Eine neue Kette für die Kettensäge

Demnächst müssen wir wieder in den Wald um Brennholz zu sägen. Deshalb werden wir unserer nicht mehr ganz taufrischen Kettensäge (einer Stihl 026) in diesem Jahr zwei neue Ketten spendieren. Aber was für Ketten brauchen wir da eigentlich?

Typenbezeichnung

Typenbezeichnung auf der Führungsschiene

Auf dem original Schwert (der Führungsschiene für die Kette) unserer Säge gibt es einige kryptische Informationen, die ich hier mal entschlüsseln möchte.

Die Zahl “3003 000 6813″ ist offenbar einfach die Typenbezeichnung für dieses spezielle Schwert der Firma Stihl. Aber die anderen Zahlen enthalten tatsächlich Informationen für den Kettenkauf. Im einzelnen erfährt man da die Schnittlänge, die Teilung, die Anzahl Triebglieder und die Triebgliedstärke.

Bei der Angabe zur Schnittlänge der Säge muss man etwas aufpassen. Hier ist nicht die Länge des ganzen Schwertes angegeben, sondern der Abstand von der Schwertspitze bis zum Motorblock. Logischerweise ist die Schwertlänge ausschlaggebend für die Länge der benötigten Kette. Trotzdem sollte man für die richtige Kettenlänge lieber die Anzahl Triebglieder zu Rate ziehen.

Sägekette

Sägekette, zwei Schneidglieder, drei Verbindungsglieder, vier Triebglieder

Die Kettenglieder mit einer Ausbuchtung nach unten bezeichnet man als Triebglieder. Über diese Glieder wird die Kette vom Motor angetrieben. Auf der Typenbezeichnung gibt es ein kleines Symbol eines Triebgliedes mit einer daneben stehenden Zahl. Auf unserer Säge steht dort die Zahl 67. Damit ist gemeint, dass die passende Kette ganz genau 67 Triebglieder haben muss. Also nicht 67 Glieder, sondern 67 Triebglieder. Wenn man die Länge der Kette nicht anders ermitteln kann, dann muss man einfach nur die Anzahl Triebglieder an der alten Kette zählen.

Die etwas schlecht zu entziffernde Zahl 325 auf dem Typenschild bedeutet, dass die Kette eine Teilung von 0,325 Zoll hat. Das heißt, der Abstand von einem Nietbolzen zum nächsten Nietbolzen beträgt bei einer neuen Kette 0,325 Zoll oder 8,25 Millimeter. Wenn man diesen Abstand messen möchte, dann sollte man am besten den Abstand zwischen drei Bolzen messen und das Ergebnis durch zwei teilen. Bei einer ausgeschlagenen Kette ist dieser Abstand aber meist einiges weiter als bei einer neuen Kette. Gebräuchliche Kettenteilungen bei Sägeketten sind 3/8 Zoll (9,32mm), .325 Zoll (8,25mm) und .404 Zoll (10,26mm).

Die Zahl oben rechts auf der Typenbezeichnung hinter dem U-förmigen Symbol bezeichnet schließlich die Triebgliedstärke, bzw. die Breite des Kanals in der Führungsschiene, in der die Triebglieder geführt werden. Üblicherweise findet man hier Werte vom 1,1mm, 1,3mm, 1,5mm oder 1,6mm.

Die letzte wichtige Information für den Sägekettenkauf steht nicht auf dem Schwert – die Form der Zähne. Gebräuchlich sind vor allem der Vollmeißel und der Halbmeißel. (Obwohl man im Internet sehr häufig die Bezeichnung Voll-/Halbmeisel findet, habe ich beschlossen, dass Vollmeißel/Halbmeißel richtig ist. Ich hoffe, ich oute damit nicht eine respektable Vollmeise ;-)

Vollmeissel und Halbmeissel

Vollmeißel und Halbmeißel

Der Unterschied ist in Worten etwas umständlich zu erklären, deshalb habe ich mich mal künstlerisch betätigt. Die Grafik soll links einen Vollmeißel und rechts einen Halbmeißel darstellen. Der Vollmeißel hebt immer einen Span in voller Breite ab. Seine Zahnschaufel ist gerade.

Dagegen ist die Zahnschaufel beim Halbmeißel auf einer Seite abgerundet. Dadurch hebt er keinen Span in voller Breite ab. Der nächste Zahn auf der Kette (der ja anders herum angebracht ist) hebt die andere Hälfte des Spans ab. (Sag ich doch, dass ist in Worten etwas umständlich zu erklären.)

Die Vollmeißelketten haben einen geringeren Schnittwiderstand und sie schneiden bis zu 20 Prozent schneller als Halbmeißelketten. Wegen dieses aggressiven Schneidverhaltens reagiert die Säge aber insgesamt viel ruppiger. Das Einstechen ins Holz ist viel schwieriger und die Säge neigt stärker zum Rückschlag.

Halbmeißelketten reagieren längst nicht so sensibel auf Verschmutzung. Kleinere Fehler beim Schärfen sind auch nicht so tragisch. Vollmeißelketten lassen sich dagegen ohne Schärfgerät kaum sauber schärfen. Alles in allem sollte man als Amateur also eher auf Halbmeißelketten setzen.

Übrigens heißen die Ketten bei Stihl “Rapid Micro” (Halbmeißel) bzw. “Rapid Super” (Vollmeißel).

Siehe auch:

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2 Kommentare zu Eine neue Kette für die Kettensäge

  • Axel Birndt

    Hallo Heiner,

    auch wenn dieser Beitrag schon wirklich recht alt ist, möchte ich dennoch eine Anmerkung zum Kettenschärfgerät loswerden.

    Das Gerät heißt:

    Kettenschärfgerät MAXX halbautomatisch MAX 245,00 EUR

    Dieses Gerät hat den großen Vorteil, dass die Zähne von außen nach innen geschliffen werden und sich damit an der Außenseite der Zähne kein Grat bilden kann. Ich habe dieses Gerät selbst und bin damit wirklich sehr zufrieden.
    Für mich hat es sich selbst mit ca. 20RM Holz pro Jahr gerechnet, das Geld für dieses Professionelle Gerät auszugeben, nach der einfachen Rechnung:

    1x Vollmeißelketten schärfen lassen kostet ca. 6€
    Nach ca. 1h / 1 Tankfüllung Kette wechseln & schärfen oder öfter, wenn man in den Dreck gekommen ist. Dann ist die Kette zwar noch nicht komplett stumpf, und noch nicht abgenutzt, aber wenn man dann weiter sägt, muss man beim Schärfen viel zu viel Material an den Zähnen abtragen, damit wieder alle gleichmäßig geschärft werden können. Außerdem kann mit diesem Gerät der Höhenbegrenzer sauber geschliffen werden. Dies muß man ohnehin nach 3-4x Zähne schleifen ebenso machen.
    So hat sich das Gerät bereits nach 42x Kette schärfen amortisiert.

    Gruß Axel Birndt

    • Ich rechne mal dagegen: Soweit ich mich erinnere kostet das Stihl Schärfset incl. Tasche so ca. 20 Euro. Bei uns hält es jetzt schon seit einigen Jahren. Wenn ich richtig rechne, dann betragen die Kosten damit pro Schärfung …

      Nein im Ernst. Mir macht es sogar Spaß im Wald zwischendurch ein bisschen zu verpusten und die Säge mit der Hand zu schärfen. Mit etwas Übung (wirklich nur etwas) geht das fast genau so schnell wie das Wechseln der Kette. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit Halbmeißelketten unterwegs bin. Angeblich sollen Vollmeißelketten ja schwerer zu scharfen sein.

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