Fruchtfolge: Schwachzehrer und Starkzehrer?

Wie gesagt, ich hatte mich bisher nicht so recht damit anfreunden können, unsere Fruchtfolge in erster Linie nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen auszurichten. Trotzdem sind solche Fruchtfolgen in Gemüsegärten natürlich durchaus sinnvoll und sehr weit verbreitet. Das zeigen zum Beispiel auch diese Zitate aus einigen unserer Lieblings-Gartenbücher die ich am Wochenende durchgeackert habe:

  • Marie Luise Kreuter; Der Biogarten (20.Auflage, 2000, Seite 73): Auf einem gutgedüngten Beet wachsen im 1. Jahr Starkzehrer, die reichlich Nährstoffe verbrauchen. Im 2. Jahr werden an ihrer Stelle Mittelzehrer angebaut, deren Ansprüche schon etwas geringer sind. Im letzten und 3. Jahr folgen die bescheidenen Schwachzehrer, die sozusagen mit den “Brotkrumen vom Tisch der Reichen” vorlieb nehmen.
  • Horst Köhlers praktisches Gartenbuch (überarbeitete Auflage, 1985, Seite 315): Es gibt ein bestimmendes Prinzip im Gemüsegarten, zunächst starkzehrende Pflanzen, dann weniger anspruchsvolle und schließlich schwachzehrende Arten anzubauen.
  • Elly Petersens praktisches Gartenlexikon (2. Auflage, 1964, Seite 118): Fruchtfolge: Zur Gesunderhaltung des Bodens auf gleicher Fläche stark- mit schwachzehrenden Pflanzen abwechseln lassen.
  • usw. usw.

Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip, erst Starkzehrer, dann Mittelzehrer und zuletzt Schwachzehrer, anschließend geht es wieder von vorne los. Alle Autoren, die sich überhaut eingehender mit Fruchtfolgen im Hausgarten beschäftigen, heben diese Methode deutlich hervor. Neben den Vorteilen, die sie zweifellos bietet, gibt es aber auch ein paar offene Fragen.

Welche Pflanzen gehören in welche Zehrer-Gruppe?

Ich persönlich finde diese Einteilung in Zehrer-Gruppen ziemlich willkürlich, aber sie gibt einem zumindest eine ungefähre Vorstellung. Leider herrscht bei diesen Listen in Gartenbüchern und Internet ein völliges Chaos. Zum Beispiel habe ich Spinat bei verschiedenen Autoren in allen drei Gruppen gefunden. Erdbeeren (die bei uns mehrjährig wachsen ;-) ) wurden sowohl den Stark- als auch den Schwachzehrern zugeordnet…

Die folgende Liste habe ich aus etlichen unterschiedlichen Quellen zusammengebastelt. Bei Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Autoren habe ich die Kultur einfach in mehrere Gruppen aufgenommen oder bei ganz offensichtlichen Fehlern in eine sinnvollen Gruppe einsortiert.

Starkzehrer: Rotkohl, Weißkohl, Wirsing, Blumenkohl, Rosenkohl, Chinakohl, Kopfkohl, Lauch, Kartoffeln, Tomaten, Mais, Zuckermais, Gurken, Kürbisse, Zucchini, Sellerie, Tomaten, Möhren, Rote Bete, Chrysanthemen, Sonnenblumen, Geranien.
(hier wurden mehrfach auch Erdbeeren, Rhabarber, Spargel und sogar Obstbäume angeführt, bei uns sind die aber alle mehrjährig!)

Mittelzehrer: Auberginen, Möhren, Spinat, Salat, Tomaten, Sellerie, Radieschen, Rettich, Porree, Lauch, Knoblauch, Rote Beete, Fenchel, Kopfsalat, Mangold, Schwarzwurzeln, Kohlrabi, Paprika, Melonen, Kürbis, Gurken, Löwenmäulchen, Endivie, Bohnen, Stangenbohnen, Dahlien, Erbsen, Gloxinien, Zucchini, Zwiebeln,

Schwachzehrer: Leguminosen wie Bohnen und Erbsen, Gartenkresse, Feldsalat, Radieschen, einjährige Kräuter, Zwiebeln, Azaleen, Begonien,  Kosmeen, Petunien, Primeln, Stiefmütterchen.

Was folgt nach den Schwachzehrern?

Naja, nach den Schwachzehrern folgen natürlich wieder die Starkzehrer!

Früher wurde nach den Schwachzehrern zunächst ein Jahr Brache eingelegt. In dieser Zeit konnte sich der Boden durch den Abbau von organischer Substanz wieder mit Nährstoffen anreichern. Auf der Brache wurden dann gerne auch noch Stickstoff sammelnde Pflanzen (Leguminosen) angebaut, die die Versorgung des Bodens mit Nährstoffen weiter verbesserten. Solche echten Brachflächen sieht man heute aber kaum noch.

