Zutaten für Glühwein

Für die Herstellung eines leckeren Glühweins muss man nicht unbedingt promoviert haben. Man braucht dafür auch keine Glühwein-Kochbeutel. Und fertigen Glühwein aus der Pappschachtel braucht man schon gar nicht.

Man wartet einfach auf hübsch kaltes Winterwetter, dann nimmt man einen ordentlichen Rotwein, würzt ihn schön rund, zum Beispiel mit Zimt, Gewürznelken, Sternanis und Zitronenschale, zuckert das ganze nach Geschmack und erhitzt es auf knapp 80 Grad – fertig ist ein köstlicher Glühwein. Wenn dann von einem Gast die Frage kommt: “Hmm, lecker, was ist da denn drin?” Muss man sich nicht “Ähm, … Aldi …” in den Bart nuscheln, sondern man kann stolz verkünden, was tatsächlich drin ist.

OK, aber für die bevorstehende Glühweinsaison habe ich mir doch lieber noch mal einige Glühweinrezepte im Internet angesehen und zusammengetragen, was bei denen alles so drin ist.

Wein

Wie der Name schon sagt, besteht Glühwein zu einem überwiegenden Teil aus Wein. Bei billigen Supermarkt-Glühweinen ist das Entscheidungskriterium für die Auswahl der Weinsorte offenbar häufig ausschließlich der Preis. Es werden minderwertige Weine verwendet, die dann stark gesüßt werden müssen. Wenn man Glühwein selbst machen möchte, dann sollte man lieber einen etwas hochwertigeren Wein verwenden und ihn nur wenig süßen. Allerdings wird der Geschmack des Weins im Glühwein stark von den verwendeten Gewürzen überdeckt. Ich würde also auch nicht unbedingt einen 1959er Château Lafite-Rothschild verwenden.

Meist wird selbst gemachter Glühwein eher aus schwereren südlichen Rotweinen hergestellt. Aber auch aus leichteren Weißweinen lassen sich leckere Glühweine herstellen. Für alkoholfreien Glühwein (Kinderpunch) wird hier in unserer Gegend vor allem Fliederbeersaft, also der Saft des Schwarzen Holunder verwendet. Aber auch Traubensaft, Apfelsaft, Johannisbeersirup usw. sind dafür gut geeignet.

Zimt

Ceylon-Zimt

Ceylon-Zimt

Zimt macht den entscheidenden Teil des Glühwein-Aromas aus. Natürlich muss man auch beim Zimt aufpassen, dass man nicht zu viel des Guten tut, aber Glühwein ohne Zimt ist gar nicht vorstellbar.

Zu den beiden grundsätzlich unterschiedlichen Zimt-Arten hatte ich schon mal im Rahmen der Apfel-Duft-Deko etwas mehr geschrieben. Hier nur der Hinweis, dass man lieber Ceylon-Zimt anstatt des verbreiteten Cassia-Zimt verwenden sollte. Man erkennt Ceylon-Zimt an der im Gegensatz zum Cassia-Zimt dünnen Rinde. Allgemein gilt, dass das Zimt-Aroma um so feiner ist, je dünner die Schichten sind.

 

Gewürznelken

Gewürznelken Qualitätstest

Gewürznelken Qualitätstest

Gewürznelken gehören ebenfalls unbedingt in jeden Glühwein. Da Nelken eine sehr intensive Würz-Wirkung besitzen, sollten auch davon nicht zu viele verwenden. Schon drei oder vier Blütenknospen pro Liter Wein reichen völlig aus. Manchmal werden die Würznelken in Zitronen- oder Orangenscheiben gespickt, damit sie später nicht frei im Glühwein herum schwimmen.

Frische Nelken erkennt man übrigens an ihrem etwas fettigen Äußeren. Wenn man die Blütenknospen in Wasser gibt, dann sollen sie entweder zum Boden sinken oder zumindest aufrecht an der Oberfläche schwimmen. Wenn sie flach auf dem Wasser schwimmen, dann sind sie schon entölt und nicht mehr zu gebrauchen.

