Rasen-Samenmischungen

Weil ich vorhin schon beim Thema Rasen war, gleich noch ein paar Worte zu Rasen-Samenmischungen im allgemeinen. Deren Zusammensetzung ist für mich schon lange ein Hort stiller Verwunderung. Was haben zum Beispiel frohwüchsige Weidegräser wie das Welsche Weidelgras (Lolium multiflorum), das Einjährige Weidelgras (Lolium multiflorum var. westerwoldicum) oder der Wiesenschwingel (Festuca pratensis) in einer Rasenmischung zu suchen?

Rasen Nutzungsarten

Rasen wird auf sehr vielfältige Art genutzt. Bei der Auswahl einer geeigneten Samenmischung sollte man sich daher entscheiden, wie man die neue Rasenfläche später nutzen möchte. Eine grobe Einteilung der Nutzungsarten könnte so aussehen:

  • Landschaftsrasen: Rasen, der seltener gemäht wird und neben Gras auch Blumen und Kräuter enthält bezeichnet man als Landschaftsrasen. Mit etwas gutem Willen könnte man die Grasflächen in unserem Garten als Landschaftsrasen bezeichnen. Zu manchen Zeiten ist er Blumenrasen, dann wieder Duftrasen und häufig auch einfach nur Wiese.
  • Nutzungsrasen: Rasen, der häufig betreten wird, oder der sogar speziell zum Betreten angelegt wird (Spielplatz, Fussballfeld, Parkplatz) bezeichnet man als Nutzungsrasen oder Gebrauchsrasen.
  • Zierrasen: Der Zierrasen soll einzig dem Auge dienen. Er wird wenig betreten, häufig gedüngt und ständig kurz gehalten.
  • Schattenrasen: Rasen wächst im Dunkeln nicht! Trotzdem gibt es natürlich Gräser-Arten, die im Halbschatten besser klar kommen als andere.

Übrigens passt sich jeder Rasen binnen weniger Jahre an die tatsächliche Nutzung an. Bei nutzungsgerechter Pflege vermehren sich besonders die Arten, die die spezielle Nutzung gut vertragen. Zusätzlich wandern binnen weniger Jahre andere Arten ein und verbleiben auch dort, wenn sie an die Nutzung angepasst sind. Interessant ist in dem Zusammenhang eine Studie von Harald Nonn. Bei diesem Versuch wurde unter anderem ein Schattenrasen mit einem Anteil 5 Prozent Lägerrispe (Poa supina) angelegt. Innerhalb eines Jahres entwickelte sich die Lägerrispe dank ihrer relativ guten Schattenverträglichkeit mit über 80 Prozent zum Haupt-Bestandsbildner.

Wie viele Arten müssen in einer Rasen-Samenmischung vorhanden sein?

Eine große Anzahl verschiedener Arten wäre aus ökologischer Sicht natürlich wünschenswert, für die eigentliche Nutzung des Rasen sind meist aber nur sehr wenige Gräser-Arten nötig. Wie viele Arten waren zum Beispiel auf den Rasenflächen der zwölf deutschen WM-Stadien bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 vertreten? Zwei! In allen Stadien wurde ein einheitlicher Rasen mit einem Viertel Weidelgras und drei Viertel Wiesenrispe ausgerollt.

Welche Arten soll eine Rasen-Samenmischung enthalten?

Ich hatte oben schon angedeutet, dass ich den Einsatz von bestimmten herausragenden Weidegräsern als Rasensamen für kompletten Quatsch halte. Es geht ja nicht darum, den Komposthaufen möglichst schnell voll zu bekommen. Die wichtigsten Arten zur Verwendung in Rasen-Samenmischungen sind wohl das Deutsche Weidelgras, die Wiesenrispe, der Rotschwingel und der Schafschwingel. Jede dieser Arten hat bestimmte Eigenschaften, die sie für bestimmte Nutzungsarten besonders geeignet erscheinen lassen.

  • Deutsches Weidelgras (Lolium perenne): schnellwüchsig, belastbar (Zierrasen, Gebrauchsrasen)
  • Wiesenrispe (Poa pratensis): strapazierfähig, dicht, dunkelgrün (Gebrauchsrasen)
  • Rotschwingel (Festuca rubra): anspruchslos, langsamwüchsig, verträgt tiefen Schnitt (Zierrasen, Gebrauchsrasen, Landschaftsrasen)
  • Schafschwingel (Festuca ovina): anspruchslos, pflegeleicht (Landschaftsrasen)

Bezeichnungen für Rasen Samenmischungen

Die Bezeichnung Berliner Tiergarten ist weithin bekannt und sagt leider eher wenig über die enthaltenen Samen aus. Weder die Zusammensetzung noch die Qualität der Samen ist genau definiert. Berliner Tiergarten muss also nicht, kann aber von minderer Qualität sein.

Ein genauer definiertes Regelwerk für Rasen-Samenmischungen gibt die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau jährlich unter der Bezeichnung Regelsaatgutmischungen (RSM) heraus. Inzwischen ist es auch in DIN 18917 verankert. Dieses Regelwerk schließt nicht nur Gras-Arten, sondern auch Sorten und  Standortfaktoren ein. Es umfasst inzwischen 36 verschiedene Varianten von Samenmischungen. Als Samenmischung für einen “allround” Gebrauchsrasen empfiehlt die BLW beispielsweise die Samenmischung RSM 2.3 “Gebrauchsrasen-Spielrasen”.

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