Holundersaft und Holundergelee selber machen

Wenn man auch in Suchmaschinen gefunden werden möchte, dann sollte man seinen Artikeln einen sinnvollen Titel geben. Beim Saft aus den Beeren des Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) ist das allerdings gar nicht so einfach. Hier bei uns im Norden heißt dieser Saft nämlich Fliedersaft oder Fliederbeersaft. Im Süden heißt er dagegen Holundersaft oder Holunderbeersaft oder in Bayern auch Hollersaft. Die Grafiken aus Google Insights for Search zeigen links das Suchvolumen für Fliederbeersaft und rechts das Suchvolumen für Holundersaft.

Suchvolumen Fliederbeersaft Suchvolumen Holundersaft

Naja, eigentlich soll es hier nicht um Suchmaschinen gehen, sondern um den Saft und das Gelee aus den Beeren des Schwarzen Holunder. Der Einfachheit halber bleibe ich jetzt mal bei dem verbreiteteren Begriff Holundersaft und Holundergelee. Um die Sache nicht komplizierter zu machen als nötig nenne ich die Früchte auch weiterhin Beeren und nicht Steinfrüchte, wie es botanisch richtig wäre.

Holundersaft selbst zu machen ist kinderleicht. Man geht hinaus in die Feldmark (oder in den eigenen Garten) und sammelt ein paar Eimer voll Holunderbeeren. Dabei achtet man natürlich darauf, dass die Beeren nicht von Pflanzen kommen, die direkt an konventionell genutzten (gespritzten) Äckern stehen. Und natürlich achtet man auch darauf, dass man die Beeren dort überhaupt pflücken darf.

Zuhause schneidet man die Stängel grob von den Rispen. Oft liest man, dass man die Beeren mit einer Gabel von den Rispen streifen soll. Ich persönlich halte das für Quatsch. Meine Tests haben jedenfalls keinen Unterschied zwischen dem Saft aus den reinen Beeren und unserer Methode feststellen können.

Die Rispen können verstaubt oder anders verschmutzt sein und es könnten sich kleine Insekten darin versteckt haben. Deshalb müssen sie vor dem Entsaften ordentlich abgewaschen werden.

Holunderbeeren entsaften

Fliederbeersaft

Fliederbeersaft mit dem Dampfentsafter

Auch das Entsaften der Holunderbeeren ist nicht schwierig. Entweder man kocht die Beeren in etwas Wasser und drückt den Saft dann durch eine feine Gaze (z.B. eine Stoffwindel). Wir finden es einfacher die Beeren klassisch in einem Dampfentsafter zu entsaften. Das dauert möglicherweise etwas länger, es macht aber auch längst nicht so viel Ärger..

Das Problem mit dem Holundersaft ist nämlich, dass er stark färbend ist. Das betrifft nicht nur die Kleidung, sondern auch Holzlöffel, Handtücher, Tischplatten, Teppiche usw.. Beim Dampfentsaften ist die Gefahr von unkontrollierten Spritzern sehr viel geringer als beim Filtrieren des Saftes durch eine Gaze.

Es ist möglich den resultierenden Holundersaft direkt in sterilisierte Flaschen abzufüllen. Angeblich soll er trotzdem haltbar sein. Hier in unserer Gegend ist es eher üblich ihn stark zu zuckern (500 Gramm Zucker auf einen Liter Saft) und erst dann abzufüllen. Der Saft ist dann problemlos länger als ein Jahr haltbar.

Holundergelee

Der Holundersaft ist sehr konzentriert. Gewöhnlich wird er vor dem Verbrauch mit Wasser verdünnt. Wenn man daraus Gelee kochen möchte, dann muss man sich vorher überlegen, ob man den Saft auch dafür verdünnen möchte. Man kann einem Liter Saft zum Beispiel mit einen Viertelliter Apfelsaft oder auch Rotwein verdünnen. Ich mag das Gelee allerdings am liebsten unverdünnt. Und da ich bei uns der Hauptabnehmer für Holundergelee bin, verdünnen wir den Saft nicht.

Holundergelee

Holundergelee

Außer Gelierzucker verzichten wir auch auf andere Zutaten. Üblich sind da zum Beispiel eine Vanillestange oder eine Zimtstange oder auch ein Schuss Amaretto.

Auf einen Liter nicht gezuckerten Saft geben wir 500 Gramm Gelierzucker (2:1). Der Saft wird dann für ein paar Minuten aufgekocht und nach der Gelierprobe in sterilisierte Gläser abgefüllt und verschlossen.

Auch das fertige Holundergelee hält sich problemlos bis ins nächste Jahr. Leider ist uns das in diesem Jahr wieder einmal nicht gelungen. Deshalb war es bei einem der Gläser auch nicht nötig, es ordentlich zu verschließen – das Glas stand nämlich heute morgen schon auf dem Frühstückstisch.

Siehe auch:

13 Kommentare zu Holundersaft und Holundergelee selber machen

  • Das ist mir auch aufgefallen. Hab nämlich auch vor ein paar monaten einen Hollersyrop ins web gegeben. Im englishen gibts da überhaupt 2 namen. Eben Holunder oder Elderflower cordial…

    Hab noch nie hollunderbeeren saft gemacht. Anscheinend sind die Beeren roh giftig (steht irgendwo im web drin).

