Die Schuffel, das unbekannte Wesen

Nein, nicht Schaufel, Schuffel!

Gestern waren wir kurz in einem nahe gelegenen – tja, wie nennt man sowas eigentlich – Restpostenmarkt. Unter anderem wurden dort massenweise billige Gartenwerkzeuge und -geräte angeboten. Sowas ist für mich immer so, als ginge ich mit nüchternem Magen in einem sehr großen Lebensmittelladen spazieren.

Neues Werkzeug, vorn in der Mitte eine Schuffel

Hier also unsere neuesten Garten-Gerätschaften. Ich hoffe denen wird es nicht ebenso ergehen, wie unserem Rasenkantenstecher. Den haben wir (soweit ich weiß) noch niemals benutzt.

Das ganze Sortiment hat etwas über sieben Euro gekostet, wobei der Besen noch den größten Anteil hatte. Für diesen Preis würde man normalerweise noch nicht einmal eine Schuffel bekommen, die kostet hier bei Amazon nämlich alleine schon knapp zwölf Euro.

Bis gestern kannte ich übrigens weder den Begriff Schuffel, noch hatte ich die geringste Ahnung, was das wohl sein könnte. Laut Hersteller eignet sich die Schuffel zum “Jäten durch einfaches Stoßen und Ziehen, idealerweise auf leichten, sandigen Böden“. Aha, es handelt sich dabei also um eine Kombination aus einer normalen Zieh-Hacke und einer Stoß-Hacke (Abzieher, Rübenjäter, Dutch Hoe).

Frisch geschuffelter Gartenboden

Zufällig haben wir im Garten gerade ein paar Unkräuter – also gleich mal ausprobieren: Um ehrlich zu sein ist mir persönlich das ganz normale Hacken wesentlich lieber als dieses hin und her geschuffele. Das mag aber daran liegen, dass ich mit der normalen Hacke schon so manchen Kilometer Zuckerrüben vereinzelt habe. An den Umgang damit habe ich mich wohl einfach gewöhnt.

Meiner Ansicht nach hat man beim Stoßen der Schuffel keine so gute Kontrolle über das Gerät wie beim Ziehen einer Hacke. Andererseits sieht das Ergebnis aber nicht schlecht aus. Die Schuffel gleitet leicht oberflächlich durch den Boden und schneidet dort die aufgelaufenen Samenunkräuter gut ab.

Im englischsprachigen Raum sind Stoßhacken wesentlich verbreiteter als unsere Ziehhacken. Hier zum Beispiel ein Foto in der englischsprachigen Wikipedia: Dutch Hoe. Man benutzt die Stoßhacke, indem man rückwärts durch die Reihen geht und dabei den Boden mit einer stoßenden Bewegung bearbeitet. Das hat den Vorteil, dass man nicht über den frisch gehackten Boden laufen muss.

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18 Kommentare zu Die Schuffel, das unbekannte Wesen

  • Sisah

    Es gibt sie also doch auf dem Markt. Ein sehr interessanter Beitrag…ich kenne das “Schuffelwesen” aus der Gartenarbeitsschule , die ich manchmal mit meinen Schülern besuche. Dort wurden sie in Eigenarbeit selbst hergestellt, die Dinger waren messerscharf. Schon immer wollte ich so etwas für den eigenen Garten, habe aber bisher nie etwas Äquivalentes gefunden!
    LG
    Sisah

  • Echt ein Ding, dass ich (genau wie die Wikipedia) noch nie etwas von der Schuffel gehört hatte.

    Je mehr ich drüber nachdenke, desto sinnvoller kommt mir dieses schuffeln vor. Ich muss mich mal zwingen etwas länger mit dem Teil zu arbeiten, vielleicht gewöhne ich mich ja doch noch dran.

  • Sisah

    Das Schuffeleisen von Gardena habe ich mir schon mal angesehen, das war ungeschliffen und nicht zu vergleichen mit den Geräten, die ich gesehen habe, die richtig scharf (und gefährlich) waren. Ich würde gerne so ein Gerät haben, allerdings nicht von den dir angegebenen Firmen. Hast du eine Ahnung ,wer solche Dutch hoes in Deutschland anbietet?

    • Tinus

      Die Frage nach einer guten Schuffel liegt Jahre zurück, ist wahrscheinlich nicht mehr relevant, ich hinterlasse trotzdem mal den Hinweis, wo man ganz wunderbare Gartengeräte und eben auch eine echte Schuffel bekommt. Biogartenversand.de
      Nein, ich bin dort weder beschäftigt, noch verwandt. :-)
      Ich kaufe da nur sehr, sehr viel ein, Quali 1A, tolle Auswahl, nicht nur von Geräten.

  • Unser Teil von Wolf-Garten ist ebenfalls nicht sehr scharf. Ich werde es heute gleich mal etwas mit der Flex bearbeiten. Ich liebe ja eigentlich Hacken mit diesen sehr dünnen auswechselbaren Klingen aus Federstahl, wäre schön, wenn es sowas auch als Schuffel gäbe.

    Ich glaube ich werde mich demnächst mal etwas in das Thema “Die Hacke und das Hacken” einarbeiten. Könnte sein, dass ich da bisher zu einseitig drüber gedacht habe.

    Wenn Du bei Google “Dutch hoe” eingibst und dann die Bildersuche aktivierst, dann findet man da verschiedene Quellen. Soweit ich gesehen habe ist auch wieder Gardena und Wolf-Garten dabei.

