Rezension: Unser Garten ist Gold wert

Wir haben ziemlich viele Gartenbücher. Einen Riesenstapel, aber soweit ich mich erinnere habe ich bisher noch nie ein Gartenbuch von vorne bis hinten durchgelesen. Bei dem Buch, dass uns vor einiger Zeit vom Ulmer Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt wurde war das anders. “Unser Garten ist Gold wert” von Rodolphe Grosléziat (2011, ISBN 978-3-8001-7548-2) habe ich tatsächlich gelesen wie einen Roman.

Unser Garten ist Gold wert

Unser Garten ist Gold wert

Im Gegensatz zu anderen Gartenbüchern fühlt sich Rodolphes Gartenbuch nämlich nicht an wie ein Nachschlagewerk. In seinem Buch wimmelt es von “ich” und “wir” und er berichtet nicht nur davon wie man es richtig macht, sondern auch von den Stolpersteinen auf seinem Weg in Richtung Selbstversorgung.

Auch die Auswahl der vielen Fotos von Franck Boucourt finde ich sehr gelungen. Sie zeigen nicht nur saubere Beete mit üppigem Gemüsebestand, sondern sie zeigen auch immer wieder einen verschwitzen Rodolphe bei der Arbeit oder die im Garten herum tollenden Kinder.

Rodolphe Grosléziat ist ein französischer Lehrer, der im Jahr 2002 mit seiner Familie in ein kleines Dorf zog, um dort ein “Ökohaus” zu bauen. Nachdem das Haus fertig war stand die Familie vor der Aufgabe den Garten zu gestalten. Sie fällten die Entscheidung einen Gemüsegarten anzulegen, aus dem sie sich zumindest zum Teil selbst versorgen konnten. Einige kennen diesen Garten vielleicht schon aus der Serie “In Rodolphes Garten” im GLOBALmag auf ARTE in der Rodolphe Grosléziat und sein Garten die Hauptrolle spielen.

Schon in der Einleitung des Buches war mir der Autor höchst sympathisch. Dort beschreibt er, wie sich sein Entschluss aufs Land zu ziehen entwickelte. Nebenbei beschreibt er auch, wie begeistert er zunächst vom Buch “L’art du potager en carré” von Eric Prédine und Jean-Paul Collaert war. Wer meine eigene Meinung zum “Square Foot Gardening” kennt, kann sich vorstellen, dass es mich an dieser Stelle kurz gruselte. Zum Glück las Rodolphe aber später “Ein Garten für Faulpelze” von Patricia Beucher und Christiane Schoelzel und er bezeichnet dieses Buch als Revolution in seiner Einstellung zum Gärtnern.

Etwa die Hälfte des Buchs beschäftigt sich mit den allgemeinen Gartenfragen: Wozu braucht man überhaupt einen Gemüsegarten, Planung eines Obst- und Gemüsegartens, Gartengeräte, Nützlinge und Schädlinge, Vermehrung und Veredlung und so weiter. Das alles wird aber nicht trocken herunter geleiert, sondern mit vielen eigenen Erfahrungen (und im Bewusstsein nicht unfehlbar zu sein) lebendig erzählt. Sehr interessant sind da natürlich auch die Stellen, in denen der Übersetzer versucht Rodolphes Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen mit dem deutschen Artenschutzrecht in Einklang zu bringen.

Im zweiten Teil des Buches geht es um die einzelnen Früchte, die in Rodolphes Gemüsegarten angebaut werden. Obwohl in diesem Teil die Worte “ich” und “wir” weniger häufig vorkommen und oft durch ein unpersönliches “man” ersetzt sind, habe ich auch diesen Teil gerne gelesen. Natürlich musste ich dabei einige Anbau- und Sortenhinweise in unsere Klimazone übersetzen. Richtig klasse finde ich, dass bei fast allen Früchten auch darauf eingegangen wird, wie man eigenes Saatgut erntet bzw. wie man die Pflanzen auf andere Art vermehren kann. Andererseits beschränken sich die Anbauhinweise aber auf das Nötigste. Wenn man ganz spezielle Informationen zu einer Frucht braucht, dann ist man weiterhin auf ein Fachbuch angewiesen.

Offenbar führt Rodolphe Grosléziat über seine Aktivitäten im Garten akribisch Buch. Zu allen Früchten (und auch zum Garten als Ganzem) kann er genau angeben, wieviel er durch seine Gartenarbeit “verdient” hat. Er hat zum Beispiel 40 Quadratmeter Kartoffeln angebaut, auf denen hat er 135 Kilogramm Kartoffeln geerntet und damit eine Ersparnis von 130 Euro oder 6,75 Euro pro Quadratmeter erzielt hat. Ob solche Berechnungen für Hobbygärtner besonders aussagekräftig sind (oder ob in diesem Fall ein Preis von einem Euro pro Kilogramm realistisch ist) mag dahingestellt sein, aber zumindest hat sich der Mann offenbar in jeder Beziehung sehr intensiv mit seinen Früchten beschäftigt.

Als Fazit kann ich “Unser Garten ist Gold wert” allen Gemüsegärtnern und angehenden Selbstversorgern nur wärmstens ans Herz legen. Es ist flüssig geschrieben und bietet interessante Einblicke sowohl in die Praxis als auch in die Gedankenwelt eines passionierten Gärtners. Auf der anderen Seite werde ich wohl auch in Zukunft auf meine bewährten Lieblings-Gartenbücher zurückgreifen, wenn ich mal schnell etwas Fachliches nachschlagen möchte.

Weblinks:

2 Kommentare zu Rezension: Unser Garten ist Gold wert

  • Vielen Dank fuer die Buchvorstellung! Es kommt sofort auf die Weihnachtswunschliste. Und der Garten von Rodolphe nur gut 150 noerdlich von uns ist, passt das mit den Pflanzen bestimmt. Wir gaertnern in der suedlichen Ile-de-France. Die Winter sind milder als in Deutschland, es steht bei uns also auch im Winter immer einiges im Gemuesegarten.

  • vielen Dank für diesen Tipp, das kommt sofort auf meine Wunschliste und zudem auf die Liste an möglichen Weihnachtsgeschenken. Da fallen mir spontan schon mehrere Interessenten für ein.

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