 

Sternanis

Sternanis

Sternanis

Auch Sternanis gehört zu den klassischen Zutaten für einen ordentlichen Glühwein. Inzwischen scheint er aber kaum noch Verwendung zu finden. Als ich vor ein paar Tagen mal eben eine Tüte Sternanis in einem großen Supermarkt (und ich meinen einen richtig großen Supermarkt mit einer Fläche von einem guten Hektar) kaufen wollte, da habe ich damit gleich mehrere Verkäuferinnen an den Rand der Verzweiflung gebracht. In einer gemeinsamen groß angelegten Suchaktion haben wir den Sternanis dann aber doch noch gefunden, und zwar nicht bei den Gewürzen, sondern bei den Backzutaten.

Das Aroma des Sternanis steckt vor allem in der sternförmigen Hülle. Ich bin nicht sicher ob das funktioniert, aber ich habe deshalb einfach mal ein paar Samen abgezweigt und sie in einen Blumentopf mit Anzuchterde gesteckt. Vermutlich wird sich daraus kein 20 Meter hoher immergrüner Baum entwickeln wie in den Tropen, aber ich werde berichten, was daraus geworden ist.

Zitronenschale, Orangenschale

Die Schale von (biologisch angebauten) Zitronen und Orangen kann man einfach mit einem Sparschäler dünn abschälen und direkt in den Glühwein geben. Dabei sollte man darauf achten, dass man die Schale nicht zu tief abhobelt, weil man sonst auch Teile des weißen Mesokarp (bei den Zitrusfrüchten nennt man es Albedo) erwischt und das ist meist ziemlich bitter.

Auch etwas Saft von Zitrone und Orange kann in Glühwein sehr gut schmecken.

 

Kardamon

Kardamon

Kardamon

Eigentlich findet man Kardamon eher in indischen und arabischen Rezepten oder in Lebkuchen und Spekulatius. Aber auch einige Glühwein-Rezepte verwenden ihn. Da die Würzkraft (und die aphrodisierende Wirkung) der ätherischen Öle des Kardamon relativ schnell verfliegen, verwendet man anstatt Kardamon-Pulver lieber Kardamon-Kapseln. In diesen Kapseln, die im Aussehen Pistazien ähneln,  befinden sich jeweils einige kleine Samenkörner, die im Mörser leicht zerstoßen werden können und dann ihr volles Aroma entfalten.

 

Koriander

Koriander

Koriander

Koriander ist so eine Sache. Er verströmt (sowohl im Garten als auch in der Küche) einen Geruch, der von manchen Leuten (u.a. von mir) als eher unangenehm empfunden wird. Da auch Koriander in einigen Glühwein-Rezepten vor kam, nenne ich ihn hier auch einmal.

Bei Koriander ist es noch wichtiger als bei Kardamon die Samen frisch zu mahlen oder zu mörsern. Koriander-Pulver verliert relativ schnell seine wohlschmeckenden Aromen und dann bleiben nur noch die eher unangenehmen Düfte zurück. Die Samen sollten vor dem Mahlen kurz ohne Öl angeröstet werden, weil sie sonst einen leicht bitteren Geschmack haben.

 

Piment

Piment

Piment

Piment ist ebenfalls eine etwas umstrittene Zutat zu Glühwein. Ich persönlich mag Piment recht gerne in Knipp.

In Weihnachtsgebäck schmeckt er wegen der scharfen Note manchmal auch recht gut; in Glühwein kann ich aber gut darauf verzichten. Da Piment aber in einigen Glühwein-Rezepten genannt wurde, führe ich hier auch mal auf.

 

Ingwer

Ingwer

Ingwer

Hier bei uns ist Ingwer in Glühwein nicht so besonders verbreitet, in Skandinavien gehört er allerdings unbedingt in jedes Glühwein- und besonders in jedes Glögg-Rezept.

Einige Rezepte enthielten neben Ingwer noch verschiedene andere Zutaten, zum Beispiel Muskat, Vanille, Lorbeerblätter oder Fenchel. Von einigen weiteren Autoren wurden auch noch alkoholische Zutaten wie Rum, Amaretto, Angostura usw. genannt. Ich will gar nicht bestreiten, dass auch das lecker schmecken kann, aber der Glühwein ist damit natürlich kein Glühwein mehr, sondern ein Punsch.

