Was fressen Katzen?

Wir hatten schon immer Katzen auf dem Hof. Da denkt man natürlich, dass man Ahnung von der Ernährung der Katzen hat. Als aber gestern Abend eine unserer jungen (gerade mal zehn Wochen alten) Katzen selbst eine Maus gefangen und anschließend mit Haut und Haaren verspeist hat, kam ich doch etwas ins Grübeln. Ist “was fressen Katzen gerne” und “was dürfen Katzen fressen” eigentlich das gleiche? Zumindest scheinen “Haut und Haare” auch jungen Katzen nichts auszumachen – die kleine Katze kommt mir heute noch ausgelassener vor als gestern.

Hauskatzen

Hauskatzen

Hauskatzen (Felis silvestris catus) sind Säugetiere aus der Familie der Katzen (Felidae) in der Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Sie sind also relativ eng mit “richtigen” Raubkatzen wie Löwe, Tiger oder Leopard verwandt. Katzen sind deshalb zunächst einmal Fleischfresser. Frei in der Natur lebende Hauskatzen kommen auch nicht auf die Idee an Getreidekörnern herum zu knabbern – sie ernähren sich ausschließlich von Beutetieren.

Andererseits lebt die Hauskatze aber auch schon mindestens seit der letzten Eiszeit vor ca 10000 Jahren mit dem Menschen zusammen. Damals sind die Leute wohl kaum in den Tiermarkt gefahren, um Dosenfutter für ihre Katzen zu besorgen. Deshalb dürfte sich die Hauskatze im Laufe ihrer Domestizierung wenigstens zum Teil auch an pflanzliche Nahrung gewöhnt haben.

Katze

Junge Hauskatze erkundet die Umwelt

Gelegentlich wird behauptet, dass eine kohlenhydrat- und zuckerhaltige Ernährung bei Katzen alle möglichen Krankheiten (Adipositas, Diabetes, Karies usw.) auslöst. So ein Zusammenhang konnte in wissenschaftlichen Untersuchungen bisher aber nicht nachgewiesen werden.

Da Theobromin für Katzen (und auch Hunde) sehr giftig ist, dürfen Katzen keine Schokolade zu sich nehmen. Obwohl Katzen (im Gegensatz zu Hunden) eher keine besonderen Schokoladenfans sind, kommt es auch bei ihnen immer wieder zu schweren Vergiftungen bis hin zu Todesfällen durch eine Theobrominvergiftung. Gelegentlich hat es bei Hunden sogar Vergiftungen durch die Hülle von Kakaobohnen gegeben, die im Garten dem Mulch beigemengt waren.

Leider ist es etwas schwierig unabhängige Studien zur Verträglichkeit von pflanzlicher Nahrung zu finden, aber ein Anteil von etwa 10% pflanzlicher Nahrung scheint unbedenklich oder sogar positiv zu sein.

Übrigens nehmen auch reine Fleischfresser in der Natur durchaus vorverdaute pflanzliche Nahrung aus dem Verdauungstrakt der Beutetiere auf. Ohne diesen pflanzlichen Anteil in der Nahrung kann es zum Beispiel bei Wölfen zu Mangel an Spurennährstoffen und Vitamin A kommen.

Katzen ganz vegetarisch oder gar vegan ernähren zu wollen, zeugt natürlich nicht von besonderer Tierliebe. Für mich grenzt das an völligen Realitätsverlust. Das ist nicht artgerecht und das deckt auch nicht den Bedarf der Tiere. Ich finde es völlig unverständlich, dass sogar peta so einen Quatsch unterstützt. Da lobe ich mir schon eher die klare Ansage des Deutschen Tierschutzbundes.

Katze

Junge Hauskatze jagt Spielzeugmaus

Das andere Extrem, nämlich die Fütterung der Katze ausschließlich mit rohem Fleisch (barfen) scheint ebenfalls nicht unproblematisch zu sein. Offenbar kommt es bei so ernährten Katzen häufiger zu Verstopfungen und Durchfällen. Außerdem kann es durch die fehlenden “vorverdauten” pflanzlichen Anteile zu Mangelerscheinungen kommen. Wieso auch Bedenken wegen allen möglichen Infektionen bestehen, ist mir dagegen nicht ganz klar, zumindest nicht wenn das Fleisch von einem vertrauenswürdigen Fleischer kommt.

