Moos im Rasen

Gelegentlich werde ich bei Gartenfragen um Rat gebeten. Die weitaus beliebteste Frage jetzt im Frühjahr lautet: “Was kann ich gegen das ganze Moos in meinem Rasen machen?” Und meine liebste Antwort darauf lautet: “Umgraben und Gemüse anbauen.”

Naja, als Nutzgärtner hat man gut reden. Wenn es nun mal unbedingt Rasen sein soll, dann ist Moos im Rasen natürlich manchmal tatsächlich ein Problem. Also, was kann man gegen das Moos im Rasen machen?

Gleich vorweg – die direkte Bekämpfung mit irgendwelchen Mittelchen ist keine nachhaltige Maßnahme. Solange der Grund für das verstärkte Mooswachstum nicht beseitigt ist, kommt es schnell wieder. Am Ende werde ich noch mal auf die direkte Moosbekämpfung eingehen.

Moos im Rasen

Moos im Rasen

Eigentlich ist die Sache ziemlich einfach. Gras kann sich recht gut gegen Moos behaupten. Wenn der Rasen trotzdem stark vermoost ist, dann liegt irgendein Pflegefehler vor. Und die Pflegefehler lassen sich meist leicht eingrenzen:

  • zu wenig Sonnenlicht
  • schlecht durchlüfteter Boden, Staunässe
  • Nährstoffmangel
  • Fehler beim Rasenschnitt

Zu wenig Sonnenlicht

Ich schrob schon mal an anderer Stelle: “Unter schattigen Bäumen wächst nun mal kein vernünftiger Rasen, punktausfertig.”

Genau so ist es! Um vernünftig wachsen zu können benötigt Gras mehrere Stunden vollen Sonnenschein. Und mit mehreren Stunden sind hier nicht zweieinhalb Stunden sondern eher mindestens sechs Stunden gemeint.

Auch spezielle Schatten-Rasenmischungen können nur begrenzten Erfolg bringen. Die Zusammensetzung der Arten im Rasen passt sich sowieso sehr schnell an die Umweltbedingungen an. Es gibt zum Beispiel eine Studie von Harald Nonn, in der eine Rasenmischung mit fünf Prozent Lägerrispe (Poa supina) im Schatten ausgebracht wurde. Schon nach einem Jahr hatte sich die etwas besser schattenverträgliche Lägerrispe gegen andere Arten deutlich durchgesetzt. Mit über 80 Prozent war sie zum Haupt-Bestandsbildner geworden.

Schlecht durchlüfteter Boden und Staunässe

Die Wurzeln der Gräser müssen atmen. Deshalb hemmt Staunässe und verdichteter, schlecht durchlüfteter Boden das Wachstum der Gräser. Das Moos kommt sehr viel besser mit diesen Bedingungen klar.

Unter der permanenten Grasnarbe kann der Boden natürlich nur schwer gelockert werden. Eine Methode ist allerdings das sogenannte Aerifizieren. Diese Methode wird häufig auf Golfplätzen, Fußballplätzen usw. eingesetzt. Beim Aerifizieren werden mit einem Aerifiziergerät mehrere Zentimeter tiefe Löcher in den Boden gedrückt. Häufig wird der Boden anschließend gesandet – die Löcher werden also mit groben Sand aufgefüllt um die Durchlässigkeit für Wasser zu verbessern.

Es gibt aber auch einige indirekte Maßnahmen, die die Durchlässigkeit des Bodens längerfristig verbessern.

  • Vertikutieren (oberflächliches Anritzen der Grasnarbe)
  • Topdressing (regelmäßiges aufbringen einer dünnen Sandschicht)
  • Kalken (Anregung des Bodenlebens, vor allem auch der Regenwürmer)

Als letzte Maßnahme bleibt Fräsen und Neuanlage des Rasens. Sehr feuchte Standorte müssen evtl. sogar dräniert werden.

