Selber Bier brauen – Teil 2, benötigte Ausrüstung

Zum ersten Teil (rechtliche Voraussetzungen) geht es hier lang.

Wer selber Bier brauen möchte, der benötigt dafür einige Utensilien, die in einem durchschnittlichen Haushalt nicht unbedingt zu finden sind. Damit der erste Brautag nicht gleich an fehlenden Gerätschaften scheitert, sollte man sich also rechtzeitig ansehen, was man braucht. Um nix zu vergessen gehe ich mal kurz durch, wie man Bier braut und hebe die dafür benötigte Ausrüstung hervor:

  • Wasser in der Sudpfanne auf die Einmaischtemperatur erhitzen.
  • Malz dazu geben und mit einem Braupaddel ordentlich einrühren.
  • Würze in mehreren Stufen erwärmen, zwischendurch bestimmte Temperaturen für eine längere Zeit genau halten. Dafür benötigt man ein Thermometer, dass Temperaturen bis knapp 100 Grad genau anzeigen kann und eine Uhr.
  • Stärkenachweis mit Brauerjod
  • Umfüllen der heißen Würze in den Läuterbottich (z.B. mit einer großen Kelle)
  • Wasser erwärmen für den Nachguss (z.B. in einem großen Topf auf dem Herd)
  • Bierspindel um den Extraktgehalt in der Würze zu messen
  • Überführen der Würze zurück in die Sudpfanne, Hopfen dazu geben, wallend kochen
  • etwas Würze als “Speise” (so nennen wir Brauer das ;-) einfrieren oder einkochen
  • abgekühlte Würze über einen Schlauch in das Gärgefäß überführen, Hefe dazu geben
  • nachdem die Gärung abgeschlossen ist Jungbier in Flaschen abfüllen, Speise dazu geben und verschließen

Die Zutaten für ein ordentliches Bier (Wasser, Hopfen, Malz und Hefe) habe ich hier nicht besonders hervorgehoben. Dazu komme ich an anderer Stelle noch mal. Hier soll es erst mal um die Ausrüstung gehen:

Maische

Maischen im Einkochtopf

Sudpfanne: Die Sudpfanne ist ein Topf, in dem die Maische erwärmt wird und in dem später die Würze gekocht wird. Der Topf muss allerdings groß genug sein, um die gewünschte Menge Bier (mit Luft nach oben) aufnehmen zu können. Wir verwenden dafür einfach einen Einkochautomaten. Dabei muss man darauf achten, dass der Automat in der Lage ist, die Würze wallend kochen zu lassen (manche Einkochautomaten schalten schon ab, bevor der Inhalt überhaupt richtig kocht).

Braupaddel: Insbesondere während des Erwärmens der Maische muss fast ununterbrochen umgerührt werden. Wenn ich weiterhin selber Bier brauen sollte, dann ist das eine der ersten Aufgaben, die ich automatisiere! Bis dahin braucht man ein Braupaddel. Man kann sich vorstellen, dass ein gewöhnlicher Kochlöffel für einen dreiviertel vollen Einkochautomat zu kurz ist. Wir benutzen einen großen, gut 60 Zentimeter langen Kochlöffel, den wir vor einigen Jahren als Souvenir aus einem kleinen Dorf auf Samoa mitgebracht haben. Wer so etwas nicht hat, muss eine andere Möglichkeit finden die Maische effektiv umzurühren.

Zwei Thermometer

Zwei Thermometer, zwei Temperaturen

Thermometer: Der Thermostat am Einkochautomat ist für das Brauen völlig ungeeignet. Er ist viel zu ungenau. Auch Einkochthermometer sind häufig nicht besonders genau. Man sollte also auf jeden Fall prüfen, wie genau das Thermometer ist. Bei einer fehlerhaften Skala kann man die gewünschten Rasttemperaturen mit einem wasserfesten Stift selbst markieren.

Uhr: Bei der Uhr sollten Timerzeiten bis zu 90 Minuten einstellbar sein. Gewöhnlich sollte eine Eieruhr (oder ein Wecker) dafür ausreichen.

Brauerjod: Während des Maischens soll die gesamte Stärke aus dem Malz in Zucker umgewandelt worden sein. Bei uns (und soweit ich gelesen habe auch bei anderen Hobbybrauern) hat das problemlos geklappt. Sicherheitshalber kann man das aber mit der Jodprobe nachprüfen. Wie im Chemieunterricht immer wieder gerne vorgeführt wird, kann man Stärke leicht mit Jod (bzw. bestimmten Jodverbindungen) nachweisen. Wenn die Maische noch Stärke enthält, dann bildet sich Jodstärke, eine tiefblaue bis schwarze Einschlussverbindung. Wenn die gesamte Stärke schon in Zucker umgewandelt wurde, dann bleibt das Jod gelb.