In vielen Artikeln wird insbesondere vor einer Infektion mit der Aujeszky-Krankheit (Pseudowut) gewarnt. Diese Krankheit wird durch einen Herpes-Virus ausgelöst, der für den Menschen zwar wenig gefährlich, für die meisten Tiere (inklusive Katzen) aber tödlich ist. Vielleicht sollte in den entsprechenden Artikeln auch mal darauf hingewiesen werden, dass die Aujeszky-Krankheit zumindest in Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen europäischen Ländern anzeigepflichtig ist und kaum noch auftritt bzw. ausgemerzt ist.

Ach ja, und was trinken Katzen?

In der Natur trinken Katzen kaum. Sie decken ihren Flüssigkeitsbedarf zum größten Teil durch die Nahrung. Das Futter sollte daher einen ähnlichen Feuchtigkeitsgehalt besitzen wie die natürliche Beute. Trotzdem muss aber immer ein Napf mit frischem Wasser bereit gestellt werden.

Wenn die Katzen mit Trockenfutter gefüttert werden, dann müssen die Tiere ihren Flüssigkeitsbedarf mit Wasser decken. Leider trinken Katzen dann oft nicht genug. Dadurch kann es dann leicht zu Nieren- und Harnwegserkrankungen kommen. Trockenfutter als Hauptnahrung ist also für Katzen nicht geeignet. Dazu kommt noch, dass Trockenfutter oft Geschmacksverstärker und Lockstoffe enthalten. Die Katzen fressen mehr davon als sie benötigen und sie werden fett.

Als ich zum erstem Mal hörte, dass erwachsene Katzen keine Milch vertragen, war ich etwas verblüfft. Unsere Katzen haben immer Milch vertragen. Offenbar liegt das daran, dass manche Katzen (etwa 10 Prozent) die Fähigkeit zur Verdauung von Laktose verlieren, wenn sie keine Milch mehr bekommen. (Da geht es ihnen wie den Igeln.) Werden die Katzen durchgehend mit Milch gefüttert (wie z.B. oft auf Milchviehbetrieben) dann behalten sie diese Fähigkeit. Laktose-intoleranten Katzen darf natürlich keine Milch mehr angeboten werden – Menschen mit dem gleichen Problem können ein Lied davon singen, wie es sich anfühlt, wenn die Laktose im Darm nicht verdaut sondern von Bakterien zersetzt wird.

Weblinks:

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16 Kommentare zu Was fressen Katzen?

  • Gratulieren zu den Katzen! Und ich finde es ja auch erstaunlich, dass euer Super-Jäger im Alter von 10 Wochen schon eine Maus fängt und frisst. Unsere haben damals erst mit sechs Monaten angefangen sich für Mäuse zu interessieren. Danach waren diese allerdings schnell alle weggefangen und -gefressen.
    Ich finde es übrigens ganz schwierig, “gutes” Katzenfutter zu finden und bin daher ganz froh, dass sich unsere zum größten Teil selbst füttern. Einmal hat eine sogar ein ganzes Kaninchenjunge mitgebracht, das reichte dann für zwei bis drei Mahlzeiten….

    • Als er noch zufrieden auf der Maus herumkaute, habe ich gar nicht damit gerechnet, dass er sie verschlingen würde. Als sie dann plötzlich in seinem Maul verschwand, habe ich mich auch ganz schön erschrocken.

      Beim Fangen der Maus haben wir übrigens etwas geholfen. Mailin hatte es in einem Futtersack der Pferde rascheln hören. Da haben wir die Katzen dann gleich zu einer ersten Exkursion mit in den Stall genommen. Nachdem ich den Sack auf die Seite gelegt hatte, dauerte es keine Sekunde mehr bis die Maus gefangen war.

