Schneckenbekämpfung im Garten

Schneckenfraß an jungem Topinambur

Schneckenfraß an jungem Topinambur

Schnecken sind die Schädlinge, die in unserem Garten den größten Schaden anrichten. Ich vermute, mit diesem Problem stehen wir nicht so ganz alleine da. Weder Blattläuse, Raupen oder irgendwelche anderen Tiere können es in dieser Disziplin mit den Schnecken aufnehmen.

Neben der zunehmenden Dominanz der zugewanderten und sehr gefräßigen Spanischen Wegschnecke (Arion lusitanicus auch Arion vulgaris) sind wir selbst sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass sich das Schneckenproblem in den letzten Jahren erheblich verstärkt hat. Wir versuchen mehr und mehr ohne wendende Bodenbearbeitung aus zu kommen, wir mulchen und wir bauen Zwischenfrüchte an. All diese Maßnahmen dienen der Verbesserung des Bodenlebens – und begünstigen damit natürlich auch die Schnecken. Dazu kommt, dass wir gewöhnlich abends gießen, was den Pflanzen, aber eben auch den Schnecken zugute kommt.

Glücklicherweise scheinen die Schäden aufgrund des sehr trockenen Aprils in diesem Jahr nicht ganz so schlimm zu werden, aber man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Deshalb haben wir wieder das volle Programm zur Abwehr von Schnecken am Start. Hier unser Waffenarsenal:

Vorbeugende Maßnahmen: Einiges kann man schon im Vorfeld tun, um die Schneckenplage etwas einzudämmen.

  • Im Herbst Schneckeneier suchen und sogar bewusst Unterschlupf-Möglichkeiten für die Eiablage schaffen.
  • Antagonisten der Schnecke (Igel, Kröten, Eidechsen, Blindschleichen, Spitzmäuse, Weinbergschnecken) schützen und fördern, zum Beispiel indem man ein Igelhaus baut. Leider mögen Igel und Kröten die Spanische Wegschnecke wegen ihres bitteren Schleims nicht besonders gerne. Indische Laufenten und Hühner fressen dagegen auch die bitteren Kollegen.
    Weinbergschnecken kommen in unserer Gegend leider nicht natürlich vor. Dafür gibt es Störche, die gerne auf ein paar Schnecken zurück greifen, wenn gerade kein Frosch zur Hand ist.
    Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von Nematoden der Art Phasmarhabditis hermaphroditica, die bei den Schnecken eine tödliche Krankheit auslösen.
  • Pflanzen zur Abschreckung von Schnecken anbauen (zum Beispiel Bartnelke, Kapuzinerkresse, Männertreu, Fingerhut, Akelei)
  • Pflanzen zum Anlocken von Schnecken anbauen (Tagetes), um benachbarte Kulturen zu schützen.
Rhabarber-Blaetter, für Schnecken ein beliebter Platz

Rhabarber-Blätter, für Schnecken ein beliebter Platz

Täglich Schnecken sammeln: Das Absammeln der Schnecken ist mit Abstand die kostengünstigste und eine der effektivsten Methoden zur Schneckenbekämpfung. Wir sammeln die Schnecken gewöhnlich jeweils einmal Morgens und Abends ab. Dabei finden wir meist nur sehr wenige frei herumlaufende Schnecken, aber glücklicherweise treffen sie sich regelmäßig an den von uns vorbereiteten Stellen. Nach unserer Erfahrung sind ausgelegte Rhabarber-Blätter der attraktivste Treffpunkt. Aber auch die Ränder von Steineinfassungen, größere Lungenkraut-Stauden oder der Waldmeister sind sehr beliebt.

Mit etwa Routine dauert das Absammeln nur wenige Minuten. Wenn man es konsequent durchhält, dann verbleiben erstaunlich wenige Schnecken auf den Beeten.

Schneckenzaum

Schneckenzaun

Schneckenzaun: Für ganz besonders gefährdete Kulturen haben wir einen Schneckenzaun. Jetzt im Frühjahr steht der auf dem Schlag, der für Kürbis und Zucchini vorgesehen ist. Solange die Kürbisgewächse noch klein sind, bauen wir dort in der Schnecken-Sperrzone aber natürlich noch Salate usw. an.