Unser Läuterbottich

Unser Läuterbottich

Läuterbottich: Eigentlich ist ein Läuterbottich ein großer Topf, in den etwas oberhalb des Bodens ein Lochblech eingesetzt wird. Dieses Lochblech dient als Sieb, um die festen und flüssigen Anteile der Maische voneinander zu trennen. Beim Läutern lässt man die Würze unterhalb des Lochblechs ablaufen, während der Treber auf dem Lochblech liegen bleibt. Unter Hobbybrauern gilt das Läutern als schwierigster Vorgang beim Brauen. Einerseits soll das Läutern schnell gehen, damit die Würze nicht zu sehr abkühlt. Andererseits soll die Würze aber auch möglichst wenig Trübstoffe enthalten. Wir haben die Maische durch einen Sack aus Nylon-Gaze (ähnlich einem Moskitonetz) gefiltert und das hat erstaunlich gut funktioniert.

Kelle: Wenn die Sudpfanne keinen sehr weiten Auslauf hat, dann muss die Maische mit einer großen Kelle oder einem Gefäß mit Henkel in den Läuterbottich umgefüllt werden. Wir haben dafür einen Glas-Messbecher verwendet. Bei weniger als 20 Liter Maische war das gerade noch akzeptabel.

Großer Topf: Das Nachguss-Wasser wird schon aufgewärmt, während sich die Maische noch in der Sudpfanne befindet. Deshalb benötigt man einen weiteren großen Topf. Wir haben dafür einen zweiten Einkochtopf verwendet, den uns ein lieber Nachbar ausgeliehen hat.

Bierspindel

Bierspindel (13 Grad Plato)

Bierspindel: Um zu überprüfen, wie viel Zucker (und andere gelöste Stoffe) sich in der Würze befinden, benötigt man eine Bierspindel (Würzespindel) oder ein Refraktometer. Wenn man die Bierspindel verwendet (die viel billiger ist als ein Refraktometer) benötigt man zusätzlich einen Spindelzylinder (ein schmales hohes Gefäß in den die Bierspindel frei schwimmen kann)

Schlauch: Wenn der Läuterbottich keinen Auslauf besitzt, braucht man einen Schlauch um die Würze in den Gärbehälter umfüllen zu können.

Gärfaß: Der Gärbehälter muss die Würze einerseits nach außen luftdicht abschließen. Andererseits muss das bei der Gärung entstehende Kohlendioxid entweichen können. Deshalb benötigt man ein Gefäß, das mit einem Gärverschluss versehen ist. Zum Umfüllen des Bieres in die Flaschen ist es außerdem hilfreich, wenn das Gärgefäß einen Abflusshahn knapp oberhalb des Bodens hat.

Flaschen: Am besten sind Flaschen, die einen Bügelverschluss besitzen. Soweit ich es einschätzen kann, kommen Pfandflaschen dafür leider nicht in Frage, weil Pfand eben ein Pfand und kein Kaufpreis ist. Wir haben jetzt trotzdem erst mal Pfandflaschen verwendet. Keine Angst liebe Brauerei, ihr bekommt eure Flaschen natürlich demnächst wieder zurück.

Wenn die Brau-Ausrüstung so oder so ähnlich zusammen gesammelt ist, dann steht dem ersten selbst gebrauten Bier eigentlich nichts mehr im Weg.

Siehe auch:

4 Kommentare zu Selber Bier brauen – Teil 2, benötigte Ausrüstung

  • Heiko

    Moin Heiner, weider mal fanstastisch. Aber Du hast mich schon gleich am Anfang veloren! Ist Bier nicht Gerstensaft und wo hat er die Gerste gelassen? Und wo hat der denn den MALZ her und was ist das eigentlich?? Musste erstmal nachlesen und das kam dabei heraus (ich zitiere mal die Jungs von Heimbrau) http://www.heimbrau.de/zutaten.html:

    • Moin, moin. Sorry, musste den kopierten Text löschen. Copyright, Du erinnerst dich ;-)

      Hier ging es erst mal um die Ausrüstung. Zu den Zutaten komme ich noch. Habe übrigens bei Ulf schon einen Zentner Braugerste angefordert. Bring’ also Durst mit, wenn Du das nächste Mal vorbei kommst ;-)

  • Oh, da liest Mensch ein paar Wochen eher wenig in der Blogosphäre und dann das hier!

    Herzlich willkommen lieber Heiner unter den Hobbybrauern! Seit Sonntag ist bei mir in der Gärung ein Chocolate Stout – ein wenig im Blindflug gebraut, da mir kurz vor dem Läutern meine Bierspindel runtergefallen ist – und nun warte ich auf die Lieferung meines Refraktometers…

    Zu dem Theater mit den Hauptzollämtern äußere ich mich besser nicht und verweise auf mein Blog…

    • Herzlichen Dank für die freundliche Aufnahme in die Runde der Hobbybrauer!

      Von Chocolate Stout sind wir noch meilenweit entfernt. Wir haben erst mal ein ganz klassisches Hefeweizen gebraut. Offiziell gilt unser Bier wohl jetzt noch als Jungbier aber ich finde es schmeckt trotzdem schon ganz annehmbar. Leider haben die Nachbarn mitbekommen, dass wir Bier gebraut haben. Ich hoffe, dass ein paar Flaschen übrig bleiben, bis es ausgereift ist ;-)

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