkeitsfallen haben nicht eine einzige Mücke angelockt; an der Leimfalle hängen exaktgenau zwei Mücken. Irgendwie ist das ja auch gar kein Wunder, denn die erwachsenen Mücken wollen nicht fressen, sondern sie suchen einen Partner.

Direkte Bekämpfung der Larven

Es gibt verschiedene recht erfolgreiche biologische Methoden um die Larven der Trauermücken direkt zu bekämpfen.

  • Nematoden
    Bestimmte Arten von Nematoden, besonders Steinernema feltiae, befallen die Trauermücken-Larven und töten sie ab. Deshalb gibt es von verschiedenen Herstellern Präparate, die diese Nematoden enthalten (Produktnamen sind zum Beispiel Nemaplus, Traunem oder Nemasys) Diese Präparate werden dem Gießwasser zugegeben und dann beim Gießen in die Pflanzerde gebracht. Die Nematoden können sich in begrenztem Maße aktiv in der Erde bewegen und suchen die Larven selbstständig auf. Bei dieser Methode darf die Pflanzerde nicht ganz austrocknen. Steinernema feltiae Nematoden sind lichtempfindlich, deshalb sollte man sie möglichst abends ausbringen. Die Pflanzen werden durch die Nematoden nicht geschädigt. Wenn die Blätter mit den Präparat benetzt wurden kann es trotzdem sinnvoll sein sie anschließend abzusprühen um die Nematoden in den Boden zu spülen.
  • Raubmilben
    Einige Raubmilben, besonders einige Subspezies der Familie Hypoaspis (z.B. Hypoaspis miles), sind gut zur Bekämpfung der Trauermücken geeignet. Die Milben werden mit einem Vermiculit/Torf-Substrat geliefert. Sie müssen dann schnell ausgebracht werden. Es ist nicht möglich sie längere Zeit in der Transportverpackung aufzubewahren. Die Milben dürfen auch nicht gekühlt werden.
  • Bakterien
    Auch das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) kann zur Bekämpfung der Trauermücken eingesetzt werden. Die Mückenlarven fressen die Dauersporen der Bakterien und sterben dann schnell an einem Fraßgift, dass in den Sporen enthalten ist. Für die meisten anderen Lebewesen ist BTI ungefährlich. Es wirkt aber gegen andere Mückenarten (z.B. Stech- und Kriebelmücken). BTI wird zum Beispiel unter den Markennamen BioMück oder Neudomück angeboten.

Verhindern der Eiablage

Eine offenbar recht erfolgreiche Methode, die Eiablage der Mücken zu verhindern ist das Aufbringen von ein bis zwei Zentimeter Quarzsand auf die Pflanzerde. Dadurch sollen die Mücken daran gehindert werden ihre Eier in der Erde abzulegen. Außerdem sollen die in der Erde geschlüpften Mücken daran gehindert werden, an die Oberfläche zu kriechen.

Da wir noch einen kleinen Haufen Lotsand von der letzten Bauaktion im Stall liegen haben, ist die letzte Methode jetzt erst mal unser Mittel der Wahl um die Trauermücken in Mailins Kokospalme zu bekämpfen. Ich hoffe, die kommen dann nicht auf die Idee alle anderen Blumentöpfe im Haus zu befallen – wir werden berichten.

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Weblinks:

5 Kommentare zu Trauermücken

  • Marlis

    Viel Glück bei der Bekämfung. Ich bin absolut kein Fan von Schädlingen. Ich hoffe eure Palme schaffts.

  • Also ich habe ganz gute Erfahrungen mit Nemotoden. Habe mir immer wieder mit gekauften Pflanzen Trauermücken eingeschleppt und mit Nematoden erfolgreich bekämpft. Ist allerdings nicht billig. Wenn ich jetzt eine Pflanze kaufe, kommt sie erst einmal in ein anderes Zimmer. VG Brigitta

    • Wir habe diese Palme schon länger, deshalb vermute ich mal, dass die Trauermücken bei uns irgendwie eingeflogen sind. Aber Zimmerpflanzen erst mal in einen Quarantäne-Raum zu stellen ist ganz sicher sinnvoll. Wir haben uns schon alle möglichen Schädlinge mit gekauften Pflanzen ins Haus geholt – Weiße Fliegen, Spinnmilben und sogar Schnecken!

  • Ohje, das ist ja eine Arbeit! Dafür hätte ich gar keine Zeit ;-)
    Aber sehr interessant! Danke für die Infos!

    Lieber Gruß
    Sara

    • Naja, so häufig kaufen wir nun auch keine neuen Topfpflanzen. Sie erst mal eine Woche in Quarantäne zu stellen ist nicht wirklich arbeitsaufwendig. (Oder war das gar nicht gemeint?)

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