Obwohl es Berichte gibt, dass Schnecken den Schneckenzaun überwinden können, habe ich dergleichen noch nie beobachtet. Wie auch immer, innerhalb des Zauns muss man sowieso Schnecken sammeln, weil dort natürlich durchaus einzelne Exemplare aus Eiern schlüpfen können. Im späteren Frühjahr finden wir  innerhalb der Umzäunung nur noch sehr vereinzelt Schnecken. Selbstverständlich muss man ständig aufpassen, dass man den Schleimern nicht irgendeine Brücke baut. Das kann zum Beispiel Bewuchs sein, der direkt außen am Schneckenzaun wächst oder auch versehentlich abgelegte Gartenwerkzeuge.

Weg mit Holzschnitzeln

Weg mit Holzschnitzeln

Holzschnitzel, grobkörniger Sand: Eine weitere Möglichkeit, einwandernden Schnecken den Weg zu den Kulturflächen zu erschweren sind Gartenwege, die mit Holzschnitzel oder grobkörnigem Sand belegt sind.

Obwohl sich links neben diesem Holzschnitzel-Weg zunächst eine kleine Obstwiese und dahinter die Pferdeweide anschließt, finden wir auf den Beeten nur selten vereinzelte Schnecken. Das mag daran liegen, dass dieser Bereich des Gartens relativ trocken ist und dass auf den Beeten vorwiegend mehrjährige Pflanzen stehen, aber wir führen es auch auf den Schnitzelweg zurück.

Einen ähnlichen Effekt soll es auch bei Wegen mit einer lockeren Auflage aus grobem Sand geben. Gepflasterte oder festgetretene Wege werden von den Schnecken dagegen problemlos überwunden.

Kaffeesatz

Kaffeesatz

Kaffeesatz: Um besonders schützenswerte Pflanzen bauen wir einen kleinen Wall aus Kaffeesatz. Bisher dachte ich immer, dass die Schnecken das Kaffeemehl aus einem ähnlichen Grund meiden, wie auch Schnitzel- und Sandwege.

Möglicherweise gibt es da aber auch noch einen Effekt, der vom Koffein ausgeht. Leider stammen die diesbezüglichen Meldungen alle aus dem Sommer 2002. Danach hört man eher wenig von dieser Wirkung des Koffeins. Hier zum Beispiel einige der damaligen Meldungen: Spiegel-Online, Stern, Hamburger Abendblatt. Eigentlich ist ja auch egal, was der Grund ist, jedenfalls geht von dem Kaffeemehl eindeutig eine abschreckende Wirkung auf Schnecken aus.

Bierfalle

Bierfallen: Bierfallen wird nachgesagt, dass sie die Schnecken aus der gesamten Nachbarschaft anlocken (Freibier-Effekt). Ganz so schlimm scheint das in der Praxis aber nicht zu sein. Wir setzen Bierfallen innerhalb des Schneckenzauns und neben akut gefährdeten Pflanzen ein. Im Moment steht zum Beispiel eine solche Falle neben einem umgepflanzten Estragon, den die Schnecken völlig rasiert hatten.

Wer vor hat, Bierfallen im größeren Maßstab einzusetzen, sollte nicht unterschätzen, wie teuer das auf die Dauer sein kann. Eine Flasche Bier reicht vielleicht für 10 Füllungen der Bierfalle. Die Füllungen verlieren aber schon nach wenigen Tagen ihre Attraktivität für die Schnecken und müssen dann erneuert werden.

Schneckenkorn: In einer Antwort zu einem Kommentar von Brian habe ich noch übermütig geschrieben, dass ich von Schneckenkorn keine Ahnung habe und wir sowas wohl auch nur im Notfall einsetzen werden. Inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das nicht doch eine sinnvolle Möglichkeit ist.

Im aktuellen Öko-Test Magazin (Mai 2009) wurden unter anderem Schneckenkorn-Produkte getestet. Dabei schnitten zwei Produkte mit “sehr gut” ab. Zum einen war das ein Lavendelöl-Produkt namens “Aries Schnecken Granulat” und zum anderen das “Neudorff Ferramol Schneckenkorn“. Ferramol ist offenbar auch für den Einsatz im ökologischen Landbau zugelassen. Die Wirkung von Ferramol beruht auf dem natürlich im Boden vorkommenden Eisen(III)-Phosphat. Leider wirkt Eisen(III)-Phosphat aber auch gegen Gehäuseschnecken (incl. Weinbergschnecken). Für andere Tiere ist Eisen(III)-Phosphat dagegen nicht gefährlich. Bei den Wirkstoffen der schlechter bewerteten Schneckenkorn-Produkte (Wirkstoffe Metaldehyd bzw. Methiocarb) ist das anders. Bei beiden kann es leicht zu Vergiftungen bei Igeln, Hunden und sogar Menschen kommen.

