Ursachen für gelbe Flecken im Rasen

Das ist auch nicht normal, oder? Mitte September 32 Grad und seit dem ständig warmes sonniges Wetter. Naja, kann offenbar mal vorkommen. Was mich daran stört ist, dass wir seit letzter Woche ein paar gelbe oder braune Flecken im Rasen haben.

Gelbe Stellen im Rasen

Gelbe Stellen im Rasen

Die Flecken könnte man jetzt natürlich einfach auf die Trockenheit und die hohen Temperaturen zurück führen. Und vermutlich war das auch tatsächlich der letzte Auslöser für diese Stellen. Allerdings fragt man sich, wieso der größte Teil des Rasens wunderbar grün ist. Irgendwas muss bei den gelben Flecken anders sein. Gehen wir doch mal die Gründe für gelbe und braune Flecken im Rasen im Einzelnen durch:

Sonnenbrand

Rasen kann Sonnenbrand erleiden. Allerdings kommt das in unseren Breiten eigentlich nur vor, wenn andere Umstände wie zum Beispiel unsachgemäße Düngung oder ein ungeeigneter Rasenmäher beteiligt sind. Unser Rasen wurde zuletzt im Frühjahr mit einem organischen Langzeitdünger gedüngt und der Automower schneidet das Gras eher als dass er es abschlägt.

Nebenbei bemerkt habe ich selbst es noch nie geschafft den sagenumwobenen Sonnenbrand durch den Linseneffekt von Wassertropfen auf irgendeiner Pflanze zu reproduzieren. Das mag natürlich an der Auslegung meiner Versuche liegen. Ich glaube allerdings eher, dass es sich bei diesem Effekt (zumindest in unseren Breiten) einfach um ein Gerücht handelt.

Lichtmangel

Das mit dem Licht ist eigentlich ganz einfach. Rasen schwächelt, wenn er nicht ausreichend beleuchtet wird. Im Vollschatten wächst Rasen überhaupt nicht, basta! Folglich haben wir hier nur auf Flächen Rasen, die wenigstens für einige Stunden am Tag volle Sonne bekommen. Daran kann es also nicht liegen.

Trockenheit

Eigentlich sollten ein paar Tage Trockenheit einem gut gepflegten Rasen nix ausmachen. Bei längerer Dürre sollte der Rasen dann allerdings gewässert werden. Ich schreibe hier extra “gewässert” und nicht gesprengt. Wenn man immer nur kurz den Rasensprenger einschaltet, dann kommen die Gräser gar nicht auf die Idee mit ihren Wurzeln tiefere Bodenschichten zu erschließen. Flach wurzelnde Gräser werden sich langfristig durchsetzten und die tief wurzelnden Gräser verdrängen.

Bei echtem Wassermangel sterben diese flach wurzelnden Gräser dann schnell ab. Richtig wässern bedeutet also den Rasen nur alle paar Tage, dann aber richtig für mehrere Stunden zu sprengen. Wenn man ein Marmeladenglas in den Bereich stellt, dann sollen sich darin nach dem Sprengen gut eineinhalb Zentimeter (15mm) Wasser befinden.

Der Trittest

Damit das Wasser nicht gleich wieder verdunstet, sondern tief in den Boden eindringt empfiehlt es sich übrigens früh Morgens (als so um drei oder vier Uhr) zu sprengen – guten Morgen auch ;-)

Um zu testen, ob der Rasen noch genug Wasser zur Verfügung hat, kann man einen Trittest machen. Dazu stellt man sich für 10 Sekunden auf eine Stelle und untersucht dann, ob sich das Gras an dieser Stelle nach wenigen Minuten wieder aufgerichtet hat. Bei uns war das der Fall.

Staunässe

Hier bei uns hat es in den vergangenen Monaten einige ungewöhnlich heftige Regenfälle gegeben. Staunässe kommt also als Grund für die braunen Flecken in Betracht. Eigentlich leben wir hier aber auf der Zevener Geest mit mächtigen, sehr durchlässigen Sandböden. Unter unserem Rasen findet sich keine Pflugsole und auch kein Ortstein. Auch nach starken Regenfällen sind auf dem Rasen nach kürzester Zeit keine Pfützen zu finden. Ein grundsätzliches Problem mit Staunässe liegt also bestimmt nicht vor.

Fahrspuren

Fahrspuren

Trotzdem ist es natürlich möglich, dass oberflächliche Verdichtungen dem Rasen geschadet haben. Mit etwas Fantasie kann man einige der betroffenen Stellen mit Spuren unseres alten Aufsitzmähers in Zusammenhang bringen. Allerdings sind nicht die Fahrspuren gelb geworden, sondern der Bereich zwischen den Spuren. Dazu weiter unten mehr.

Krankheiten

Rasen kann von etlichen Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel, verschiedenen Rostkrankheiten, Mehltau, Fusarium usw. usw. befallen werden. Auch bei näherer Ansicht konnte ich aber keinen größeren Befall mit einem dieser Pilze entdecken.

