Hühner halten für gesetzestreue Bürger

Hühner bei der Goji-Pflanze

Hühner im Auslauf

Seit gut einer Woche laufen bei uns elf herzerfrischend süße Hühner herum. Echt entspannend, denen beim Picken zuzusehen. Aber warte mal – wir leben in Deutschland. Bevor man hier Hühnern beim Picken zusieht, sollte man lieber erst mal die Gesetzeslage prüfen.

Meldepflicht

Das ist wie beim Einwohnermeldeamt – Hühner müssen sich behördlich anmelden. Im Einzelnen regeln das Paragraph 71 des Tierseuchengesetzes sowie Ausführungsgesetze der Länder (in Niedersachsen z.B. Paragraph 14 Absatz 3 des Niedersächsischen Ausführungsgesetzes zum Tierseuchengesetz). Außerdem müssen Hühner in den meisten Bundesländern auch bei der Tierseuchenkasse gemeldet werden.

Hier bei uns im Landkreis Verden reichte ein Anruf beim Veterinäramt um die Formalien zu klären. Der überaus freundliche Mitarbeiter erklärte mir die Hintergründe und schickt uns nun die nötigen Formulare für beide Anmeldungen. Für die Mitgliedschaft in der Seuchenkasse wird ein jährlicher Betrag von zehn Euro fällig. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann können wir die nötige jährliche Wiederholung der Meldung bei der Seuchenkasse in Zukunft online erledigen.

Tierschutz

Eigentlich sagt der zweite Satz in Paragraph 1 des Tierschutzgesetzes alles, was man zu diesem Thema wissen muss; Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.

Leider legt schon das Tierschutzgesetz selbst die “vernünftigen Gründe” recht großzügig aus. Genaueres zur Haltung von Legehennen findet sich dann in Abschnitt 3 der “Verordnung zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und anderer zur Erzeugung tierischer Produkte gehaltener Tiere bei ihrer Haltung

Das meiste in dieser Verordnung scheint mir mehr als selbstverständlich zu sein. Unter anderem steht dort: “alle Legehennen müssen artgemäß fressen, trinken, ruhen, staubbaden und ein Nest aufsuchen können“. Ich hoffe, dass das wirklich in allen professionellen Hühnerställen der Fall ist. Aber auch private Halter sollten sich diese Verordnung durchaus mal durchlesen. Ich bin nämlich nicht sicher, ob alle Hühnerställe den Anforderungen tatsächlich voll genügen (vorgeschriebene Fenstergröße, Lüftung etc.).

Was wahrscheinlich auch nicht jedem Hobby-Geflügelhalter klar ist – Paragraph 4 regelt: “Wer Nutztiere hält, hat unverzüglich Aufzeichnungen über das Ergebnis der täglichen Überprüfung des Bestandes sowie alle medizinischen Behandlungen dieser Tiere und über die Zahl der bei jeder Kontrolle vorgefundenen verendeten Tiere, insbesondere über Anzahl und Ursache von Tierverlusten, zu führen.” In Paragraph 14 wird das noch einmal für Hennenhalter verfeinert: “Wer Legehennen hält, hat über deren Legeleistung unverzüglich Aufzeichnungen zu machen.

Auf deutsch bedeutet das, man ist verpflichtet ein Bestandsbuch zu führen. Vordrucke dafür gibt es zum Beispiel bei hühner-info.de zum herunter laden.

Impfpflicht

Aufgrund der Geflügelpest-Verordnung müssen Hühner regelmäßig alle drei Monate gegen die Newcastle Krankheit geimpft werden.

Nachbarschaftsrecht

Hähne können einen ganz schönen Krawall machen. Ob sie das auch dürfen hängt stark davon ab, wo sie leben. Auf dem Lande gelten etwas großzügigere Regeln als in der Stadt oder in ausgesprochenen Wohngebieten.

Grundsätzlich sollte man natürlich versuchen sich mit den Nachbarn zu verständigen bevor es zum Streit kommt. Sollte es doch zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen, dann kann man davon ausgehen, dass der Lärmpegel in der Zeit von sieben Uhr Abends bis acht Uhr Morgens deutlich gedämpft sein muss. Zum Teil gibt es aber auch Gerichtsentscheidungen, die das Krähen während der Mittagsruhe verbieten. Wenn der Hahn das nicht einsieht, muss er die Ruhezeiten leider im Stall verbringen.

Soweit so gut. Erst mal reicht’s mir jetzt mit den ganzen Gesetzen und Verordnungen. Wenn unsere Hennen so weit sind, dass sie Eier legen, gibt’s hier einen zweiten Teil mit Eier-Gesetzen und Eier-Verordnungen.

Weblinks:

7 Kommentare zu Hühner halten für gesetzestreue Bürger

  • Ich glaube nicht, das mein Schwiegervater sich an alle die Verordnungen hält, obwohl er ein ehem. Landwirt ist. Er wohnt auf dem Dorf und hat einen Hahn und 5 Hühner, die uns mit Eiern beglücken. Sie haben einen riesigen Auslauf (mit Zaun). Dort können sie scharren und Kuhlen zum Staubbaden bauen. Als ich letztens Kartoffeln ausgegraben habe, standen sie begeistert am Zaun in der Hoffnung auf einen Regenwurm. Das sind echt glückliche Hühner.

    LG Sigrun

  • Na servas, wie wir hier in Wien sagen! Da vergeht einem ja vor lauter Vorschriften jegliche Lust auf Hühnerhaltung! Trotzdem: Hätten wir genügend Platz, würden bei uns auch Hühner rumwuseln. Ich mag diese Federtiere einfach total gern.
    Viel Freude damit trotz all der Vorschriften!
    Liebe Grüße, Margit

  • Hallo Heiner,

    vielen Dank für die interessanten Informationen. Es gehört halt dazu, sich damit auseinanderzusetzen, wenn man Hühner halten möchte.
    Auch wenn es mitunter lästig ist…

    Liebe Grüße,
    Annika

  • Biene

    Hier auf dem Dorf halten dutzende von Leuten HühnerKeines der Tiere ist irgendwo gemeldet – so weit kommt das noch, das wüsste ich aber!
    Und dann am besten noch impfen … da kann ich mir ja gleich den Chemie Dreck aus dem Laden kaufen.

    • Tja, so ist nun mal die Gesetzeslage. Das entsprechende Bußgeld kann bis zu 25.000,00 Euro betragen ;-) Ich persönlich habe unsere Hühner übrigens sehr gerne angemeldet, weil ich jetzt wenigstens mitbekomme, wenn mal wieder ein Auslaufverbot erlassen wird. (Da gibt’s auch Bußgelder für Zuwiderhandlungen)

      Zum Impfen muss man sagen, dass die Newcastle Krankheit extrem (wirklich äußerst extrem) ansteckend ist. Ich möchte lieber nicht in Deiner Haut stecken, wenn sich heraus stellt, dass Du für so eine Epidemie in Deiner Region verantwortlich bist.

  • G.G.

    Welche Gesetze/Urteile erlauben in Mietergarten die Haltung von Seidenhuhn-Hennen u wieviele?

    Die Dinge um Tiergesundheit sind festgelegt und überall gut nachlesbar u natürlich einzuhalten.

    “Ist mir zu helfen?”

    • Um das gleich noch mal klarzustellen, ich bin kein Rechtsgelehrter sondern Hühnerhalter.
      Mein Gefühl sagt mir aber, dass die Haltung von Haustieren in Mietergärten nichts ist, was gesetzlich geregelt ist. Da dürfte vor Allem der Mietvertrag relevant sein.

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