Die Quecke ist so gemein!

Die Gärtnerin schimpft in ihrem Blog über die Quecke und recht hat sie! Auch bei uns ist die Gemeine Quecke das gemeinste von allen Unkräutern! Die Quecke ist sogar so dermaßen gemein, dass ich ihr hier nun einen eigenen Artikel widme.

Zunächst mal ist die Quecke natürlich überhaupt kein Kraut, sondern ein Gras. Quecken (Elymus) sind eine Gattung, die zur Familie der Süßgräser (Poaceae) gehören. Die spezielle Quecke, die uns in unseren Gärten quält, nennt man Gemeine Quecke (Elymus repens). Die Gemeine Quecke wächst so ziemlich auf jedem Boden, gilt aber gemeinhin als Zeigerpflanze für eher nährstoffreiche und insbesondere stickstoffreiche Standorte.

Ausbreitung und Vermehrung der Quecke

Um die Quecke effektiv zurückdrängen zu können muss man zunächst verstehen, wie sie sich vermehrt. Zunächst einmal geschieht das auf die gleiche Art, wie bei fast allen anderen Pflanzen auch. Die Quecke blüht, sie wird bestäubt und bildet dann eine schlanke Ähre, die der Ähre des Deutschen Weidelgrases sehr ähnlich ist. Die Ähren enthalten jeweils etwa 50 sehr widerstandsfähige Samen, die auch noch aus einer Tiefe von bis zu 7 Zentimetern auflaufen können oder eine unzureichende Kompostierung überleben.

Neben der sexuellen Vermehrung hat die Quecke zusätzlich auch die Möglichkeit sich über unterirdische Ausläufer – die Rhizome – vegetativ zu vermehren. Rhizome sind Metamorphosen der Sprossachse, eigentlich handelt es sich dabei also wie bei den Stolonen der Kartoffel um unterirdische Stängel! Da die Rhizome der Quecke in einem Jahr durchaus einen Meter weit in alle Richtungen wachsen können, ist auch diese vegetative Art der Ausbreitung sehr effektiv.

Bekämpfung der Quecke im Garten

Wenn man sich mal in Ruhe ansieht, wie sich die Quecke vermehrt und ausbreitet, dann sollte die Bekämpfung im Hausgarten eigentlich auch ohne das recht umstrittene Produkt der Firma Monsanto möglich sein.

Verhindern der sexuellen Vermehrung: Die sexuelle Vermehrung muss zunächst einmal auf ähnliche Weise unterbunden werden, wie bei den anderen Samenunkräutern auch:

  • alle Pflanzen konsequent schon vor dem Beginn der Blüte entfernen
  • keine samentragenden Pflanzen auf den Komposthaufen
  • tiefgreifende Bodenbearbeitung (pflügen)
  • Samen schon im zeitigen Frühjahr zum Keimen anregen (hacken, grubbern)

Ich hatte schon in meinem Post zu unseren Leitunkräutern berichtet, dass wir höchstwahrscheinlich große Mengen an frischen Queckensamen über den Pferdemist in unseren Garten bringen. Der Mist enthält eine Menge Heu-Reste aus den Fischerhuder Wümmewiesen. Das Gras wird dort aufgrund von Naturschutz-Auflagen erst sehr spät nach dem 20.6 gemäht und enthält deshalb höchstwahrscheinlich sehr viele Quecken-Samen. Wer einen queckenfreien Garten bewirtschaften möchte, der sollte so etwas natürlich lieber unterlassen.

Der Hinweis auf eine tiefgreifende Bodenbearbeitung wird mir wohl einige erzürnte Proteste von den Anhängern der Minimalbodenbearbeitung und den verschiedenen anderen nicht-wendenden Bodenbearbeitungs-Maßnahmen einbringen – sei’s drum ;-) Um mich mal kurz zu wiederholen, “… Samen, die auch noch aus einer Tiefe von bis zu 7 Zentimetern auflaufen können …“. Das bedeutet aber auch, dass Quecken-Samen es meist nicht aus acht Zentimetern Tiefe bis an die Oberfläche schaffen. Ähnliches gilt übrigens auch für untergepflügte Rhizome.

