Selber Bier brauen – Teil 1, rechtliche Voraussetzungen

Bier gehört in Deutschland zu den Grundnahrungsmitteln. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Bierbrauen durch Gesetze und Verordnungen reglementiert wird. Dem ahnungslosen Betrachter fallen da auf Anhieb zwei Bereiche ein – das Reinheitsgebot und die Biersteuer. Ich habe mich mal vorsichtig umgesehen, was davon mich betrifft, wenn ich zu Hause selbst ein paar Liter Bier brauen möchte.

Reinheitsgebot

Deutsche Brauer verweisen gern auf das deutsche (bayrische) Reinheitsgebot von 1516. Und deutsche Biertrinker glauben erstaunlich inbrünstig, dass die Brauer sich wirklich an dieses Gebot halten.

Das ist natürlich völliger Quatsch. Weder ist das Reinheitsgebot von 1516 überhaupt noch in Kraft (schon 1551 wurde es zum ersten Mal aufgeweicht), noch hält sich irgendjemand an die Buchstaben dieses Gebots. Unter anderem steht in dieser Bayerischen Landesordnung von 1516 nämlich auch, dass die Maß “für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung” angeboten werden darf.

Der Begriff Reinheitsgebot bezieht sich auf zwei Passagen in der Bayerischen Landesordnung von 1516. Dort werden die drei erlaubten Zutaten für Bier ausdrücklich genannt. Und diese erlaubten Zutaten sind Gerste, Hopfen und Wasser.

Etikett einer Bierflasche

Etikett einer Bierflasche

Irgendwie ist es schon erstaunlich, wenn auf dem Etikett vieler Bierflaschen ein Hinweis auf das Reinheitsgebot von 1516 prangt und in der gleich danach folgenden Liste mehrere Zutaten genannt werden, die nach diesem Reinheitsgebot gar nicht erlaubt sind. Von Weizenmalz oder Hefe ist dort zum Beispiel nix zu finden.

Gut, heute sind die erlaubten Zutaten für Bier in Paragraph 9 des Vorläufigen Biergesetzes geregelt. Auch dazu gäbe es einiges zu sagen, aber ich beschränke mich hier mal nur auf Absatz acht. Dort steht: “(8) Die Vorschriften in den Absätzen 1 und 2 finden keine Anwendung für diejenigen Brauereien, die Bier nur für den Hausbedarf herstellen (Hausbrauer).” Da sich Absatz 1 und 2 auf die Zutaten beziehen, bedeutet das wohl, dass es dem Gesetzgeber weitgehend schnuppe ist, aus welchen Zutaten ich in unserer Küche Bier braue.

Biersteuer

Wenn man Bier verkaufen möchte, dann muss man logischerweise verschiedene Steuern abführen (Umsatzsteuer, Einkommenssteuer usw.). Darüber hinaus gibt es in Deutschland historisch bedingt ein paar Steuern, deren Sinn sich ausländischen Beobachtern nicht in jedem Fall sofort erschließen (Jagdsteuer, Hundesteuer, Kaffeesteuer und eben auch Biersteuer)

Unabhängig davon, ob man Bier braut, um es zu verkaufen oder um es selbst zu trinken – in Deutschland muss man Biersteuer entrichten. Zum Glück gibt es für Hobbybrauer aber eine Freimenge von 2 Hektoliter pro Jahr. Näheres ist im Biersteuergesetz (PDF) und in der Biersteuervordnung (PDF) geregelt.

Naja, wir sind hier in Deutschland. So einfach geht das natürlich auch nicht. In §41 Absatz 2 Biersteuerverordnung steht nämlich: “(2) Haus- und Hobbybrauer haben den Beginn der Herstellung und den Herstellungsort dem zuständigen Hauptzollamt vorab anzuzeigen. In der Anzeige ist die Biermenge anzugeben, die voraussichtlich innerhalb eines Kalenderjahres erzeugt wird. Das zuständige Hauptzollamt kann Erleichterungen zulassen.

In verschiedenen Selbstbrauer-Foren habe ich gelesen, dass es durchaus nicht selbstverständlich ist, dass die zuständigen Hauptzollämter Erleichterungen zulassen. Die betroffenen Brauer müssen also tatsächlich jeden einzelnen Brauvorgang beim zuständigen Hauptzollamt anzeigen.

Nachdem ich recht umständlich heraus bekommen hatte, welches Hauptzollamt überhaupt für mich zuständig ist, habe ich den zuständigen Beamten einfach mal angerufen. Er hat mir freundlicherweise erklärt, wie man so eine formlose Anzeige verfasst:

Anzeige

Ein paar Tage später erhielt ich dann diesen Bescheid:

Bescheid

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich den Bescheid richtig verstehe. Für mich hört sich das aber so an, als müsste ich mich dort erst wieder melden, wenn ich kein weiteres Bier mehr brauen möchte oder wenn ich beabsichtige mehr als 200 Liter Bier pro Kalenderjahr zu brauen.

Weblinks:

6 Kommentare zu Selber Bier brauen – Teil 1, rechtliche Voraussetzungen

  • Dorit

    Ich möchte (sofern nicht ohnehin bekannt) den CRE Podcast wärmstens empfehlen: Speziell zum Thema Bier die Ausgabe 194, http://cre.fm/cre194, aber auch ganz allgemein die Reihe: http://cre.fm

    • Jupps, ist bekannt und wird einigermaßen regelmäßig gehört.

      CRE 194 habe ich auch gehört, aber zu der Zeit noch nicht mit der Intention einmal selbst Hand anzulegen. Den werde ich mir also wohl noch mal anhören müssen ;-)

  • mike

    Also was ich nun mitgenommen habe: 200 Liter darf man im Jahr in Deutschland selbst herstellen, ohne eine Biersteuer zu entrichten. Zudem ist eine Anzeige notwendig, wenn ich das Bierbrauen wieder aufhöre. 200 Liter im Jahr, bei 364 Tagen im Jahr ist das ja nicht mal ne Maß am Tag. Wie hoch ist denn diese Steuer überhaupt, und wer wird das schon prüfen, wenn ich in meinem Haus in ländlicher Umgebung nur für mich Bier braue, ob ich nun 200 od. 500 Liter im Jahr braue?

    • Nein, es kommt auf Dein Hauptzollamt an. Könnte sein, dass Du jeden einzelnen Brauvorgang anmelden musst.

      Die Biersteuer liegt bei 0,7xxx Euro pro Hektoliter und Grad Plato. Und dann gibt es noch eine verminderte Biersteuer für Hobbybrauer. Die beträgt 0,4407 Euro pro Hektoliter und Grad Plato. Bei 12 Grad Plato sind das dann also 5,28 pro 100 Liter. Auch wenn man Vieltrinker ist, ist das nicht wirklich der Rede wert.

  • mike

    Danke für die prompte Antwort, Heiner. Die Steuer ist ja echt nicht hoch, zumindest für den Hobbybrauer.

    • Jo, die Kosten halten sich in Grenzen. Wieso die Biersteuer nicht auch gleich abgeschafft wurde, als die Weinsteuer wegfiel, weiß wohl nur der Iltis. Ich freue mich jedenfalls schon auf den Tag, an dem ich mit Steuerformular Nr. 2075 anzeige, dass ich 10 Liter Bier mit 12,5 Grad Plato “überschreitende Menge” produziert habe ;-)

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