Nahansicht Noch näher

Bis vor kurzem hatten wir noch einen Hexenring im Rasen (den ich übrigens sehr hübsch fand). Sogar der scheint in diesem Jahr verschwunden zu sein. Soweit ich es einschätzen kann sind also auch Pilzkrankheiten nicht für die braunen Flecken im Rasen verantwortlich.

Tierische Schädlinge

Tierische Schädlinge können dem Rasen heftig zusetzen. Unter anderem sind da Engerlinge (Larven von Maikäfer, Junikäfer, Narshornkäfer usw.), Drahtwürmer (Larven von Schnellkäfern) und Tipula-Larven (Larven der Schnaken) zu nennen.

Tipula-Larven und Drahtwürmer sind in der Landwirtschaft unserer Gegend durchaus ein Problem. Engerlinge eher nicht.

Test auf Drahtwürmer und Tipula-Larven

Eine Möglichkeit heraus zu finden, ob der Rasen durch Larven geschädigt wird, ist es die Larven anzulocken. Tipula-Larven lockt man mit einem Brei aus Weizenkleie, Zucker und Wasser. Drahtwürmer lieben Kartoffeln.

Anlocken und Absammeln wären dann auch die Maßnahmen um die Larven zu bekämpfen. Insektizide zur Larvenbekämpfung sind auf Rasenflächen im Haus- und Kleingarten nämlich nicht zugelassen. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von parasitären Nematoden. Etwas unpraktisch scheint mir der Vorschlag den Rasen im Herbst zur Eiablage mit transparenten Folien abzudecken. Bringt aber bei uns alles nix, denn der Test hat ergeben, dass sich bei uns im Garten weder Tipula-Larven noch Drahtwürmer tummeln.

Zu den angeblichen Schäden durch Hundeurin und insbesondere zu deren Vermeidung durch australisches Lavagestein (DogRocks) kann ich nur sagen, dass ich das für Blödsinn halte. Weitere Ausführungen dazu erspare ich mir lieber, sonst hagelt es wohlmöglich Abmahnungen.

Überdüngung

Nicht selten ist eine falsche (insbesondere zu üppige) Düngung der Grund für braune Flecken im Rasen. Wir düngen im Frühjahr vorsichtig mit einem organischen Langzeitdünger. Deshalb denke ich, dass Überdüngung bei uns nicht der Auslöser für die Flecken sein kann. Auch Unterversorgung mit Nährstoffen halte ich eher für unwahrscheinlich, weil die grünen Bereiche keine offensichtlichen Anzeichen für Nährstoffmangel zeigen. Genaue Erkenntnisse könnte hier allerdings nur eine Bodenanalyse bringen.

Bearbeitungsfehler

Es gibt Rasenbesitzer, die ihren Rasen mehrfach im Jahr mit einem Vertikutierer, Aerifizierer oder so etwas quälen. Ich halte das nicht für besonders schlau. Eigentlich sollen durch das Vertikutieren Fehler im Rasen beseitigt werden. Das kann in Einzelfällen durchaus nötig sein. Danach muss aber an den Ursachen der Fehler gearbeitet werden. Ein rundum gesunder Rasen hat solche Fehler nicht und muss also auch nicht vertikutiert werden!

Fehler beim Mähen

Auch beim Mähen können Fehler gemacht werden, die das Absterben der Gräser fördern. Dazu gehört zum Beispiel das Zerrupfen der Halme durch total stumpfe Messer.

Richtig optimal sind natürlich (Hand)Rasenmäher mit Spindel. Die Messer dieser Mäher schärfen sich durch das Gegenmesser selbst. Die Halme auf dem Detailfoto weiter oben sehen zum Teil tatsächlich leicht zerrupft aus. Deshalb habe ich gleich mal wieder die Messer des Automowers gewechselt. Im Vergleich zu Halmen, die durch einen Aufsitzmäher mit rotierenden Schlägeln gemäht wurden sehen diese Halme aber immer noch gut aus.

Laut der Deutschen Rasengesellschaft (DRG) soll die Schnitthöhe zwischen dreieinhalb und fünf Zentimeter liegen. Im Schatten sogar zwischen vier und fünf Zentimeter. Sicherheitshalber habe ich noch mal nachgemessen. Bei uns kommt das etwa hin. Allerdings kann es sein, dass diese Schnitthöhe nicht immer ganz genau eingehalten wird, weil unser Rasen kleine Unebenheiten aufweist.

Und da komme ich wieder auf die Fahrspuren vom alten Aufsitzmäher zurück. Im Bereich der Spuren haben sich leichte Täler gebildet, in denen das Gras etwas länger ist als auf den Hügeln zwischen den Spuren.
Vermutlich wurde das Gras auf diesen Hügeln zu kurz abgemäht. Das dürfte zumindest eine Erklärung für die gelben Stellen am Rand sein. Leider erklärt das aber immer noch nicht die anderen Flecken. Die befinden sich nämlich nicht auf “Hügeln”. Sollte ich dafür noch eine Erklärung finden, werde ich berichten.

