Samenunkräuter

Samenunkräuter sind Unkräuter, die sich über Samen vermehren. Im Gegensatz dazu sind Wurzelunkräuter Unkräuter, die sich über Wurzelausläufer oder wie z.B. die Quecke über unterirdische Ausläufer der Sprossachse vermehren.

Man kann sich gut vorstellen, dass sich im Garten je nach den Anbaumethoden des entsprechenden Gärtners unterschiedliche Unkrautgesellschaften besonders wohl fühlen. In unserem Nutzgarten, in dem die Beete im Frühjahr “schwarz” gemacht werden und in dem später einigermaßen regelmäßig gehackt wird, sind das ganz besonders die schnell wachsenden Samenunkräuter.

Und was kann man gegen diese Samenunkräuter machen? Na ist doch klar, man hindert sie daran überhaupt erst mal Samen auszubilden. Und dazu muss man die Pflanzen spätestens kurz nach der Blüte aus den Beeten entfernen. Das klingt zwar brutal, aber wenn man das nicht macht, dann bilden die Samenunkräuter viele viele sehr sehr langlebige Samen. Gestern habe ich mal einen kleinen Rundgang gemacht und ein paar der Pflanzen fotografiert, die wir noch “bekämpfen” müssen:

Kornblume

Kornblume

Kornblume

Eines der bekanntesten Samenunkräuter ist wohl die Kornblume (Centaurea cyanus). In ungespritzten landwirtschaftlichen (Winter-)Getreidefeldern sieht man sie im Moment in großen Mengen blühen. Zusammen mit dem roten Klatschmohn (ebenfalls ein Samenunkraut) bilden sie einen tollen Anblick.

Bei uns im Garten ist die Kornblume kein Problem. Im Gegenteil, manchmal säen wir sie sogar mutwillig aus, um etwas mehr Farbe in den Garten zu bringen.

Melde

Melde

Gartenmelde

Die Melde – speziell die Gartenmelde (Atriplex hortensis) – wächst überall in unserem Garten im Überflüss.

Die Melde bildet zwei unterschiedliche Samenarten aus. Die braunen Samen sind sofort keimfähig, während die schwarzen Samen frühestens nach zwei Jahren keimfähig sind. Insgesamt bildet sie oft mehr als 3000 Samen, die dann im Boden für mehrere Jahre keimfähig bleiben können.

Zum Glück lässt sich die Melde sehr leicht bekämpfen. Sie kann leicht gehackt werden und große Melden lassen sich leicht mitsamt der Wurzel aus dem Boden ziehen.

Junge Blätter der Gartenmelde können in der Küche ähnlich wie Spinat zubereitet werden. Im Handel sind für diesen Zweck auch Samen einer rotblättrigen Variante der Gartenmelde erhältlich. Allerdings kann ich mir eher nicht vorstellen, dass wir in absehbarer Zeit zusätzliche Melden im Garten aussäen wollen.

Hirse

Hirse

Hühnerhirse

Auch die Hirse fühlt sich in unserem Garten pudelwohl. Ebenso wie die Melde lässt sie sich zwar recht leicht hacken oder später aus dem Boden ziehen. Leider kommt sie bei uns aber ebenfalls in großen Mengen vor.

Junge Hühnerhirse-Pflanzen können leicht mit jungen Maispflanzen verwechselt werden. Deshalb habe ich schon des öfteren Mais umgehackt, weil ich dachte es sei Hirse oder versehentlich Hirse im Mais stehen lassen.

Die Hühnerhirse bildet pro Pflanze bis zu tausend Samen, die im Boden für ca. fünf Jahre keimfähig bleiben.

Gänsefuß

Vielsamiger Gänsefuß

Vielsamiger Gänsefuß

Den Vielsamigen Gänsefuß finden wir erst seit ein paar Jahren in unserem Garten. Das ist kein Wunder, denn er ist eigentlich eher auf nährstoffreiche Lehmböden spezialisiert. Offenbar fühlt er sich hier aber auch recht wohl, denn er hat sich in den letzten Jahren ziemlich stark vermehrt.

Gelegentlich wird der Vielsamige Gänsefuß mit der Melde verwechselt. Bei genauerer Betrachtung fallen bei ihm aber die leicht rötlichen Blattränder auf. Außerdem sind die Blätter bei den Melden gewöhnlich gegenständig, während sie bei den Gänsefüßen wechselständig sind.

Der Vielsamige Gänsefuß bildet ca. 4000 Samen, die wie bei vielen anderen Samenunkräutern mehrere Jahre keimfähig bleiben. Größere Pflanzen lassen sich nicht ganz so gut aus dem Boden ziehen wie Melden oder Hirsen, weil der Vielsamige Gänsefuß eine tiefe Pfahlwurzel bildet.

Flohknöterich

Flohknöterich

Flohknöterich

Der Flohknöterich (Persicaria maculosa, früher Polygonum persicaria) kommt bei uns zwar regelmäßig vor, er stellt aber im Garten kein größeres Problem dar. Da er sehr konkurrenzstark ist, passen wir bei ihm wohl auch besonders gut auf. Er hat hohe Ansprüche an die Bodenfruchtbarkeit und gilt als Zeigerpflanze für einen hohen Stickstoffgehalt.

