Färben mit Walnussschalen

Meine Mutter plagt offenbar die Sorge, dass ich im Winter erfrieren könnte. Deshalb hat sie mir vor einiger Zeit ein schön warmes langärmeliges Feinripp-Unterhemd mitgebracht. Eigentlich habe ich gar nix gegen solche Unterhemden – ich mag sie sogar, aber leuchtend weiß …

Nagut, weiß muss ja nicht unbedingt weiß bleiben. Wäsche kann man färben und soweit ich gehört habe, kann man Wäsche sogar mit bestimmten Zutaten aus dem eigenen Garten färben. Die Wikipedia listet im Artikel Färberpflanze eine Menge Pflanzen auf, mit denen das Färben tatsächlich bestens funktionieren soll.

Wenn man sich die Methoden dann aber näher anschaut, dann ist die Sache doch nicht ganz so einfach, wie zunächst angenommen. Fast alle Verfahren setzen voraus, dass die Farbe mit dem Wäschestück stark erhitzt oder sogar gekocht wird. Mein Unterhemd soll aber nur bis 40 Grad gewaschen werden. Außerdem muss die Wäsche fast immer vorgebeizt werden. Gut, man könnte mit dem ungiftigen Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) vorbeizen, aber ich würde doch lieber Zutaten aus unserem Garten verwenden.

Zum Glück gibt es eine Pflanze, die das Beizmittel schon gleich selbst mitbringt. Die Fruchtschalen der Walnuss enthalten nämlich ausreichend Tannine um auf zusätzliche Beizmittel verzichten zu können.

Die Anleitungen, die man zum Braunfärben mit Walnusschalen findet sind äußerst unterschiedlich (siehe Links unten), für mich war erst mal wichtig, dass es auch funktionieren muss, ohne die Wäsche zu kochen. Im Prinzip werden die grünen Schalen zunächst in Wasser eingelegt. Die zu färbenden Stoffe werden dann (entweder sofort oder nach einigen Tagen wenn die Schalen wieder entfernt wurden) in das Wasser gelegt und verbleiben dort für mehrere Tage.

Walnüsse und Regenwasser Färben mit Walnussschalen

Ich habe einfach einen halben Eimer voll Walnusschalen gesammelt und den Eimer dann mit Regenwasser aufgefüllt. Gleich anschließend habe ich das Hemd in das Wasser getaucht und das Ganze auf den Balkon gestellt. In den folgenden Tagen habe ich den Inhalt des Eimers mehrmals täglich umgerührt. Das Wasser wurde schnell tiefschwarz und auch das Hemd wurde zunehmend dunkler.

Gefärbt mit Walnussschalen

Gefärbt mit Walnussschalen

Nach einer Woche habe ich das Hemd ordentlich mit frischem Wasser ausgespült und dann noch mal einer 15 Minuten Schnellwäsche in der Waschmaschine unterzogen. Nach den Trocknen habe ich versucht die Farbe fotografisch festzuhalten. Das ist mir allerdings nur höchst unzureichend gelungen.

Ich taufe diese Farbe jetzt mal vorläufig auf “grünliches Graubraun”. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, dass die Walnuss das Hemd (trotz Plastikanteil in den Fasern) dunkler färbt. Außerdem ist die Farbe nicht ganz einheitlich sondern sieht ganz leicht batikartig aus. Trotzdem – ich finde das Hemd jetzt recht ansprechend – viel besser als vorher!

Übrigens halte ich die ganzen Warnungen vor wochenlang braun eingefärbten Händen durch die Walnussfarbe für maßlos übertrieben. Ich bin mehrfach kurz mit der Brühe in Berührung gekommen und ich kann nicht feststellen, dass sich die Farbe meiner Hände deshalb signifikant verändert hätte.

Siehe auch:

Weblinks:

5 Kommentare zu Färben mit Walnussschalen

  • Sven

    Also ich hatte mal als kleine Steppke, beim rumstromern einen Walnussbaum entdeckt und dort die “rohen” Walnüsse mit bloßen Händen aus den grünen Schalen gepult, geknackt und die noch weißen Nüsse aufgefuttert. Abgesehen vom “durchschlagenden” Magendarm-Effekt, gab’s richtig schön braun-schmutzig gefärbte scheuerresistente Finger. Vielleicht nicht über Wochen, aber ich kann mich gut daran erinnern dass ich mir einige Tage von sämtlichen Lehrern in der Schule blöde Sprüche bezüglich meiner mangelnden Handhygiene anhören musste.

    • Wie gesagt, für kurzes rumpanschen in dem Sud (z.B. 2/3 Minuten) und abschließendem gründlichem abwaschen kann ich sowas nicht bestätigen.

      Auch der Kochlöffel, mit dem ich dauernd umgerührt habe, wurde nicht eingefärbt …
      … bis ich ihn einmal eine Nacht in dem Eimer vergessen hatte.

  • Also ich habe auch schon öfter Walnüsse aus der grünen Schale gepuhlt und die Hände sehen danach wirklich übel aus.Da hilft auch keine Scheuerseife oder Nagelbürste. Ich überlasse die Nüsse jetzt immer den Eichhörnchen und sammel nur noch Nüsse ohne grüne Hülle auf ;-)

  • Simone

    Hallo :D Färbt das Hemd denn beim Waschen auf andere Kleidungsstücke ab?? Die Farbe auf dem Bild sieht eig sehr hübsch aus. Schade, dass sie in echt nicht genauso aussieht. Vielleicht hätte das färben ja besser geklappt, wenn du warmes Wasser genommen hättest?
    Liebe Grüße :D

  • Ich hatte auch Bedenken, dass das Hemd abfärben würde. Hat es nicht gemacht. Bei der zweiten Wäsche hatte ich ein weißes Taschentuch (das ich ebenfalls häßlich finde) mitgewaschen. Anschließend war es immer noch weiß. Vielleicht würde ich nicht unbedingt mein weißes Beerdigungshemd mit den Walnuss-gefärbten Sachen waschen, aber sie färben jedenfalls nicht stark ab.

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.