15 Kommentare zu Ursachen für gelbe Flecken im Rasen

  • Sabrina Görlach

    Oh so früh aufstehen um den Rasen zu sprengen? Och mensch wie soll man da aus dem Bett kommen?

  • Heuer hat es bei einer Schnitthöhe von 5 cm sehr gut funktioniert.
    Liebe Grüße
    Dani

  • Gartenfreund

    Hallo Heiner.
    das Thema, welches du hier ansprichst ist definitiv interessant. Wir hatten damals auch ein paar gelbe Flecken im Teppich.
    Jedoch nicht in dem Ausmaß wie bei dir. Das ist echt schon derbe.
    Da der Artikel nun schon einige Wochen her ist, nun meine frage: Hat sich denn schon was getan? (:

    Grüße

    • Gleich nach diesem Artikel hatten wir aufgehört zu mähen (war auch nicht mehr nötig, weil es herbstlich kalt wurde). Die gelben Stellen haben sich tatsächlich etwas erholt. Insbesondere ist zu sehen, dass sich die Gräser neu bestocken und von unten her nachwachsen – sie sind also nicht gestorben.

  • Daniel

    Wow, das kann ja echt viele Gründe haben. Man muss eben auf einiges achten…

  • Frida

    Danke für den tollen Tipp, hatten dieses Problem auch schon das eine oder andere mal und wussten uns nie ganz wie zu helfen :)

  • Hannes Dreher

    Hallo,
    danke für diese Hinweise. Ich habe selbst in meinem Garten in letzter Zeit einige gelbe Flecken und wusste nicht, wo sie herkommen. Nun habe ich aber den Durchblick. Danke.

    Grüße
    Hannes

  • Rasentrimmer

    Wow! Respekt, war bestimmt viel Mühe diesen Artikel zu schreiben, wirklih sehr gut und ausführlich!

  • Team Rasenwelt

    Hallo,

    wir tippen auf Pythium oder Anthracnose. Diese beiden Krankheiten treten häufig bei hohen Temperaturen am Tag und schon relativ niedrigen Temperaturen in der Nacht auf. Am ehesten wird es wohl Pythium sein.
    Da der Tau länger zum Abtrocknen benötigt, sind dann bei hohen Temperaturen ideale Bedingungen für die Krankheiten gegeben .
    Um Befall vorzubeugen, ist eine optimale Beregnungstechnik sehr wichtig.
    Eine Beregnung ist dann am Morgen besser, da der Bestand dann abtrocknen kann. Trockene Flächen erschweren dem Erreger das Eindringen in die Pflanze. Eine ausgewogene Düngung stärkt die Pflanzen und macht Sie vitaler gegenüber Krankheiten. Im Normalfall wächst der Rasen wieder durch. Sind die Flächen zu groß, sollte eine Nachsaat erfolgen.

    Mehr Infos auf http://www.meine-rasenwelt.de/rasenschaeden/rasenkrankheiten

  • Hallo, ein wirklich guter Beitrag – ich habe wieder etwas dazu gelernt. Danke!
    Mir gefällt dein Blog sehr gut – ich mache erst meine ersten Schritte als Bloggerin und bin gespannt, wie sich das alles entwickelt.

    lg
    McMarie

  • Tamara

    Ich habe letztes Jahr auch einen ziemlich fleckigen und unregelmäßigen Rasen bekommen. Da hilft mir dieser Beitrag wirklich weiter und ich hoffe, dass ich meinen Rasen jetzt dann im Frühling wieder auf Vordermann bekomme.

  • René

    Hallo,

    danke für die Informationen, jetzt wo es langsam richtig Frühling geht, wird es ja Zeit wieder an den eigenen Garten zu denken.

    So wie ich das verstanden habe, werde ich mich wohl darum kümmern müssen, dass die Schneidscheiben unseres Rasenmähers gespitzt werden. Hab das Gefühl die Qualität hat nach Jahren stark nachgelassen.

    Beste Grüße

  • Lasse

    Danke für diese sehr hilfreichen Tipps! Leider kenne ich das Problem in unserem eigenen Garten auch aus dem letzten Jahr, wenn es dieses Jahr wieder auftritt werde ich deine Tipps auf jeden Fall anwenden und beherzigen!

  • Wojcik

    In unseren Garten wenn es so ca. 5-6 Tage richtig warm ist, sind die Flecken zu sehen. Ich werde mal dieses Jahr die Tipps für Tierische Schädlinge ausprobieren. Ich wusste nicht, dass das auch von Schädlinge kommen kann.

  • Toller Eintrag, jetzt weiss ich wieder mehr.
    Bei uns im steinreichen Schweden sind gelbe Flecken im Rasen auch ein schöner Indikator wo die Riesenfelsen nahe an der Oberfläche verborgen sind. Das hat man im letzten, sehr trockenen Sommer wunderbare gesehen und diese Stellen zu markiert zu haben wird uns dieses Jahr die Beet-Anlegung erleichtern – nie wieder einen Haufen Arbeit in das Umgraben eines Beetes stecken, das sich auf einmal als nur 30 cm Erde auf anstehendem Stein entpuppt…

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