Triebsterben an Buchsbaum durch Cylindrocladium buxicola

Gottorfs Garten

Gottorfs Garten (Quelle: Wikipedia, siehe Bildnachweis am Ende des Artikels)

Vor ein paar Tagen geisterte eine Horrornachricht durch die Medien. Naja, es geisterten natürlich viele noch viel furchtbarere Nachrichten durch die Medien, aber eine betraf speziell uns Gärtner. Von den sechs Kilometer Buchsbaumhecken in Gottorfs Garten sind über vier Kilometer abgestorben.

Gottorfs Garten ist eine Gartenanlage, die das Schloss Gottorf in Schleswig umgibt. Große Teile der ehemals riesigen Anlage sind in den vergangenen Jahrhunderten verloren gegangen. Aber ein Teil, nämlich der Neuwerkgarten oberhalb des Schlosses, wurde Anfang dieses Jahrhunderts aufwändig restauriert und schließlich 2007 der Öffentlichkeit übergeben. Unter anderem wurden in dem Garten, der als frühester Barockgarten nördlich der Alpen gilt, kilometerlange Buchsbaumhecken gepflanzt.

Buchsbaum

Kranker Buchsbaum aber wohl nicht verursacht durch Cylindrocladium buxicola

Der Grund für die abgestorbenen Hecken ist der Pilz Cylindrocladium buxicola. Da auch an einem unserer Buchse gerade einen großer Trieb abstirbt, habe ich mal genauer nachgelesen, worum es sich bei diesem Pilz eigentlich genau handelt. Soweit ich es einschätzen kann, hat der abgestorbene Trieb an unserem Buchs aber glücklicherweise irgend eine andere Ursache.

Cylindrocladium buxicola ist ein Pilz aus der Familie der Pustelpilzverwandten (Nectriaceae). Seit einigen Jahren breitet er sich auch in deutschen Buchsbaumbeständen stark aus. Offenbar ist Norddeutschland stärker betroffen als Süddeutschland, weil der Pilz höhere Temperaturen schlecht verträgt.

Schadbild

Cylindrocladium buxicola kann leicht mit anderen Pilzkrankheiten am Buchsbaum z.B. Buchsbaumkrebs (Volutella buxi) oder Buchswelke (Fusarium buxicola) verwechselt werden. Ich vermute, dass es sich bei der Krankheit unseres Buchses eher um Fusarium buxicola handelt. Dazu ein andermal mehr. Näheres zu den Unterschieden zwischen diesen Arten findet man zum Beispiel in diesem Artikel der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Die Infektion mit Cylindrocladium buxicola führt bei älteren Blättern zunächst zu hellen bis braunen Flecken, die zum Rand hin dunkler werden. Wenn zunächst junge Blätter befallen werden, dann bilden sich eher orange-braune Flecken. Die älteren Blätter bleiben dann meist verschont. An den Trieben bilden sich dunkle Streifen. Kurz nach der Infektion fallen die Blätter herunter und der Trieb stirbt ab. Insbesondere in Zeiten hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich an den Unterseiten der abgestorbenen Blätter ein weißer Sporenbelag.

Die Infektion kann bei geeigneten Witterungsverhältnissen sehr schnell verlaufen und ganze Buchs-Bestände betreffen.

Vorbeugung

Die Sporen des Pilzes überdauern in abgestorbenem Pflanzenmaterial mehrere Jahre lang. Sie können durch Spritzwasser, Wind, Werkzeug oder durch die Schuhe des Gärtners auf gesunde Pflanzen übertragen werden. Bei hoher Luftfeuchtigkeit keimen sie dann nach wenigen Stunden und dringen über das unverletzte Blatt in die Pflanze ein. Die optimale Temperatur für die Infektion liegt bei etwa 25 Grad. Oberhalb von 30 Grad stellt der Pilz sein Wachstum ein und stirbt bei höheren Temperaturen sogar ab.

Die wichtigste Vorbeugungsmaßnahme gegen den Erreger ist die Hygiene. Befallene Pflanzen und Pflanzenteile (abgefallene Blätter) müssen entsorgt werden. Das Werkzeug (besonders die Buchsschere) muss sauber gehalten (bei Befall sogar desinfiziert) werden. Zugekaufte Pflanzen müssen sehr genau auf Befall untersucht werden. Außerdem soll Blattnässe vermieden werden. Eine Bewässerung der Buchshecken mit einem Tropfschlauch ist deshalb dem Rasensprenger vorzuziehen.

Wichtig scheint die Sortenwahl zu sein. Die Gottorfer hatten sich bei der Pflanzung offenbar für den französischen Kantenbuchs (Buxus sempervirens suffrudicosa) entschieden. Genau diese Sorte stellt sich nun aber als besonders anfällig für Cylindrocladium buxicola heraus.

Bekämpfung

Die Bekämpfung von Cylindrocladium buxicola ist schwierig. Chemische Mittel gibt es nicht. Wenn man die Pflanzen retten möchte, dann müssen die kranken Triebe bis weit ins gesunde Holz hinein zurück geschnitten werden (dabei dauernd die Schere desinfizieren). Natürlich muss alles Laub vom Boden entfernt werden. Bei einer Neuanpflanzung soll sogar die obere Bodenschicht ersetzt werden.

Übrigens geben die Gottorfer den Kampf gegen Cylindrocladium buxicola auf. Sie denken jetzt darüber nach, anstatt der Buchsbäume andere Pflanzen (Lebensbaum, Spindelstrauch, Eibe) anzupflanzen. Vorrübergehend setzen sie jetzt als Platzhalter Thymian.

Bildnachweis:

Das Foto von den Buchshecken in Gottorfs Garten stammt aus der Wikipedia. Es wurde dort von Commander-pirx hochgeladen und unter die Creative Commopns Lizenz cc-by-sa-3.0 gestellt.

4 Kommentare zu Triebsterben an Buchsbaum durch Cylindrocladium buxicola

  • ich habe alte buchsbäume die immer in dieser region wachsen, sind auf dem friedhof auch zu finden, waren immer in unserem bauernhofgarten,
    sie werden nicht beschnitten, nur abgeerntet ,wenn für ein ein familienfest sie gebraucht werden, die vermehre ich durch stecklinge, buchs kaufe ich grundsätzlich nicht im handel..nie probleme hier in nordfriesland..aber buchs braucht guten humosen boden, wasser, nährstoffe..liebt unseren marschboden..
    vielleicht stimmt so ein standort mit nur kiesel nicht für die pflanzen..

  • Wir haben auch drei riesen Buchsbäume im Garten, welche nach dem Winter immer das oben gezeigte Schadbild aufweisen. Dummerweise sehen die riesen Büsche dann irgendwann blöd aus und Beschneiden geht auch nicht so richtig.
    Liebe Grüße,
    Maja

  • wetterhahn

    eine gute Freundin von mir hat dadurch leider eine ganze Buchsbaumallee verlohren. Jahrelange Arbeit, viel Geld und viele Tränen hat das gekostet. Leider ging bei ihr das ganze so schnell das zurückschneiden nichts gebracht hat.

  • Eva

    In der Haut der verantwortlichen Planer (wegen der gewählten Sorte ‘Suffruticosa’) und der Gärtner möchte ich nicht stecken. Sie können einem echt leid tun.

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