Feuchtigkeitsgehalt des Bodens messen

Bei der automatischen Regelung für unser Zimmergewächshaus – ach nein, das Zimmergewächshaus heißt ja jetzt Growbox – jedenfalls hätte ich gerne auch automatisch die Bodenfeuchtigkeit in den Anzuchtschalen erfasst. Leider ist das nicht ganz so einfach, wie man es sich zunächst vorstellt. Obwohl ich begründete Zweifel hatte, dass man die Bodenfeuchtigkeit sinnvollerweise über den elektrischen Widerstand der Erde messen kann, habe ich mir im Rahmen einer anderen Bestellung auch gleich so einen Feuchtigkeitssensor mitbestellt. Der hat mich inklusive Versand aus China sage und schreibe zwei Euro dreiundzwanzig gekostet.

Versuchsaufbau

Versuchsaufbau

Wie gesagt, ich hatte Zweifel. Also habe ich den Sensor erst mal eingehend getestet. Den Testaufbau sieht man auf dem Foto: Ich habe einen Topf mit Anzuchterde eine Nacht lang in Wasser gestellt, damit sich die Erde ordentlich voll saugen kann. Nachdem das überschüssige Wasser nach einigen weiteren Stunden abgetropft war, wog der Topf 475 Gramm. Mit völlig trockener Erde hatte er noch 295 Gramm gewogen, also hatte er 180 Gramm Wasser aufgenommen.

Nun begann der eigentlich Test. Der Topf trocknete im Laufe der nächsten Tage langsam aus. Zum Ende des Tests war die Erde durchaus noch feucht (Wassergehalt immer noch 105 Gramm) Allerdings bewegte sich die Anzeige des Sensors schon seit mehreren Tagen am oberen Ende der möglichen Skala.

Hier erst mal ein Diagramm der gemessenen Werte: Die blaue Linie und die linke Skala beziehen sich auf den Wassergehalt; die rote Linie und die rechte Skala beziehen sich auf den vom Sensor gelieferten Wert; die Skala der x-Achse bezieht sich auf die Zeit (die durchgezogenen Hilfslinien entsprechen jeweils zwölf Uhr Mittags).

Versuchsergebnis

Versuchsergebnis

Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd. Der Verlauf der Messwerte weicht stark vom Verlauf des Wasserverlustes ab. Insbesondere nach fünf Tagen, als die Erde noch sehr feucht war, steigt der Messwert plötzlich stark an. Nach sieben Tagen war er fast schon beim Maximalwert (1024) angelangt. Auf diesem Niveau blieb er dann bis zum Versuchsende am zwölften Tag.

Sensor

Korrodierter Sensor

Dieses Ergebnis reicht eigentlich schon, um diese Sensoren für ernstzunehmende Anwendungen zu disqualifizieren. Dazu kommt aber auch noch, dass der Sensor während des Tests korrodiert ist. Dem Augenschein nach handelt es dabei sich um oxidiertes Kupfer. Das würde den Pflanzen sicherlich nicht besonders gut bekommen.

Grünspan kann man relativ leicht vermeiden, wenn man Goldkontakte oder wie in einem älteren Versuch Edelstahl verwendet. Ein weiteres Problem, nämlich der Stromfluss im Wurzelbereich der Pflanzen während der Messung lässt sich dagegen nicht vermeiden. Inwieweit elektrischer Strom im Wurzelbereich tatsächlich schädlich für die Pflanzen ist, ist offenbar noch umstritten. Förderlich ist er jedenfalls nicht.

Siehe auch:

1 Kommentar zu Feuchtigkeitsgehalt des Bodens messen

  • Ehler

    hallo Heiner! Patina ist doch etwas Edles.Und der Kupferpreis ist nicht zu verachten.Ich weiß,du machst den chinesischen Kindern die diese Apparatur zusammengebaut haben keine Vorwürfe.Zum Glück können wir alle mit viel Bauch und Herz unsere Beete sprießen lassen.

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