Pflaumenwein (Teil 2)

Zum ersten Teil unseres Pflaumenwein-Artikels geht es hier lang.

Wein abziehen

Wein von der Maische trennen

Eigentlich wollten wir die Gärung der Pflaumen nach knapp einer Woche beenden und die Maische abpressen. Allerdings zeigte sich zu dem Zeitpunkt im Gärbehälter noch heftige Aktivität. Es blubberte wie verrückt. Also haben wir das Abpressen der Maische kurzentschlossen verschoben – und zwar gleich um weitere 10 Tage, weil unser Wanderurlaub dazwischen kam.

Angeblich wird der Wein fruchtiger aber auch etwas herber, wenn die Maischegärung verlängert wird. Möchte man einen eher “leichten” Wein herstellen, dann soll man die Maische schon früher (schon nach 4/5 Tagen) abpressen. Wir haben nix gegen einen fruchtigen etwas herben Wein, also ließen wir es einfach mal darauf ankommen.

Gleich nach dem Urlaub hatte es sich im Gärbehälter tatsächlich ausgeblubbert – wir konnten uns also frisch Werk machen. Mangels vernünftiger Ausstattung mit professionellem Handwerkszeug mussten wir zwar etwas improvisieren, aber eigentlich war es kein Problem den Wein von der Maische zu trennen.

Der größte Teil der Flüssigkeit lief ganz von selbst durch den Filter (eine Stoffwindel in einem normalen Trichter) in den Glasballon. Zuletzt blieb nur eine kleine Menge (vielleicht ein Liter) Trester im Gärbehälter zurück. Diesen Trester haben wir dann vorsichtig noch etwas ausgepresst. Auf den letzten Tropfen haben wir aber verzichtet. Die Weinmenge müsste auch so reichen, um uns ein verlängertes Wochenende außer Gefecht zu setzen.

Logischerweise haben wir den Wein beim Ablaufen aus dem Gärbehälter eingehend degustiert. Er schmeckt – um es vorsichtig auszudrücken – sauer. Außerdem schmeckt er, als hätte er ziemlich viele Umdrehungen. Offenbar ist es den Hefepilzen gelungen, jedes einzelne Zuckermolekül in unserem Pflaumenwein zu Alkohol zu verarbeiten. Angeblich soll der Wein zu diesem Zeitpunkt möglichst einen Säuregehalt von etwa 7g/Liter haben. Leider habe ich keinen Schimmer, wie man das misst. (Naja, vielleicht hätte ich mal unsere Obstweinexperten in der Nachbarschaft fragen sollen, die hätten möglicherweise gewusst wie man den Säuregehalt ermittelt).

Pflaumenwein

Pflaumenwein im Glasballon

Wie gesagt, der Wein schmeckte sauer, aber nicht unangenehm sauer. Außerdem hat er eine äußerst ansprechende Farbe. Deshalb haben wir darauf verzichtet ihn mit Wasser zu verdünnen (wie es in vielen Rezepten angegeben ist). Stattdessen haben wir ein weiteres Kilo Zucker hinzu gegeben.

Im Prinzip verarbeiten die Hefen Zucker zuverlässig zu Alkohol. Wenn man einem Liter Flüssigkeit 20 Gramm Zucker zusetzt, dann erhöht sich der Alkoholgehalt in der Flüssigkeit nach der Gärung um ein Prozent. Ab einem bestimmten Alkoholgehalt (ca. 13  - 16 Prozent) sind die Hefen dann allerdings alle so besoffen, dass sie inaktiv zu Boden sinken – die Gärung stoppt.

Unser zusätzliches Kilo Zucker macht bei etwa zehn Liter Flüssigkeit etwa 100 Gramm Zucker je Liter oder eine Erhöhung des Alkoholgehaltes um 5 Prozent aus. Da der Alkoholgehalt jetzt sicherlich schon über zehn Prozent liegt, werden die Hefen wahrscheinlich etwas Restzucker für den guten Geschmack übrig lassen.

Wenn man einen Wein mit einem geringeren Alkoholgehalt herstellen möchte, dann muss man die Hefen auf eine andere Art daran hindern den Restzucker zu vergären. Gewöhnlich macht man das, indem man dem Wein Schwefel beigibt (zum Beispiel in Form von Kaliumdisulfit, Schwefeldioxid, schweflige Säure, Natriumhydrogensulfit oder Natriumsulfit). Soweit ich weiß wird von Hobbywinzern vor allem ein Zeugs namens Pyrosulfit verwendet. Dabei handelt es sich um Kaliumdisulfit (also um das Kaliumsalz der schwefligen Säure).

Siehe auch:

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4 Kommentare zu Pflaumenwein (Teil 2)

  • Kerstin

    Schoene Vorstellung mit den besoffenen Hefen :)
    Ich wünsche viel Genuss!

  • Daniel

    Hallo,

    ich lese schon länger etwas unregelmäßig in eurem Blog. Sehr fein und nun auch noch Fruchtwein… ganz nach unserem Geschmack. Meine Frau und ich mussten uns nach unserem Umzug auch von Wein auf Fruchtwein umstellen, da sie als gelernte Winzerin nicht auf die alkoholische Gärung verzichten wollte :-)

    Zu eurem “Problem” der Säure- und Alkoholmessung. Der Alkoholgehalt lässt sich einigermßen gut messen wenn ihr vor der Gärung den Öchslegrad messt und diesen wiederum nach der Gärung. Für die Differenzen gibt es Alkoholtabellen. Diese Methode ist zwar nicht 100%ig, aber für den privaten Bereich reicht es allemal. Ansonsten muss eine Probe ins Labor, diese wird dort Destilliert und dann der Alkoholgehalt genau bestimmt ;-)

    Die Säure kann per Titration mit einem Acidometer (10€) gemessen werden. Dazu wird eine Wein in ein Messstab gefüllt, eine Base hinzugegeben und bei Neutralwert weiß man wie viel Säure in der Probe ist. (ganz kurz, mehr auf einschlägigen Websites)

    Viele Grüße
    Daniel

  • Uwe Schmiedl

    besoffenen Hefen :) köstlich :)

  • bestmann

    hallo
    ich suche ein mittel mit dem man Maische (Schlehen) trennen kann , so das nur noch Saft übrig bleibt.
    Können Sie helfen

    Dank im Voraus
    L. Bestmann

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