Als Alternative düngt man den Boden vor dem Anbau der Starkzehrer ordentlich mit reifem relativ schnell wirkenden Kompost. In mehreren Publikationen habe ich sogar gelesen, dass der gesamte Kompost auf dem Beet der Starkzehrer ausgebracht wird und dort dann für die nächsten drei Jahre wirkt. Spinat, der auf einem so gedüngten Boden sicherlich super gewachsen ist, würde ich definitiv nicht essen wollen. Es ist nämlich keineswegs so, dass Nitrat in Lebensmitteln vorteilhaft ist, nur weil der Stickstoff aus einem superbiologisch zubereiteten Kompost stammt.

Wie ist das mit den Fruchtfolgekrankheiten?

Im vorherigen Fruchtfolge-Artikel hatte ich zum Beispiel die Kohlhernie der Kreuzblütler angesprochen. Wenn man seine Fruchtfolge stur nach den oben genannten Zehrer-Listen ausrichtet, dann kann es sehr leicht passieren, dass man unterschiedliche Kreuzblütler (z.B. Kohlrabi auf Blumenkohl) aufeinander folgen lässt. Werden dann möglicherweise auch noch Senf oder Ölrettich als Gründüngung eingesetzt, dann kann es sehr leicht passieren, dass man sich ein Beet über viele Jahre für den Anbau von Kreuzblütlern ruiniert. Ähnliches gilt natürlich nicht nur für den Erreger der Kohlhernie, sondern auch für andere bodenbürtige Schaderreger.

Siehe auch:

5 Kommentare zu Fruchtfolge: Schwachzehrer und Starkzehrer?

  • Schön wär’s, kann ich da nur sagen. Leider ist unser Gemüsegarten so klein, dass ich dieses Prinzip der Fruchtfolge nicht anwenden kann. Es gibt nur begrenzte Sonnenplätze, die bekommen jedes Jahr die Tomaten und die Paprikas. Dann gibt es halbschattige Standorte, dort fühlen sich auch andere Gemüsearten wohl wie zB Mangold oder Kohl wohl. Einige windgeschützte bekletterbare Standorte am Zaun, dort müssen Gurken hin. Ich muss mich in erster Linie nach den Gegebenheiten richten, die der Garten mir vorgibt. Zudem muss der wenige Platz auch gut genutzt werden: Sobald ein Plätzchen frei geworden ist, wird meist das gepflanzt, was gerade zur Verfügung steht. Geregelte Fruchtfolge lässt sich bei mir nicht wirklich einhalten. Ich hoffe, das geht noch eine ganze Weile gut!
    Liebe Grüße, Margit

  • Stimmt auf jeden Fall, man muss immer die Gegebenheiten im eigenen Garten berücksichtigen. Ich glaube dass ist sogar die allerwichtigste Fruchtfolgeregel. Tomaten im Schatten, das geht natürlich überhaupt nicht, da nützt die beste Fruchtfolge nichts.

    Ich weiß nicht, ob das heute noch Stand der wissenschaftlichen Forschung ist, aber vor etlichen Jahren habe ich sogar mal in einer einer Untersuchung gelesen, dass bei Monokultur der Ertrag zunächst sinkt, dann aber über den ursprünglichen Wert steigt, weil sich auch Antagonisten der Schaderreger (z.B. Pilze und Bakterien, die die Schadpilze besiedeln) im Boden auch stark vermehren. Wenn ich mich recht erinnere ging es da um Schadpilze an Weizen.

    Bei bestimmten Fruchtfolgekrankheiten funktioniert das aber ganz sicher nicht. Bei Kohlarten holst Du dir zum Beispiel ganz sicher irgendwann die Kohlhernie in den Garten, bei Kartoffeln kommen irgendwann Nematoden usw. So verseuchte Böden sind dann sehr lange (>10 Jahre) nicht mehr für die entsprechende Kultur zu gebrauchen.

  • barbara

    ich habe seit heuer ein gemüsebeet, welches ich nun erstmals im frühjahr 2011 nach dem fruchtfolge prinzip anlegen möchte. wie gehe ich nun vor? habe in diesem jahr nur auf das mischkulturprinzip geachtet, aber stark und schwach und mittel zehrer in unmittelbarer nähe. d.h. ich kann das beet nicht in 3 teile teilen, bzw. einfach so rotieren. oder soll ich ganz neu beginnen? danke für ihren rat! lg b.

    • Zumindest solltest Du bei den Kulturen aufpassen, die für Fruchtfolgekrankheiten anfällig sind (Kartoffeln, Kohl usw.). Ansonsten würde ich einfach auf das neue Prinzip umstellen. Die meisten Kulturen nehmen es eigentlich nicht besonders krumm, wenn sie einmalig auf sich selbst folgen (manche honorieren das sogar).

  • barbara

    vielen dank für ihre antwort! das ist ja dann fast einfch :)

    wie sieht es denn mit lauch, zwiebel, kohrabi und weisskraut aus. können bohnen immer am selben platz bleiben? sonst müsste ich das ganze gerüst wieder umbauen.

    danke nochmals!

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