Thermogenese bei Pflanzen

Buchsbaum im Schnee

Buchsbaum im Schnee

Die Behauptung, dass Pflanzen – zum Beispiel das Schneeglöckchen – so viel Wärme erzeugen, dass sie sich selbst einen Weg durch Eis und Schnee schmelzen können, geistert schon lange in den einschlägigen Foren herum. Und bei dem Foto der kleinen Buchsbäume, die wir im vergangenen Jahr gepflanzt hatten, könnte man durchaus annehmen, das da tatsächlich etwas dran ist.

Man glaubt ja gar nicht, welches Streitpotential sich an so einer simplen Frage manifestieren kann. Im Forum von garten-pur gibt es zu diesem Thema zum Beispiel einen ellenlangen Fred – zur Zeit neun Seiten plus weitere fünf Seiten, die von den Moderatoren (aus welchen Gründen auch immer) abgetrennt wurden.

Es besteht ja überhaupt kein Zweifel daran, dass bei den normalen Stoffwechselvorgängen in der Pflanze nebenbei auch Wärme entsteht. Unter optimalen Bedingen wird bei der Atmung mehr als die Hälfte der Energie in Wärme umgewandelt. Sowas nennt man Thermogenese. Einige Pflanzen wie zum Beispiel Arten aus der Familie der Aronstabgewächse (Araceae) sind sogar in der Lage ihre Blüte “mutwillig” für kurze Zeit zu erwärmen, um damit bestimmte Insekten anzulocken.

Schneemann

Schneemann

Aber reicht das wirklich aus, um sich einen Weg durch den vereisten Boden und anschließend durch den Schnee zu schmelzen? Ich habe da so meine Zweifel. Ich denke wir sind uns einig, dass unser inzwischen stark zurück geschmolzener Schneemann bei seinen Stoffwechselvorgängen keine Wärme erzeugt. Trotzdem ist der Schnee auch rund um ihn herum geschmolzen. Ebenso geht es im Moment vielen anderen unbelebten Objekten. Dafür können also auch ganz andere Prozesse als die Thermogenese verantwortlich sein (höhere Absorption der Sonnenenergie, beeinträchtigte Wärmeabstrahlung in der Nacht usw).

Natürlich ist mir klar, dass simple physikalische Argumente von Gegnern gerne als gequirlte Ausscheidungen höherer Säugetiere bezeichnet werden (siehe Garten-pur-Fred), trotzdem lässt es sich ja nicht von der Hand weisen, dass die Zwiebeln der Schneeglöckchen ziemlich klein sind. So eine einen Zentimeter große Schneeglöckchen-Zwiebel enthält sehr freundlich geschätzt eine Energie von zwei Kilojoule (500 Kalorien). Wie ich gerade vor Kurzem in einem anderen Artikel erörtert hatte, kann das Schneeglöckchen mit dieser Energie knapp 6 Gramm Eis auftauen – ein einziges Mal. Ich denke es wird andere Sorgen haben, als ihre gesamte Energie in die Schneeschmelze zu stecken.

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3 Kommentare zu Thermogenese bei Pflanzen

  • Sisah

    Ob nun Thermogenese, physikalische Prozesse oder Turgor…ich frage mich, was hat Schneeglöckchen davon , so früh durch die Schneedecke zu stoßen? Es geht doch immer um Fortpflanzung, Insekten anzulocken ist sinnlos, weil noch keine da sind, wieso sollte es dann den Schnee zum Schmelzen bringen? Außerdem braucht es die auch nicht, da es sich durchaus auch vegetativ vermehren kann…und wenn ich mich nicht irre ist es auch noch autogam.
    Schneeglöckchen stammen ja ursprünglich aus Süd-und Osteuropa, deine Problemstellung lässt mich nachdenken, wie der natürliche Lebensraum eines Schneeglöckchens eigentlich ausgesehen hat. Mal sehen, ob ich was im Netz finde.
    LG
    Sisah

  • Ich denke ein Aspekt ist noch die Lichtkonkurrenz. Bei uns gibt es einige Standorte, auf denen sich die Schneeglöckchen stark natürlich vermehren (führt im Frühjahr regelmäßig zu Staus, weil Leute einfach anhalten um Schneeglöckchen zu pflücken). Ein Kennzeichen dieser Standorte ist, dass sie später im Jahr stockdunkel sind. Das Schneeglöckchen kann sich dort ausbreiten, weil es im Frühjahr noch keine Lichtkonkurrenz hat. Später wenn die Hecken Blätter tragen, haben sich die Schneeglöckchen dann schon längst wieder zurück gezogen.

    Irgendwas anderes muss aber wohl noch dazu kommen, denn die Schneeglöckchen breiten sich nicht auf jeder beliebigen Hecken-Nordseite natürlich aus. Keine Ahnung, was die weiteren Faktoren sind. Interessant ist aber, dass diese für Schneeglöckchen eher schlecht geeigneten Standorte oft sehr gut für Bärlauch und Waldmeister geeignet sind.

  • OMG – dieser Biowärme-Quatsch steht tatsächlich seit dem 27. März 2004 im Artikel Schneeglöckchen in der Wikipedia.

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