Nährstoffmangel

Gras hat einen deutlich höheren Nährstoffbedarf als Moos. Bei Nährstoffmangel wird also langfristig das Moos die Oberhand gewinnen. Insbesondere wenn kein Mulchmäher eingesetzt wird, kommt es zu erheblichen Nährstoffverlusten durch das Schnittgut. Dieser Nährstoffverlust (ebenso wie weitere Verluste durch Auswaschung und gasförmige Emissionen) müssen regelmäßig ausgeglichen werden.

Häufig wird geraten, den Boden zu kalken um das Moos zurück zu drängen. So einfach ist es jedoch nicht. Gras wächst auch im leicht sauren Bereich sehr gut. Auf der anderen Seite lieben etliche Moosarten gerade die etwas höheren ph-Werte. Allerdings verbessert Kalk aber auch die Bodenstruktur und die Aktivität des Bodenlebens und damit seine Durchlässigkeit.

Fehler beim Rasenschnitt

Zu lang

Bei diesem Rasen in unserem Garten wurde mit dem Mähen zu lange gewartet ;-)

Rasen soll nicht zu kurz abgemäht werden. Das Gras kann sich dann nur langsam wieder erholen und das Moos kann sich in dieser Zeit ungestört entwickeln. Länger geschnittenes Gras beschattet den Boden und kann sich so besser gegen das Moos durchsetzen. Als optimal gilt eine Schnittlänge von vier bis fünf Zentimeter.

Der Rasen soll regelmäßig gemäht werden, damit das Gras nicht zu lang wird. Wenn längeres Gras gemäht wird, dann verliert es den größten Teil der frischen Blattfläche und erholt sich ebenfalls nur schlecht. Optimal ist es, wenn der Rasen wöchentlich nicht zu kurz gemäht wird.

Vermooster Rasen

Vermooster Rasen zwischen den Fahrspuren des Rasenmähers

In diesem Zusammenhang ist dieses Foto sehr interessant. Offensichtlich gibt es auf diesem Rasen leicht abgesunkene Fahrspuren des Rasenmähers. Das Moos ist aber nicht in den stärker verdichteten Spuren gewachsen, sondern hauptsächlich zwischen den Spuren. Das liegt vermutlich daran, dass das Gras dort etwa zwei Zentimeter kürzer geschnitten wird als in den Fahrspuren. Die größere Verdichtung spielt auf dem leichten Sandboden offenbar keine so entscheidende Rolle.

Direkte Bekämpfung

Moos wächst im Herbst und Winter wesentlich besser als das Gras. Deshalb erscheinen Rasenflächen im Frühjahr oft besonders vermoost. Wenn man sich entschließt dieses Moos direkt zu bekämpfen, dann sollten möglichst keine chemischen “Moosvernichter”, sondern der mechanische Vertikutierer eingesetzt werden.

Im Baumarkt bekommt man gerne den Rat dem Moos mit “Eisendüngern” zu Leibe zu rücken. Dazu gäbe es einiges zu sagen. Ich beschränke mich hier mal darauf, dass ein Düngemittel eben ein Düngemittel ist und kein Herbizid. Tatsächlich zugelassene Mittel zur Moosbekämpfung finden sich im Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. (Leider kann man nicht direkt auf die Suchergebnisse verweisen. Man muss also als Kultur “Rasen” und als Schadorganismus “Moose” auswählen).

Diese “Eisendünger” enthalten Eisen(II)-Sulfat. Eisen(II)-Sulfat ist giftig (LD50: 319 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht). Und Eisen(II)-Sulfat setzt in Verbindung mit Wasser Schwefelsäure frei. Wenn man es tatsächlich benutzt, dann ist das volle Schutzprogrmm angesagt – säurebeständige Schutzhandschuhe, Schutzanzug, Brille, Gesichtsmaske mit Atemschutz. Übrigens entsteht in Verbindung mit Wasser auch Eisenoxid. Um unschöne Rostflecken zu vermeiden sollte es also möglichst nicht auf gepflasterte Flächen gelangen.

