Frostschutzberegnung

Frostschutzberegnung

Frostschutzberegnung (Foto: Sinply Susan!)

Susan berichtet auf ihrem englischsprachigen Blog Sinply Susan! über die aktuelle Kälteperiode, von der offenbar auch Central Florida (Klimazone 9b) betroffen ist. Unter anderem zeigt sie das Bild eines Zitrusstrauchs, der über und über mit Eis bedeckt ist. Sein Besitzer versucht offenbar diesen Strauch durch eine wiederholte Frostschutzberegnung zu retten.

Aber wieso kann man einen Zitrusbaum vor dem Kältetod bewahren, wenn man ihn mit Wasser bespritzt?

Wenn Wasser vom flüssigen in den festen Aggregatzustand überführt wird (also gefriert), dann wird eine erhebliche Menge an Energie frei. Pro Liter Wasser sind das knapp 334 Kilojoule oder 80 Kilokalorien. Um sich eine Vorstellung zu machen – mit einer Energie von 80 Kilokalorien könnte man einen Liter Wasser von Zimmertemperatur auf 100 Grad erhitzen.

Es kann also tatsächlich sinnvoll sein, empfindliche Pflanzen durch eine Beregnung vor Frost zu schützen. Allerdings funktioniert das nur, wenn gleichzeitig eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent und wenig Wind herrscht. Anderenfalls kann die entstehende Verdunstungskälte sogar das Gegenteil bewirken. Und natürlich muss man die Beregnung fortsetzen, bis die Frostperiode vorbei ist, denn sobald alles Wasser gefroren ist, sinkt die Temperatur wieder.

Bei längeren Frostperioden, wie wir sie hier im Moment haben, kann Frostschutzberegnung einige Probleme nach sich ziehen. Bei dem Zitrusbusch auf Susans Foto hätte ich zum Beispiel große Bedenken, dass der ganze Busch zusammen bricht, weil er das viele Eis nicht mehr tragen kann. Außerdem vermute ich, dass das Ganze bei einsetzendem Tauwetter eine ziemlich matschige Angelegenheit wird.

Es ist zwar schade um unseren Lavendel und Rosmarin, aber ich denke wir werden hier lieber auf die Frostschutzberegnung verzichten. In unseren Breiten ist das wohl eher etwas um Apfelblüten vor vereinzelten späten Nachtfrösten zu schützen.

Übrigens, wenn man Eis auftauen möchte, dann muss man die vorher frei gewordene Energie logischerweise wieder zuführen. Man braucht also 334 Kilokalorien um einen Liter null Grad kaltes Eis in einen Liter null Grad kaltes Wasser zu überführen. Mit der gleichen Energie könnte man den Liter Wasser anschließend auf 80 Grad erhitzen. Vor einigen Tagen wurde auf Telepolis ein interessanter Artikel veröffentlicht, der sich damit beschäftigt, welche ungeheuren Energiemengen nötig waren, um das Eis der Pole und Gletscher so weit abzuschmelzen wie in den den vergangenen Jahren geschehen. Nicht auszudenken, wo diese Energie bleibt, wenn das nördliche Polarmeer in einigen Jahren im Sommer eisfrei sein wird…

Bildnachweis:

Das Foto erscheint hier mit freundlicher Genehmigung von Susan (Simply Susan!) und stammt ursprünglich aus ihrem Artikel Global What???

Weblinks:

5 Kommentare zu Frostschutzberegnung

  • perfectcircle

    das habe ich in den staaten auch mal gesehen und sehr gewundert :)
    jetzt bin ich schlauer ;)

  • Tatjana Muschlik

    Klingt ja verrückt, aber das ist Chemie. Hab das nie so richtig verstanden, aber anscheinend funktioniert es.

  • Naja, das ist natürlich eigentlich nicht Chemie, sondern Physik.

    Übrigens häufen sich hier mal wieder Kurz-Kommentare mit Absender-Links zu themenfremden und rein kommerziellen Webseiten. Nur der Vollständigkeit halber – solche Links lösche ich regelmäßig. Näheres zu unseren diesbezüglichen Regularien gibt es hier.

  • Hallo Heiner, das haben wir in den 70er Jahren so gemacht, wenn zur Zeit der Pfirsichblüte Nachtfröste angesagt waren. Dann lief auch mal über Nacht ein Sprenger, um die Blüten zu retten. Liebe Grüße Helga

  • Genau, hier in unserer Nähe im Alten Land wird das immer noch so gemacht um die Blüten vor Spätfrösten zu schützen. So einen vereisten Baum wie den, den Susan aufgenommen hat, habe ich allerdings noch nie gesehen. Ich hätte arge Bedenken, dass er einfach in sich zusammen bricht, wenn das Tauwetter einsetzt. Naja, die werden schon wissen was sie machen, offenbar ist das dort in Florida ein Zitrusanbaugebiet.

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