Die Samen des Flohknöterich sind sehr langlebig und sie überstehen sogar den Verdauungtrakt von Tieren. Da der Flohknöterich ein Lichtkeimer ist, keimen in jedem Jahr nur wenige der bis zu 800 Samen einer Pflanze. Deshalb bleibt auch bei sorgfältiger Unkrautbekämpfung immer genügend Nachschub für die Folgejahre übrig.

Auf dem Foto ist das nicht gut zu erkennen, aber den Flohknöterich kann man leicht an dem auffälligen dunklen Fleck auf der Oberseite der älteren Blätter erkennen.

Vogelknöterich

Vogelknöterich

Vogelknöterich

Im Gegensatz zum Flohknöterich wächst der Vogelknöterich (Polygonum aviculare) eher kriechend. Seine gut einen halben Meter langen Stängel liegen dann in allen Richtungen flach auf dem Boden.

Die nur 200 Samen des Vogelknöterich sollen angeblich bis zu 250 Jahre lang keimfähig bleiben. An den Samen die man heute im Garten ausreifen lässt, haben also noch weitere 10 Gärtner-Generationen ihre Freude.

Auf den Beeten lässt sich der Vogelknöterich leicht bekämpfen, aber bei uns im Garten wächst er gerne auf den Wegen, wo man ihn leicht übersieht.

Der Vogelknöterich ist äußerst trittfest und in jeder Beziehung robust. Er besiedelt deshalb gerne Schuttplätze, gepflasterte Wege, Kieshaufen usw. Hier muss er sich nicht mit der Konkurrenz anderer Pflanzen herum schlagen.

Sauerklee

Sauerklee

Sauerklee

Auch der Aufrechte Sauerklee (Oxalis stricta) hat sich bei uns in den letzten Jahren (zumindest auf den schattigen Beeten) ziemlich vermehrt.

Ursprünglich stammt der Aufrechte Sauerklee aus Nordamerika, wo er den Ureinwohnern sogar als Nahrung diente.

Auf sonnigen Standorten scheint seine Konkurrenzkraft nicht besonders hoch zu sein, denn benachbarte Pflanzen entwickeln sich fast unbeeindruckt.

Gänsedistel

Gänsediestel

Gänsedistel

Die Kohl-Gänsedistel (Sonchus oleraceus) ist wieder eine der Zeigerpflanzen für einen stickstoffreichen Boden. Aus welchen Gründen auch immer – sie gedeiht bei uns ganz besonders gut auf einem kleinen Beet mit einjährigen Zierpflanzen. Möglicherweise verbleiben dort zwischen den Blumen immer ein paar Gänsedisteln, die dann wieder Samen ausbilden können.

Größere Gänsedisteln lassen sich nicht gut aus dem Boden ziehen, weil sie eine tiefe Wurzel bildet und der Stengel leicht reißt. Man sollte also lieber versuchen sie frühzeitig mit der Hacke zu erwischen.

Im Mittelalter wurde die Kohl-Gänsedistel auch als Gemüse verwendet. Deshalb wird sie auch immer noch als Gemüse-Gänsedistel bezeichnet. Eine kurze Suche nach reizvollen Rezepten war für mich aber eher nicht ergiebig.

Hirtentäschel

Hirtentaeschel

Hirtentaeschel

Das Hirtentäschel bildet viele Samen. Richtig viele! Kräftige Pflanzen sollen angeblich bis zu 90000 Samen bilden (ich selbst habe sie aber nicht gezählt). Und auch diese Samen bleiben im Boden wieder über mehrere Jahre keimfähig.

Und viele weitere …

Das sind natürlich noch längst nicht alle Samenunkräuter, die in unserem Garten vorkommen. Zu einem meiner Lieblingsunkräuter – nämlich der Vogelmiere – hatte ich schon einmal einen eigenen Artikel geschrieben. Darüber hinaus haben wir zum Beispiel auch noch das Franzosenkraut, die Kleine und die Große Brennessel, den Breit- und den Spitzwegerich, die Taubnessel, das Vergissmeinnicht, den Windenknöterich,  den Feld-Ehrenpreis, das Acker-Stiefmütterchen, verschiedene Wolfsmilch-Arten, die Hundskamille, den Sauerampfer …

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2 Kommentare zu Samenunkräuter

  • Der Post gefällt mir – so etwas hatte ich vor einiger Zeit auch mal geplant, bin aber daran gescheitert, dass ich von den meisten Gewächsen die Namen nicht kenne und mir das Googlen zu mühsam war. Immerhin bin ich darauf gekommen, dass ich überwiegend Stickstoff-Zeigerunkräuter im Garten habe und von daher mit dem Dünger sparsamer umgehen sollte. Und für die Erkenntnis sind “Unkräuter” immerhin zu etwas nütze!
    LG Elke

  • Bei uns wächst ÜBERALL Vogelmiere. Ich bin zwar keiner, der sich über Unkräuter sehr ärgert – aber das Zeug geht mir echt langsam auf den Geist *seufz*

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