    Find den gelee den du da produziert hast genial, würd das jetzt gern probieren zum kaffee. =)

    • Stimmt, roh sollen die Beeren giftig sein. Besonders schlimm kann es aber nicht sein, denn ich habe sie als Kind durchaus gelegentlich auch roh gegessen. Heute kann ich das kaum noch nachvollziehen, weil die Beeren roh eigentlich eher nicht so gut schmecken.

  • Ich steuer jetzt noch das Wort “Hollerbusch” dazu – so wird der Holunderbusch im (tieferen) Sueden auch noch genannt…

    Wir wollten dieses Jahr auch wieder Holundersaft machen – aber leider sind bei uns (Umgebung Paris) durch die mehrwoechige Trockenheit die Holunderbeeren alle ziemlich vertrocknet, und nicht mehr zum Saft machen geeignet.
    Schade, da wir Holundergelee auch sehr gerne essen.

    Aber dafuer gibt es jede Menge Schlehen!

    • Bei uns sind die Beeren auch ziemlich knapp. Das hat aber einen anderen Grund. Holundersaft ist hier äußerst beliebt (z.B. auch gegen Erkältungen). Einige Hausfrauen sammeln sogar semi-professionell um den Saft später auf Weihnachtsmärkten anzubieten. Und dann sammeln im Frühjahr auch noch viele die Blüten. Man muss also auf der Hut sein um noch gute Beeren abzubekommen. (Oder man muss ein geheimes Plätzchen zum Sammeln haben ;-)

  • Peter

    Wir haben jetzt auch einen Holunderbaum und gerade die erste Ernte zu Konfitüre und Gelee verarbeitet. Statt einer Gaze benutzten wir ein grosses Küchensieb und einen Kartoffelstampfer, funktioniert sehr gut. Wir haben ebenfalls nur Gelierzucker und keine anderen Zutaten verwendet und das Resultat schmeckt wirklich lecker. Nächstes Jahr werden wir dann aber nicht die Beeren, sondern schon die Blüten pflücken. Gelee oder Sirup daraus ist noch viel leckerer als von den Beeren. Bis wir soweit sind, kaufen wir regelmässig “Flädersaft” bei IKEA. Auch für die Schweden ist also Holunder “Flieder”, das hat wahrscheinlich auf Norddeutschland “abgefärbt”, oder umgekehrt. Ich der Schweiz sagt man übrigens auch Holunder, auf Schweizerdeutsch “Holdärä”.

  • gold price

    In der langen Reihe der Obstsäfte darf natürlich der Beerensaft nicht fehlen. Ihn gibt es in verschiedenen Sorten, wie zum Beispiel Himbeer- , Blaubeer-, Johannisbeer- , Stachelbeer- oder Brombeersaft . Teilweise sind auch verschiedene Mischungen der einzelnen Säfte erhältlich, so dass sicher jeder seinen persönlichen Lieblingssaft finden wird.

  • Hallo, durch zu viele unreife Beeren (die grünen) kann man Magenprobleme und Durchfall bekommen. Saft und Gelee gab es dieses Jahr bei uns auch wieder. Gerade der Saft ist bei Erkältung eine Wunderwaffe. Zusätzlich habe ich dieses Jahr mal Likör angesetzt.
    hier einmal der Link dazu:
    LG Andreas

  • Hallo, obwohl Zeit zur Mangelware geworden ist… und vielleicht gerade weil, macht es immernoch Spass und steht ganz oben, dein/euer blog zu lesen. Mittlerweile das einzige ‘altwelt’ blog das permanent gelensen/verfolgt wird. Neuwelt ist Neuseeland, Selbststaendigkeit, Auslaenderdasein, 60 Stunden Woche. Danke fuersstaendige ‘up daten’. Danke fuer die liebenswerte art zu schreiben und immer ‘naturbewusst’ und ‘open minded’ zu sein!!

    • Das freut mich bei euch ganz besonders, denn ich lese euer Blog schon seit der “… wir kommen” Zeit sehr gerne. Sollten wir mal wieder nach NZ kommen, steht euer Café natürlich auf der Liste der Sehenswürdigkeiten ;-)

  • Bettina

    Man braucht den Saft nicht zu zuckern, damit er haltbar ist. Es geht darum, dass man ihn kochend heiß in die Flasche gibt und sofort verschließt, sodass ein Vakuumeffekt auftritt. Eben so wie man gewöhnlich einkocht. Die Flachen halten bei uns viele Jahre. Wenn man ihn dann nutzt kann man gern einen Löffel Honig dazu tun, wenn es einem nicht süß genug ist. Ich persönlich finde den Saft von wirkliche reifen Beeren süß genug.

    • Solange man es schafft, das Ganze absolut steril ablaufen zu lassen stimmt das! Es darf aber wirklich nicht ein einziges Bakterium oder eine Pilzspore überleben. Oft funktioniert das, manchmal aber auch nicht ;-)

      Sicherheitshalber noch der Hinweis, dass der “Vakuumeffekt” die Flasche zwar schön dicht hält, andererseits aber eine Gärung nicht verhindern kann.

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