  • Sisah

    Danke, Heiner….auswechselbare Klingen aus Federstahl??? Ja, würde mich freuen, einen Artikel zum Thema hier bei dir lesen zu können. So fand ich deinen Schneckenartikel gerade deshalb so prima, weil du wunderbar recherchiert hattest und etliche mir bisher unbekannte Links ausgegraben hattest…deshalb nahm ich an, ich könnte mir auch diesmal eigene eigene Recherche ersparen ;-)

  • Hmm, ob Federstahl die offizielle Bezeichnung ist weiß ich gar nicht. Ich meine genau die Klingen, die Du dir für Deine Schuffel ausgesucht hast – sehr dünn und federstahl-artig hart. Solche Klingen muss man kaum nachschärfen. Schreiben die in dem Shop zu deiner Schuffel ja auch – selbstschärfend.

  • Mailin

    Also ich muß jetzt doch etwas schmunzeln. Heiner wollte die Schuffel nämlich eigentlich gar nicht haben, aber das Teil war so dermaßen billig, dass ich es einfach in den Einkaufswagen gelegt und gesagt habe: wer weiß, wofür man das Ding noch mal gebrauchen kann ;-)

    lg Mailin

  • Sisah

    @Mailin: So hätte ich auch gehandelt,wenn es Schnäppchenpreise sind. Habt ihr inzwischen versucht, sie anzuschleifen?
    LG
    Sisah

  • Mailin

    Sisah, bei 1,49 Euro brauchte Frau nicht lange überlegen, lach. Angeschliffen haben wir die Schuffel leider noch nicht. Mal sehen, ob es an diesem Wochenende klappt.

    lg Mailin

  • Gestern im Botanischen Garten haben wir noch eine weitere Hacken-Variante kennen gelernt, und zwar den Pendeljäter (auch Pendelhacke). Das ist ein schuffel-artiges Gerät (also Stoß- und Zughacke in einem), bei dem das Blatt aber um ein paar Grad hin und her pendeln kann. Wir haben die beiden Gärtner sofort ordentlich von der Arbeit abgehalten und sie zu dem Thema interviewed – sie sind von dem Pendelding begeistert und finden es zur oberflächlichen Bearbeitung der Sandwege und anderer Flächen viel besser als eine Hacke oder eine Schuffel.

  • Framil

    Ich kenne die Schuffel unter dem Namen Stieger. Sehr effizient. Leider habe ich auf dem Markt noch nichts richtig gutes gefunden, d.h. die meisten Geräte verbiegen sich oder brechen irgendwann mal ab, wenn solche Sachen wie kleine Buchsbäume oder Ausläufer von den Pflaumenbäumen (abgesehen von Steinen und Zaunspfählen) im Weg sind. (Seit zwei Jahren hat ein Schmied das Problem für mich behoben. Das von ihm gefertigte Gerät ist zwar nicht mehr rasiermesserscharf aber es hat weder Scharten noch ist es verbogen.)

  • Thomas Weber

    Die Schuffel ist bei uns in Werder Havel ein sehr bekanntes Gartengerät-
    Das liegt wohl daran, daß unser Boden fast wie Seesand ist.

  • Peter

    Manufactum bezeichnet ja die Pendelhacke als “Schweizer Pendelhacke”, und das völlig zurecht. Sie ist tatsächlich Standard in fast jedem Schweizer Garten und ich wäre echt aufgeschmissen ohne dieses praktische Ding. Die Klinge kann einfach geschärft werden, ich mache es einmal pro Jahr, das reicht.

    • Warte, ich glaube die Pendelhacke funktioniert noch etwas anders als die Schuffel. Das Blatt pendelt beim Hacken tatsächlich hin und her. Es hat dann immer einen günstigen Anstellwinkel zum Boden.

      So eine Pendelhacke habe ich mal bei einer Plauderei mit einem Gärtner im Botanischen Garten Bremen ausprobiert. Er was total begeistert von dem Teil und ich fand es eigentlich auch recht gut. Mein Problem ist, dass ich mich zu sehr an die Arbeit mit der normalen Hacke gewöhnt habe.

      Hier ein Foto, das ich damals aufgenommen habe:

  • Angie

    Wir haben ein Teil, das heißt hier Schuffel. Es ist aber etwas ganz anderes, als ihr hier beschrieben habt. Es hat ein luftbereiftes Rad und wird durch die Beete geschoben. Hinter dem Rad sind 2 Messer, die im Winkel gegeneinander stehen. Das geht so prima und schnell!!
    Leider weiß ich nicht, wie ich ein Foto einstellen kann.

    Ich bin auf diese Seite gestoßen, da mir ein Messer abgebrochen ist und ich nun Ersatz suche. Aber das Teil, wie ich es hier habe, hab ich nicht gefunden.

  • Frank

    Die Schuffel ist eine Sonderform der Hacke, welche allerdings mit schiebender bzw. ziehender Bewegung die oberste Bodenschicht durchschneidet und lockert. Unkraut wird dadurch effektiv reduziert, die Bodengare gefördert. Im Gegensatz zum Hacken ist der Einsatz der in Holland entwickelten Schuffel wesentlich kraftsparender. Je nach Dichte der Kulturen empfiehlt sich eine andere Schneidenbreite bzw. -form.

    Da die Vorredner scharfe und dauerhafte Schuffeln vermissen, unser Hinweis: raimund | Biogartenbedarf in Königstein führt eine Vielfalt an geschmiedeten, scharfen Schuffeln aus Edelstahl.

  • Eva

    Noch ein kleiner Beitrag zur Schuffel.
    Im Botanischen Garten haben wir sogenannte wassergebundene Wegedecken.
    Diese können leider auch gut verunkrauten.
    Hier ist die Schuffel das einzige sinnvolle und geeignete Werkzeug das Unkraut zu jähten und den Weg nicht komplett kaputt zu machen.
    Schöne Grüße von Eva

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