Siehe auch:

Weblinks:

8 Kommentare zu Moos im Rasen

  • Micha

    Ein beliebtes Diskussionsthema auch in unserer Familie! Ich habe nichts gegen Moos im Rasen (zumal unser Garten an einigen Stellen recht schattig ist und dort eh kein Rasen wächst). Es ist schön grün und weich und immer noch besser als löchriger Rasen. Den Spruch mit dem Gemüse werde ich gerne aufgreifen :-)

  • Ehler

    moin Heiner! Ich mulche meinen Rasen jetzt schon seit ca 15 Jahren Ich kalke aber mehr. Und das ca. 30% mehr wie deine angegebene Höchstmenge.Das ständige mulchen macht den Boden sauer.Anderen Dünger setzt ich nicht ein.

  • Ich oute mich jetzt mal.
    Einmal wollte ich das Moos entfernen und war verblüfft von meinem abziehbaren “Moosrasen”. Abgehoben blieb darunter nämlich nur blanke Erde mit vereinzelt stehenden Grashalmen.
    Soll ich dir was verraten?
    Ich finde Moos unter den Füßen herrlich erfrischend, weich und belebend und habe mir so eine wunderschöne Moosfläche erhalten. Ja! Ich mag meinen Moosrasen auf dem sich nur Gänseblümchen dauerhaft durchsetzen.
    Es hat Vorteile:
    Man muss wenig mähen, er ist tritt- und spielfest, Vögel lassen sich herrlich beobachten wie sie ihr Nistmaterial zusammen suchen und es lässt sich toll darauf barfuß laufen ohne dass man auf Bienen oder Hummeln achten müsste. Außerdem bleibt es (bei mir) dauerhaft grün ohne großen Pflegeaufwand.
    Natürlich ist bei mir nicht der ganze Garten vermoost, das würde auch mir nicht gefallen, aber dem Charme mancher vermooster Ecken kann ich mich einfach nicht entziehen.
    Liebe Grüße

    Carola

    • Eigentlich stimme ich dir voll zu. Wir haben in unserem Gemüsegarten gar keinen Rasen und wir vermissen ihn auch nicht. Aber wenn man z.B eine Fläche für die Kinder zum Spielen braucht, dann ist Moos einfach nicht geeignet. Nach einem einzigen Fußballspiel ist das Moos weg und man hat nur noch Matsch.

    • Michael

      Naja, sicherlich hat Moos schon auch etwas gemütlich natürliches, aber zu manchen Gärten passt einfach ein gepflegter “englischer” Rasen von der Landschaftsarchitektur besser. Oder es ist einfach Rasen-Geschmacksfrage ;-) Habe letztes jahr mal vertiuktiert, quasi als Wundermittel. Dann blieb bei dem Rasen nicht mehr viel zu Rasenmähen übrig… ;-) Gibt aber mittlerweile Rasenmähr Roboter, die das abgeschnittene Gras gleich mulchen – meint ihr, das bringt etwas, dass die Rasenfläche schön bleibt, also wenn sie mal auf nem guten “Niveau” ist??

      grüße, Michael

  • Manfred

    Hallo Hobbygärtner,

    ich habe seit Jahren ein Problem mit einem schattigen Plätzchen unter unserem Apfelbaum.
    Habe auf einigen Seiten etwas dazu gefunden, aber auch nicht wirklich, wie ich Moos auf schattigen Stellen entfernen kann – dauerhaft!
    Hier: *** Link von Heiner gelöscht ***
    werden zwar ganz gut die anderen Problembereiche beschrieben, sowie auch bei euch, aber was kann ich speziell in meinem Fall tun?

    Vielen Dank für Eure Hilfe
    Manfred

  • Alex

    Hallo zusammen,

    wie Kräuterfraala und Heinz finde auch ich Moos im Rasen ganz hübsch. Wir haben eine kleine Rasenfläche im Garten. Die eine Hälfte besteht aus Moos, die andere Hälfte aus Rasen (mit ziemlich viel Unkraut muss ich zugeben). Wisst ihr, was ich tun kann, damit einfach überall Moos ist?

    Grüßle, Alex

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