Weitere mögliche Maßnahmen in Stichworten:

  • Tiefe wendende Bodenbearbeitung, bei gutem Wetter häufig hacken
  • Morgens gießen (anstatt abends)
  • Kupferdraht spannen (siehe auch unten bei den Kommentaren)
  • Elektrozäune
  • Lebermoosextrakt als Abschreckung
  • Neemextrakt und ähnliches (hier kommt mir der vorgeschlagene Wirkmechanismus aber nicht besonders plausibel vor)

Schneckenkorn und Bierfalle töten die betroffenen Schnecken, aber was macht man mit den gefangenen Tieren? Fragt mich bitte nicht! Ich habe da schon eine Menge äußerst gruseliger Methoden gehört, auf die ich hier nicht im Einzelnen eingehen möchte. Wir sind hier in der glücklichen Situation, dass wir die Schnecken in gebührender Entfernung auf der Pferdeweide wieder freilassen können. Unsere stille Hoffnung ist, dass sich dort mit der Zeit auch die Antagonisten der Schnecken vermehren werden.

Siehe auch:

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17 Kommentare zu Schneckenbekämpfung im Garten

  • Hallo!
    Ja, Schnecken haben wir dieses Jahr leider auch… Letztes Jahr hatten wir alle Hochbeete mit einem Kupferdraht umspannt und überhaupt keine Schneckenprobleme, aber dieses Jahr haben wir einige neue Beete, bei denen das nicht so einfach ist und damit auch viele Schnecken. Interessanterweise fressen sie aber nicht, was ich dachte, dass sie fressen würden (Salat, Kohle,…), sondern Pflanzen wie Tomaten… Na ja. Unsere Schwarzbierfallen mochten sie auch nicht, aber ich werde es jetzt auch mal mit Kaffeesatz probieren.
    Liebe Grüße aus dem Rhein-Main-Gebiet.
    Luise

  • Hallo Luise, interessant, wie funktioniert das mit dem Kupferdraht? Wird der einfach so um die Beete gespannt oder muss der auch unter Strom gesetzt werden?

  • Ahja, schon gefunden: Kupferdraht gegen Schneckenplage

    Ich werde das gleich mal bei “Sonstige Maßnahmen” hinzufügen. Danke für den Tipp, Luise!

  • Hallo! Nach den Schneckeninvasionen der letzten Jahre habe ich das Schneckenkorn Ferramol jetzt im Einsatz. Streue es nur über Bereiche, wo gerade Gemüse ausgesät wurde, bzw. gerade aufläuft.
    Wir haben trotzdem noch massenweise Gehäuseschnecken im Garten – ich habe auch den Eindruck, dass sich die Gehäuseschnecken kaum in den Beeten aufhalten, ich sehe da (auch nachts, auch bei regnerischem Wetter) nur Nacktschnecken.

    Alle anderen Methoden (Kaffeesatz, Katzenstreu, Schneckenzaun) hab ich ohne Erfolg probiert, und Bier zieht noch dazu die Schnecken aus den Nachbargärten an…

    Igel haben wir auch im Garten (wohnen in den diversen “Igelhaufen”), aber ich glaub, die rennen bloss nachts zum Katzenfutter an unserer Küchentür und tun sich da gütlich :-)

    LG Bettina

  • Genau, der Link beschreibt es ganz gut. Unsere Hochbeete sind mit Holz eingefasst und wir haben einfach Kupferdraht auf den oberen Rand getackert. Man muss dann halt aufpassen, dass keine Blätter drüberhängen und Brücken bilden. Und dass keine Katzen und Babys kommen und den Draht abziehen. Ansonsten hat das letztes Jahr gut geklappt. Es gibt auch Leute, die für die Pflanzen Ringe aus Kupfer bauen oder so, aber das ist mir zu aufwendig.