Der Tipp keine samentragenden Pflanzen in den Kompost zu schmeißen, stammt u.a. aus dem Buch Der Bio-Garten von Marie-Luise Kräuter (Seite 51). Obwohl ich manches in ihren Büchern etwas zu heileweltmäßig finde, schmökere ich doch immer wieder sehr gerne darin herum. Bei der Aussage keine samentragenden Pflanzen in den Kompost fragt man sich natürlich sofort, “Wohin den sonst, in den gelben Sack?”. Naja, sie relativiert sich dann auch gleich und gibt ein paar Tipps (Samen in die Mitte des Komposthaufens, wo es warm ist und die Keimfähigkeit der Samen schneller gebrochen wird.

Verhindern der vegetativen Vermehrung: Das richtig große Problem bei der Bekämpfung der Quecke ist aber das Verhindern der vegetativen Vermehrung. Die Rhizome der Quecke sind sehr “keimfähig” und enthalten einem Menge gespeicherter Energie. Teilt man ein Rhizom, dann entsteht aus jedem Teilstück eine neue Pflanze mit identischen Eigenschaften – ein Klon. Setzt man zur Bodenbearbeitung (wie wir es tun) eine Fräse ein, so setzt man damit ganze Truppen von Klon-Soldaten frei, die dann von beherzten Jedi-Rittern mit ihren Laserhacken bekämpft werden müssen. Dazu sagt der alte Jedi-Meister Yoda: “Heiner abwscheifen tut ganz heftig…”

Dieser Meister Yoda ist ja nun wirklich super-weise, wieso kann der eigentlich nicht mal die simpelsten Grundlagen der Grammatik? Sorry, er hat recht, ich schweife ab. Hier also ein paar Maßnahmen gegen die vegetative Ausbreitung der Quecke:

  • tiefgreifende Bodenbearbeitung (Pflügen)
  • entfernen der Rhizome aus dem Boden (z.B. Grubbern und dann absammeln)
  • regelmäßiges Hacken bevor neue Rhizome gebildet werden können

Es ist schon richtig, dass durch das Teilen der Rhizome viele neue Quecken-Pflanzen entstehen. Andererseits hat jede einzelne dieser Pflanzen einen kleineren Vorrat an Nährstoffen in ihrem Stückchen Rhizom, das heißt sie hat weniger Kraft sich gegen die Hacke des Gärtners zu wehren. Daher halte ich persönlich das Fräsen für eine überaus geeignete Methode zur Queckenbekämpfung. Man darf seine Bestrebungen eben nicht nach dem Fräsen einstellen, sondern muss das gefräste Stück Garten anschließend durch regelmäßiges Hacken oder sogar durch erneutes Fräsen “sauber” halten.

So, jetzt gehe ich erst mal in den Garten und sage
unseren Quecken was hier ab heute Sache ist!
;-)

3 Kommentare zu Die Quecke ist so gemein!

  • brigitta

    Hallo Heiner,
    na was haben die Quecken gesagt? Ich denke, sie haben gleich
    ihren kleinen Kindern Bescheid gegeben, damit sie Dich auch
    besuchen kommen…….so ist das nun mal mit der Familie.
    herzlichst gruß

  • brüno

    Ich habe den Eindruck, dass die Quecken auf dem Garten meiner Vorfahren von einem guten “Freund” ausgebracht wurden, denn sie ist in der Umgebung nicht vorhanden, und zum Blühen ist sie nicht gekommen.

    Möglich?

    Brüno

    • Hmm, wo wohnst Du denn?

      Ich bin eigentlich schon recht weit herum gekommen und ich habe (weltweit) nur wenige Flecken gefunden, an denen es nicht auch Quecken gab. In den gemäßigten Zonen gibt es solche Flecken definitiv nur an wenigen extremen Standorten (z.B. Hochlagen der Alpen, Strände der Meere).

      Blühen wäre übrigens nicht unbedingt nötig. Wie oben schon erwähnt, vermehrt und verbreitet sich die Quecke ziemlich stark vegetativ durch unterirdische Ausläufer (Rhizome).

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