  • Sisah

    Da habt ihr euch ja zwei wilde Tiger ins Haus geholt, die Fotos sprechen Bände. Bei meinen Katzen hatte ich immer Sorge, dass sie sich durch ihre Mäusefresserei mit Würmern oder irgendwelchen Krankheiten infizieren könnten,aber verhindern wollte und konnte ich das nicht, sie wurden halt regelmäßig entwurmt und geimpft. Die Gefahr einer Ansteckung mit irgendwelchen anderen Erregern gehörte IMO zum normalen ‘Risiko’ eines Katzenlebens. Meine ersten beiden Katzen sind übrigens nicht an einer Krankheit gestorben, sondern wurden vom Grundstück ‘geklaut’.
    Unser Kater Dooley bekam immer Nassfutter ( wie unser Hund auch), Trockenfutter fand ich immer schon einer Katze unwürdig und hin und wieder gab’s auch Selbstgekochtes. Eine ‘Wissenschaft’ habe ich jedenfalls nicht daraus gemacht.
    Viel Vergnügen mit den beiden!
    LG
    Sisah

    • Entwurmen war hier bei uns auch eine der ersten Aktionen. Das werden wir auch weiterhin regelmäßig machen (Kennen wir ja schon von den Pferden).

      Wir testen hier gerade alle möglichen Futterarten. Das Nassfutter in Dosen oder in diesen kleinen Alu-Schalen wird gefressen wie verrückt (egal ob Fisch, Gefügel, Kaninchen …) Das Trockenfutter scheint nicht unbedingt Begeisterungsstürme hervorzurufen, aber eine Hand voll fressen sie davon auch jeden Tag.

  • Petra

    Hej und Glückwunsch zum Nachwuchs! Mein alter, mittlerweile leider verstorbene, Kater hatte, wie so viele andere Katzen, Zucker. In Folge habe ich mich intensiv mit Katzenfutter auseinandergesetzt und dabei auch festgestellt aus welchem Mist das meiste Futter besteht. Mittlerweile wohnen hier wieder zwei Katzen und die bekommen dieses Futter hier: http://www.katzentheke.com/infoOmNomNom.htm. Sicher nicht das billigste dafür aber kein Müll.
    Guten Hunger wünscht Petra

  • Mete

    Die sind ja zuckersüß. Hast du denn schon einen Kratzbaum? Wir hatten uns damals selbst einen gebastelt. Unser Kater kam seitdem nie wieder los davon ;) Lieben Gruß

  • Hallo Heiner, man sieht öfter mal, dass eine Katze von sich aus pflanzliche Kost zu sich nimmt. Ich habe eine http://haustiere-blog.de/vegetarierkatze, die ganz verrückt auf das Innere vom Kürbis ist. Zuerst konnte ich mir gar nicht erklären, wer an den Kürbisresten war und dabei noch die Kerne aussortiert hat, bis ich sie beobachten konnte. Auch Kartoffelbrei aus frisch gekochten Kartoffeln mit verdünnter Milch oder Brühe oder Nudeln mit wässriger Milch fressen meine beiden Samtpfoten für ihr Leben gern. Es muss also nicht immer Fleisch oder Dosenfutter sein.
    Liebe Grüße Helga

  • Das stimmt, ich kenne Katzen, die Spargel lieben oder das Innere von Honigmelonen. :)

  • Hallo, diese Katzen sind so niedlich, wir haben selbst vor 3 Wochen 2 kleine getigerte Katzen bekommen :)

    Die spielen auch mit allem was sich bewegt

    Liebe Grüße aus Köln
    Manuela

  • Andrea

    Die beiden süßen Katzenbabies kommen aus unserem “Nest” und haben schon nach 5 Wochen ihre erste Maus von der Mutter bekommen und verzehrt… komplett!
    Danach folgte noch ein Kaninchen ohne Kopf, was auch ganz weggemümmelt wurde. Eine Ratte, ein Maulwurf und ein Vogel wurden verschmäht! Ansonsten ist Fertigkost angesagt, trocken und naß. Die Tatsache macht die Mutter faul. Wenn sie keine Jungen hat, fängt sie keine Mäuse – glaube ich… :-)
    Wir haben übrigens noch drei “Babies” abzugeben…
    Einen schönen Wochenstart und liebe Grüße…
    Andrea

