Der Steinchampignon

In der letzten Woche gab es in einem Baumarkt ein Pilzzucht-Sonderangebot. Als wir daran vorbei gingen konnten wir nicht widerstehen und haben so eine Kiste mit Steinchampignon-Myzel und dem dazu gehörenden Bio-Nährsubstrat in unseren Einkaufswagen gepackt.

So eine Pilz-Anzuchtkiste ist nun ja gut und schön, aber als Gärtner interessiert einen ja auch, wie man die Pilze selbst vermehren kann, ohne jedes Mal eine neue Kiste kaufen zu müssen. Also habe ich mal im Internet nach diesen Steinchampignons gesucht. Dort findet man massenweise Steinchampignon-Rezepte und ebenso viele Steinchampignon-Anzuchtkisten. Über die botanischen Besonderheiten des Steinchampignon findet man dagegen so gut wie gar nichts.

Das ist auch kein Wunder, denn die Botaniker bezeichnen den Steinchampignon als Zweisporigen Champignon (Agaricus bisporus). Offenbar verkauft sich ein Zweisporiger Champignon aber nicht so gut wie ein Steimchampignon (oder auch Portobello). Das scheint so ähnlich zu sein wie beim Klebrigen Salbei. Der wird auch lieber als Gelber Salbei angeboten.

Der Zweisporige Champignon (auch Zweisporiger Egerling) ist der weltweit bedeutendste Kulturpilz. Durch langjährige züchterische Bearbeitung ist er inzwischen in vielen verschiedenen Größen- und Farbvariationen erhältlich. Wie alle Pilze besitzt der Zweisporige Champignon kein Chlorophyll. Er kann deshalb keine Energie aus dem Sonnenlicht gewinnen sondern ernährt sich aus dem Substrat. Im Freiland kommt er in Mitteleuropa vereinzelt auf älteren Mist- und Komposthaufen vor. Die lokalen Wildformen werden heute nicht selten durch kompostierte Kultur-Champignons verdrängt.

Pilzkiste

Die fertig angesetzte Pilzkiste

Unsere Champignon-Anzuchtkiste enthielt zwei Plastiktüten. In einer befand sich ein strohartiges Substrat, dass völlig mit Pilzmyzel durchwachsen war. In der zweiten Tüte befand sich ein feuchtes torfartiges Substrat, dass man auf dem Myzel verteilen soll. In der ersten Zeit danach soll man die Kiste abgedeckt bei etwa 18 bis 24 Grad aufstellen, bis auch das aufgefüllte Substrat vollständig mit Myzel durchwachsen ist.

Anschließend (nach 10 bis 14 Tagen) soll die Temperatur auf 15 bis 18 Grad reduziert werden. Bei höheren Temperaturen ist es möglich, dass das Myzel das Substrat vollständig überwuchert ohne Fruchtkörper zu bilden. Außerdem soll dann die Abdeckung abgenommen werden, um durch den höheren Sauerstoffgehalt der Luft die Bildung von Fruchtkörpern zu fördern.

Irgendwie hört sich das doch gar nicht mal so kompliziert an. Es sollte doch kein Problem sein, das Myzel in einem eigenen Substrat weiter zu verwenden. Bei dem Substrat soll es sich möglichst um einen gut verrotteten Pferdemist handeln. Und natürlich darf der Kompost nicht mit fremden Pilzsporen (z.B. Schimmelpilzen) verunreinigt sein. Gut verrotteten Pferdemist haben wir im Überfluss und mit dem Sterilisieren von Kompost haben wir auch Erfahrung. Also werden wir das in nächster Zeit doch einfach mal ausprobieren.

Siehe auch:

Weblinks:

5 Kommentare zu Der Steinchampignon

  • Ui, vielen Dank!
    Das ist doch mal wirklich interessant. Denn wie das mit dem Vermehren klappen könnte, das habe ich mich auch schon gefragt.
    Auch die weiteren Infos über den Champignon kannte ich noch nicht. Wieder was gelernt.
    Nun bin ich sehr gespannt, wie bei euch die Weitervermehrung auf dem Pferdemist klappt. Wenn das bei euch läuft, dann muss ich mich auch einmal darum kümmern, irgendwo Mist herzubekommen.
    Diese Sache mit der Champignonkiste im Keller finde ich nämlich äußerst praktisch!
    Herzliche Grüße,
    Shushan

  • Klingt interessant, vielleicht versuche ich es kommendes Jahr mit Braunkappen und vergrabe sie an einer geschützten Stelle unter einem Baum.

    lg kathrin

  • Eigentlich wollte nach vielen Mißerfolgen keine Pilze mehr zu Hause anbauen, aber wenn ich diesen Beitrag lese komme ich schon wieder in wanken.
    Sehr inspirierend, vielen Dank.

    BG Harald

  • Interessant! Ich hab mich auch schon für Pilz-Anbau interessiert, doch sehe ich keine Möglichkeit, die entsprechenden Temperaturvorgaben einzuhalten – weder zuhause noch im Garten noch im Gewächshaus.

    • Stimmt, das Problem haben wir auch. Besonders die etwas höhere Temperatur (18 – 24°) ist jetzt im Herbst schwer einzuhalten. Wir haben den Kasten im Moment im der Duschwanne im Bad stehen. Dort springt jetzt die Heizung an, wenn die Temperatur tagsüber unter 18° fällt. (Nachts wird es dort durchaus kälter). Geruchsbelästigung geht von dem Teil bisher übrigens nicht aus.

      Ich habe leider auch keine Erfahrung, wie kritisch das mit der Temperatur ist. Ich denke, wenn das Myzel erst mal zu erkennen ist, dann kommt der Kasten ins Treppenhaus. Wollen wir mal hoffen, dass die Temperatur da nicht so schnell wesentlich unter 15° fällt ;-)

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.