8 Kommentare zu Zutaten für Glühwein

  • Petra

    Hej Heiner,
    da hier nun schon von Schweden die Rede ist, möchte ich ein Rezept für echten schwedischen Dunder(Donner)glögg beisteuern:
    5 Liter svagdricka – das ist ein Dünnbier, unserem Malzbier ähnlich
    5 in Scheiben geschnittene, rohe Kartoffeln
    1 Päckchen frische Hefe
    1 gehäufter El Nelken
    1 gehäufter El Kardamomkerne (nur die schwarzen, ohne Hülle)
    1 Stückchen frischen Ingwer (ca 5 cm)
    1 Stange Zimt
    500 g Rosinen
    2,5 kg Zucker
    Das wird alles in einem lebensmitteltauglichem 10 l Eimer gemischt, mit einer mit kleinen Löchern versehenen Platikfolie (-deckel) abgedeckt – und nun läßt Du das Gebräu bei Zimmertemperatur schön in Ruhe und das für mindestens drei Wochen, gerne sechs (das wird nun aber etwas eng bis Weihnachten).
    Wenns dann für fertig befunden wurde, mithilfe eines Schlauches in gut gesäuberte Flaschen abfüllen. Den Bodensatz und alle festen Zutaten meiden.
    Zum Genuss, wie oben beschrieben, erwärmen und mit Rosinen und Manelhobel servieren. Achtung, es knallt! Es entsteht ein Alkoholgehalt von 12 – 13%, wichtig hier in Schweden.
    Ich habs ausprobiert, in einem Sauerkrauttopf – ideal, und für lecker befunden.
    Lieben Gruß aus Schweden
    Petra

  • Haua, zweieinhalb Kilo Zucker und Hefe, das hört sich gefährlich an ;-)

    Die selbst gegorene Glögg-Variante kannte ich ja noch gar nicht. Das wäre mal etwas für unsere Silvesterparty. Leider ist unser Sauerkrauttopf noch belegt.

  • Billigflüge

    Die Stimmung ist weihnachtlich und vor dem Haus ist es knackig kalt. Ich will mich zusammen mit nem Kumpel aufwärmen und such den Supermarkt auf.

    2 L Glühwein

    1/2 Flasche Captain Morgan

    1 Schuss Amaretto

    Das ganze haben wir im Anschluss in einen Kochtopf gegeben und heiß werden lassen. Nach einer Stunde wurde uns richtig warm, weil wir derbe blau waren.
    Damit kriegt man alles betäubt!

  • friedhelm breithack

    glühwein ist sehr lecker wämt den bauch so schön

  • Danke für die Infos. Da ist doch unser Glühweinabend gerettet :)
    Was ist denn aus dem Sternanisbäumchen geworden ??

    Viele Grüße
    Stephan

    • Oha, ich kann mich im Moment gar nicht erinnern, was aus den Sternanis-Samen geworden ist. Wahrscheinlich sind sie einfach nicht aufgegangen. Möglicherweise finde ich noch etwas dazu in meinem alten Notizbuch.

  • Jens

    Hallo,
    vielleicht kann mir hier jemand helfen.
    Habe selber einen Glühwein zubereitet und habe anscheind zu viel
    Sternanis verwendet. Gibt es da eine Möglichkeit diesen ein wenig zu neutralisieren?

    • Auf Anhieb fällt mir da nur ein, den Glühwein mit einer weiteren Flasche guten Weines zu strecken. Wenn der Sternanis dann immer noch dominiert, dann musst du deinen Glühwein eben als eine ganz besondere tropische Spezialität anbieten ;-)

Hinterlassen Sie eine Antwort

 

 

 

Sie können diese HTML Tags verwenden

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

Beachte bitte, dass wir Links in Kommentaren nicht in jedem Fall veröffentlichen können. Näheres dazu findest Du in unseren Regularien.