    • Die beiden scheinen wirklich ausgezeichnete Jäger-Gene zu haben. Jetzt im Moment üben sie gerade abwechselnd von der Lehne des Bürostuhls in meinen Nacken zu springen. Klappt schon ausgezeichnet. Ich hoffe, ich kann Mailin irgendwie die ganzen Kratzer am Hals erklären ;-)

  • Den Hinweis auf den Wassernapf kann ich nur unterstützen. Unsere Katze “Félix” (trotzdem weiblich) hat sich zeitweise fast ausschließlich von dicken Feldmäusen ernährt, trotzdem hat sie ihren Menuplan mit Trockenfutter ergänzt.

    Den Platz für den Wassernapf hat sie selbst ausgesucht. Sie hat den ursprünglichen Standort am Fressplatz ignoriert – dafür ist sie ins Badezimmer gegangen, um aus der Duschwanne Wassertropfen aufzulecken. Seither steht der Wassernapf in der Duschwanne, und wird häufig genutzt.

    Jetzt, nach unserem Umzug in eine weniger (Feld-)mausreiche Gegend, dienen die verfügbaren Spitzmäuse mehr als Spielzeug denn als Nahrung. Man sagt, sie seien bitter. Habe sie allerdings bisher noch nicht probiert…

    Beste Grüsse und danke für den schönen Blog!
    Albert

  • Hallo von einer bislang nur stumm Mitlesenden! Kaninchen gab es hier, frisch gefangen, auch mal letztes Jahr, Mäuse sind mehr oder weniger regelmäßig auf dem Tagesplan. Das Fertigfutter wird trotzdem gerne gegessen, seit kurzem kommt das auch nicht mehr aus dem Supermarkt, sondern ist eine Mischung aus diesem und dem Trockenfutter von Acana. Wenn man sich in Katzenforen schlaulesen will, ist man hinterher ja dümmer als vorher, denn manche verteufeln Trockenfutter total, andere wiederum Nassfutter. Ich denke mal, wenn man ein Futter gibt, dass nicht nur zu 5 Prozent aus tierischen Nebenerzeugnissen und sonst nichts besteht sondern auch Fleisch enthält und keinen Zucker und kein oder kaum Getreide, ist das nicht schlecht für die Katze. Und zu der Milch, die laut diverser Foren zum baldigen Tod der Katze führt: einer unserer Kater bekommt seit Jahren regelmäßig den übriggebliebenen Milchschaum von unserem Kaffee, und es schadet ihm offensichtlich in keiner Weise. Der neue kleine Kater trinkt vorzugsweise Wasser aus dem laufenden Wasserhahn :-)
    Viele Grüße, Barbara

  • Steffen

    Das ist auch ein ziemlich schwieriges Thema. Wenn die Katzen draußen leben und man wohnt in einer ländlichen Gegend gibt es genug Mäuse und das Problem ist gelöst. Wenn nicht, stellt sich die Frage ob man “barft” oder nicht. Ab und an findet man ein paar hilfreiche Tipps (wie hier http://www.prima-tierfutter.de/blog/2011/10/welches-katzenfutter/ ) aber das schwierigste ist ja, dass sich die meisten der “Experten” anscheinend dauerhaft zu wiedersprechen scheinen.

  • Sandra

    Meine Katzen sind Allesfresser. Ich habe noch nicht herausgefunden, was sie nicht mögen. Ich dachte eigentlich immer nur Hunde betteln, aber meine sind sobald man etwas Essbares in der Hand hat, hinter einem her. Gemüse, Obst, Brot, die mögen alles.
    Sie jagen Mäuse und bekommen auch Trockenfutter in ausreichender Menge, aber die Beiden sind wie ein Fass ohne Boden. ;-)

    Ich bin sehr überrascht, dass Katzen schon mit 10 Wochen so flink sind, dass sie Mäuse fangen können. Wirklich süße Miezies.

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