  • Schneckenbekämpfung im Garten…

    Eigentlich wollte ich ja heute ausführlich über Schnecken und deren Bekämpfung schreiben, doch als ich eben in meine Feeds guckte, sah ich daß Heiner heute einen sehr ausführlichen und informativen Artikel zur Schneckenbekämpfung und Vorsorge ges…

  • conni

    Die besten Erfahrungen haben wir mit dem Kaffeesatz oder dem Absammeln gemacht. Die Bierfalle probierten wir nur einmal aus, da wir damit nicht nur unsere Schnecken, sondern auch alle anderen Schnecken eingesammelt haben… sehr zur Freude der Nachbarn.

  • Und ich hab noch zu Heiner gesagt, er soll warten, bis es dunkel ist. Und dann die Bierfallen heimlich bei Nachbarn aufstellen :-)

  • vielen Dank für die ausführliche Darstellung. Ich habe selber einen schneckenverseuchten Garten und ertappe mich bei Mordgelüsten. Meiner Erfahrung nach hilft nur absammeln (über das anschliessend möchte ich schweigen), Gelege suchen, und Ferramol. Ferramol hilft auch nur bei ausgewachsenen Tieren, nicht bei den Minischnecken, die im Frühjahr herumkriechen und sehr gefräßig sind. Bierfallen, Kaffeesatz alles probiert, nur die Schnecken wussten nicht, dass sie bekämpft werden sollten.
    Schneckengefährdete Pflanzen habe ich kaum noch, und wenn in einen Pflanztrog in der Einfahrt. Aber sie fressen auch alles, was sie angeblich nicht fressen. Im Augenblick sind das Tulpen- und Narzissenblätter. Indische Laufenten wären toll, aber leider nicht möglich.

  • Hat mal jemand Ablenkpflanzen probiert? Ich habe gerade gelesen, dass Lupine, Topinambur, etc. gerne gefressen werden (das habe ich bei mir noch nicht gemerkt) und die Schnecken dann die “wertvollen” Pflanzen verschonen. Erfahrungen?

  • Wir haben wieder Tagetes ausgesät, die sind aber noch nicht so weit. Letztlich ist es das selbe wie mit den ausgelegten Rhabarber-Blättern – man muss die Schnecken auf den “Ablenkpflanzen” oft absammeln, dann wirkt es.

  • Schnecken…

    In den letzten Tagen hat es geregnet. Erstmal so nichts schlimmes, aber die Schnecken haben das offenbar zum Anlass genommen, wilde Sexparties zu feiern und gleich anschließend die gezeugten Nachkommen zu gebären. Die Größe der Sc…

  • Klasse Beitrag, Heiner, und auch noch tolle Tipps hier in den Kommentaren. Das mit dem Kupferdraht z.B. hab ich auch noch nie gehört.
    Kaffeesatz hat bei mir nicht viel gebracht, dann schon eher die Bierfallen.

    Ich hab im zeitigen Frühjahr eine Tüte mit Blumensamen (auf einem Saatband, das ist ja klasse) gekauft, weil da draufstand, dass diese Blumen abschreckend gegen Schnecken wirken sollen. Ist mittlerweile ausgesät, kommt auch schon aus dem Boden, aber ich kann noch nicht erkennen, welche Blumen das denn nun genau sind. Wenn die größer geworden sind und blühen, werde ich sie mal fotografieren und in mein Blog stellen. ;-)

  • Heiko

    Heiner, wir hatten das “Schneckenthema” gestern beim Abendessen. Chantal meinte kurzentschlossen “you eat them”! Dazu hatte Gisela dann noch ein Rezept aus der Toskana bereit: kleingehackt im Sugo zur Pasta! Also schoen weiter Sammeln, ne Woche in Mehl einlegen (lebend, damit sie sich reinigen), dann auskochen und auf Eis legen, wir kommen im Juni :-).. Leider reden wir aber wohl ueber unterschiedliche Schneckenarten.. schicke mal nen Foto. Zur not koennten wir ja auch eine in Bier ertrunkene Schnecke testen…

  • Boah, kleingehackt…
    Mannomann, diese Franzosens und Italieners sind echt hart drauf!

    Ich schlage vor, wir beide machen das mit dem Bier auf dem Brauler Schützenfest einfach ganz ohne Schnecken!

    Liebe Grüße an Chantal,
    ciao, Heiner

  • Mailin

    Ulrike, das mit dem Saatband interessiert mich sehr! Ich hätte das im letzten Jahr gerne schon getestet, aber leider gab es diese “Anti-Schnecken-Blumensaatbänder” hier nirgends zu kaufen.

    Liebe Grüße, Mailin

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